Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie Anabolika dem Herzen schaden

Mittwoch, 21. Juni 2017 – Autor:
Wer Anabolika langfristig einnimmt, nimmt irreversible Schäden der Herzfunktion in Kauf. Das fanden Forscher in einer aktuellen Studie heraus. Über 70 Prozent der Anabolika-Konsumenten wiesen eine eingeschränkte Pumpfunktion des linken Ventrikels auf.
Anabolika schaden dem Herzen

Immer mehr Freizeitsportler nehmen Anabolika ein – Foto: ©Markus Mainka - stock.adobe.com

Steroide Anabolika wie Testosteron werden schon längst nicht mehr nur von Leistungssportlern konsumiert. Auch viele Freizeitsportler greifen immer öfter zu den Hormonen, um schnell Muskelmasse aufzubauen. Dabei können Anabolika das Herz-Kreislauf-System schädigen, wie schon seit langem bekannt ist. Wie groß die Schäden sein können, war bislang allerdings umstritten. Nun hat eine aktuelle Studie gezeigt, dass sowohl die systolische als auch die diastolische Ventrikelfunktion des Herzens durch regelmäßigen Anabolika-Konsum stark beeinträchtigt wird.

Eingeschränkte Herzleistung bei 71 Prozent der Anabolika-Nutzer

Für ihre Studie untersuchte das Forscherteam um Dr. Aaron Baggish vom Massachusetts General Hospital in Boston 140 Männer zwischen 34 und 54 Jahren, die in ihrer Freizeit Gewichte stemmten. 86 der Studienteilnehmer hatten mindestens zwei Jahre lang anabol-androgene Steroide eingenommen, 58 von ihnen taten dies zum Untersuchungszeitraum immer noch. Als Kontrollgruppe dienten 54 Probanden, die nie Anabolika eingenommen hatten.

Wie sich zeigte, wiesen 71 Prozent der Anabolika-Konsumenten eine eingeschränkte Pumpfunktion des linken Ventrikels auf; in der Kontrollgruppe waren es nur zwei Personen. Bei den Sportlern, die früher Anabolika konsumierten, damit aber aufgehört haben, war die Pumpfunktion des linken Ventrikels wieder normal. Anders die diastolische Funktion des Herzens: Sie war auch bei den Probanden, die keine Steroide mehr einnahmen, weiterhin reduziert. Offenbar lagen hier bereits irreversible Schäden vor, so die Studienautoren.

 

Risiko für Atherosklerose erhöht

Wie erwartet, ging der Missbrauch von anabolen Steroiden mit einer krankhaften Herzmuskelzunahme einher: Dabei verdicken sich die Wände der linken Herzkammer, während sich der Innendurchmesser nicht vergrößert, sondern die Herzhöhle eher eingeengt wird. Das führt zu einer gestörten Füllung der linken Herzkammer.

Neben diesen negativen Einflüssen auf die Herzfunktion, konnten die Forscher auch ein erhöhtes Auftreten von Atherosklerose bei den Anabolika-Konsumenten feststellen. Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen schien erhöht zu sein. „Ärzte, die bei Männern im jüngeren bis mittleren Alter eine unerklärbare linksventrikuläre Dysfunktion oder Anzeichen einer koronaren Herzerkrankung feststellen, sollten deshalb eine durch anabole Steroide induzierte Kardiotoxizität als Differenzialdiagnose in Betracht ziehen“, raten die Studienautoren. In Deutschland nehmen schätzungsweise 200.000 Menschen anabole Steroide ein.

Foto: © Markus Mainka - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sport , Atherosklerose , Nahrungsergänzungsmittel , Herz-Kreislauf-System , Herzrhythmusstörungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Leistungssteigernde Mittel

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Je stärker sich der Klimawandel intensiviert, umso mehr wird er zur Bedrohung für die menschliche Gesundheit. „Der Klimawandel ist nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein medizinischer Notfall“, warnt jetzt der AOK-Bundesverband in einem Positionspapier. Die Prognose der AOK-Experten: Es wird mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen geben, mehr Allergien und mehr Hitzetote – und neue Infektionskrankheiten.


 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin