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WHO warnt vor Verbreitung neuer Viren

Nachdem zwei weitere Menschen am Coronavirus, einem mit SARS verwandten Erreger, gestorben sind, spricht die WHO eine Warnung vor neuen Virus-Epidemien aus. Die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan fordert die Mitgliedsländern zu engerer Zusammenarbeit auf, um die neuen Risiken zu begrenzen.
Warnung vor neuen Viren

Immer wieder kommt es zu Virus-Epidemien

In dieser Woche wurde es bekannt: Wieder sind zwei Menschen am neuen Coronavirus (NcoV) gestorben. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor den Risiken durch neue Viren gewarnt. Die Generaldirektorin der WHO Margaret Chan erklärte bei der Eröffnung der 66. Weltgesundheitsversammlung in Genf, die neuen Viren könnten „schnell eine Gefahr für alle“ werden. Sie forderte daher ein „hohes Maß an Wachsamkeit“ aller Verantwortlichen in der Gesundheitsbranche.

Das Coronavirus wurde vor rund einem Jahr entdeckt und ist mit dem SARS-Virus eng verwandt. An der SARS-Epidemie vor zehn Jahren sind mehr als 800 Menschen gestorben. Im Jahr 2003 galt das Virus als besiegt – bis das Coronavirus auftauchte. Der neue Erreger kann ähnlich wie SARS grippeähnliche Symptome auslösen, aber auch zu einer schweren Lungenentzündung führen. Anders als der alte Erreger kann NcoV allerdings auch schnell zu Nierenversagen führen.

Kampf gegen Viren erfordert internationale Zusammenarbeit

Lange Zeit war unklar, wie das Virus übertragen wird. Mittlerweile weiß man, dass es bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Das macht es besonders gefährlich, so Chan. Durch Reisen könne das Virus schnell Grenzen überwinden. Zwar bestehe kein Anlass zur Panik. Doch „die Situation verlangt die Zusammenarbeit der gesamten Welt.“ Der WHO zufolge sind bisher 41 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. 20 Patienten starben an der Infektion; viele davon stammten aus dem Nahen Osten.

Neben dem Coronavirus macht auch die Vogelgrippe den Gesundheitsexperten weiter Sorge. Das H7N9-Virus forderte in diesem Jahr bereits 36 Menschenleben. Chan rief die 194 WHO-Mitgliedsländer dazu auf, mehr für die von der UN beschlossenen weltweiten Millenniumsziele im Gesundheitswesen zu tun. Bei der nächsten Vollversammlung am 28. Mai soll eine Zwischenbilanz bei der Umsetzung der Ziele gezogen werden. Allerdings ist jetzt schon absehbar, dass vor allem in den ärmeren Ländern wichtige Vorhaben für eine medizinische Grundversorgung nicht oder nur teilweise verwirklicht werden können.

 

Kosten im Gesundheitswesen explodiert

Allerdings, so Chan, seien die Herausforderungen heute auch andere als im Jahr 2010, als die Milleniumsziele von der UN-Generalversammlung in New York ausgerufen worden waren. Neben der Verbreitung von Viren habe in den letzten Jahren vor allem das Ausmaß von nicht übertragbaren Krankheiten wie Bluthochdruck oder psychische Erkrankungen stark zugenommen. Dies hat in vielen Ländern zu einer Explosion der Gesundheitskosten geführt.

Chan lobte aber auch die Erfolge, die in den vergangenen Jahren im Gesundheitswesen erzielt wurden. So sei beim Kampf gegen die Ausbreitung von HIV sowie bei der medizinischen Betreuung von HIV-Patienten viel erreicht worden. „Ich bin sehr erfreut darüber, dass sich die Lebenssituation von mehr als neun Millionen Menschen mit HIV in niedrigen und mittleren Einkommensgruppen durch eine langfristige antiretrovirale Therapie verbessert hat“, so Chan.

Foto: © Jezper - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin , Corona
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