. Übergewicht durch Softdrinks

WHO fordert Zuckersteuer

Um das weltweite Übergewicht und seine Folgeerkrankungen einzudämmen, fordert die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Zuckersteuer – genauer gesagt: eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Dies teilte die Organisation am Dienstag anlässlich des Welt-Adipositas-Tags mit.
Sondersteuer auf Softdrinks

Eine Sondersteuer auf Softdrinks soll den Zuckerkonsum eindämmen

Eine halbe Milliarde Menschen sollen weltweit an Adipositas leiden. Eine der Ursachen: zuckerhaltige Getränke. Die Weltgesundheitsorganisation schlägt daher eine Sondersteuer vor. Es gebe zahlreiche Belege, dass eine solche Steuer den Konsum von Softdrinks reduziere, so die WHO. Sie schlägt daher eine Abgabe von 20 Prozent vor. Im Ergebnis, so heißt es, würden weniger Menschen an Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes oder Karies leiden. „Wenn Regierungen Produkte wie zuckerhaltige Getränke stärker besteuern, können sie Leiden reduzieren und Leben retten“, erklärt Douglas Bettcher, Direktor der WHO-Abteilung für die Vorbeugung von nichtansteckenden Krankheiten. „Zudem können sie die Kosten für das Gesundheitswesen verringern und ihm zugleich mehr Geld zur Verfügung stellen.“

Studie zeigt: Höhere Preise reduzieren Zuckerverbrauch

Die Empfehlung folgt auf eine Untersuchung im vergangenen Jahr. Steuerexperten hatten den Auftrag festzustellen, welche Strategie am ehesten geeignet sei, die Quote übergewichtiger Menschen zu senken. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, die im Jahr 2014 in Mexiko eingeführt wurde und zu Preissteigerungen von zehn Prozent führte, den Zuckerkonsum um sechs Prozent senkte.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte eine Zuckersteuer schon im vergangenen Monat gefordert. Ihr Vertreter Oliver Huizinga erklärte: „Sonderabgaben auf Zuckergetränke wirken und sind unabdingbar im Kampf gegen Fettleibigkeit und chronische Krankheiten." Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sieht eine Sondersteuer jedoch eher skeptisch. Er erklärte, Deutschland habe bis 1993 eine Zuckersteuer gehabt, wodurch sich „nichts geändert“ habe. Die Regierung arbeite stattdessen daran, den Anteil von Salz, Zucker und Fett in Fertiglebensmitteln deutlich zu reduzieren.

Von der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke hieß es: „Eine Strafsteuer allein auf Softdrinks ist nicht geeignet, um ein komplexes gesellschaftliches Problem wie Übergewicht zu lösen.“ Eine solche Steuer mache nicht schlank oder gesund, sondern sei bloße Symbolpolitik.

Zehn Teelöffel Zucker in jeder Limonade

Nach Empfehlungen der WHO sollten maximal fünf Prozent der täglichen Kalorienzufuhr aus Zucker bestehen. Das würde etwa 25 Gramm beziehungsweise rund sechs Teelöffeln Zucker am Tag entsprechen. In einem durchschnittlichen Softdrink sind hingegen rund zehn Teelöffel Zucker enthalten. Warum gerade zuckrige Getränke problematisch sind, beschrieb der Verantwortliche für gesunde Ernährung bei der WHO, Francesco Branca, so: „Wenn man etwas trinkt, ist die Hungerkontrolle inaktiv, sodass man dazu neigt, zu viele Kalorien zu sich zu nehmen.“

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