. Gaming disorder

WHO: Computerspielsucht als Krankheit anerkannt

Computerspiele können süchtig machen. Davon ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überzeugt und hat Computer- bzw. Videospielsucht daher in den neuen Katalog der Krankheiten ICD-11 aufgenommen.
Videospielsucht, Gaming disorder, Computerspielsucht

Nach Ansicht der WHO ist Computerspielsucht eine eigenständige Krankheit

Exzessives Computer- oder Videospielen gilt nach dem neuen ICD-Katalog der WHO demnächst als Krankheit. Der Katalog dient zum einen Ärzten als Hilfe bei der Diagnose, zum anderen nutzen Krankenkassen ihn oft als Grundlage für Kostenübernahmen. Mit der Entscheidung wird Computerspielsucht („Gaming disorder“) als eigenständige und behandlungsbedürftige Erkrankung anerkannt.

Rund 34 Millionen Deutsche spielen Computer oder Videospiele, nur ein kleiner Teil davon so exzessiv, dass es ihre Gesundheit gefährdet. Dennoch sollten Angehörige und Freunde aufmerksam werden, wenn die virtuelle Welt den Spielern so wichtig wird, dass sie Familie und Freunde vernachlässigen, ebenso Schule, Ausbildung oder die Arbeit, erklärt Vladimir Poznyak vom Programm Suchtmittelmissbrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Kritik aus der Spielbranche

Bisher wurde Computerspielsucht offiziell – wenn überhaupt – als eine Unterform der substanzungebundenen Abhängigkeiten wie beispielsweise der Glücksspielsucht betrachtet. Damit waren die Therapieoptionen jedoch erheblich eingeschränkt. Durch die Anerkennung als eigenständige Erkrankung wird die Behandlung voraussichtlich erleichtert werden.

Die Entscheidung der WHO stößt jedoch nicht nur auf Zustimmung. „Wir finden es problematisch, wenn das Spielen pathologisiert und die Spieler stigmatisiert werden“, so der Geschäftsführer des Verbands Game, Felix Falk. Der Verband deckt nach eigenen Angaben mit rund 200 Mitgliedern sowie Entwicklern und Grafikern mehr als 90 Prozent der deutschen Gaming-Branche ab.

 

Diagnosestellung nach klaren Kriterien

Experten sorgen sich zudem, dass die neue Diagnose falsch eingesetzt werden könnte. So könne es sein, dass sich bei exzessiv spielenden Patienten andere Probleme wie Depression oder soziale Angststörungen hinter der Symptomatik verbergen. Vladimir Poznyak sieht das anders. Es gebe klare Grenzen zwischen normalem Spielen und Spielsucht. Für eine Diagnose als Sucht müssen drei Kriterien erfüllt sein:

  • entgleitende Kontrolle etwa bei Häufigkeit und Dauer des Spielens
  • wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten
  • Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen

„Spielsüchtig ist jemand, der Freunde und Familie vernachlässigt, der keinen normalen Schlafrhythmus mehr hat, sich wegen des ständigen Spielens schlecht ernährt oder sportliche Aktivitäten sausen lässt“, so Poznyak. Dem Spieler mache es auch keinen Spaß mehr, aber er komme nicht davon los. Betroffen sind meist junge Menschen.

Foto: © photoschmidt - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sucht , Psychische Krankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Internetsucht

| Immer mehr Menschen nutzen Social Media wie Whatsapp, Instagram und Co. – auch immer mehr Jugendliche und Kinder. Doch wie schädlich können die sozialen Medien sein und welches Suchtpotenzial haben sie? Dieser Frage ist die DAK in einer Studie nachgegangen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.