Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

White-Paper fordert Screening auf Vorhofflimmern

Ein flächendeckendes Screening auf Vorhofflimmern könnte hunderttausende Schlaganfälle verhindern. Zu diesem Ergebnis kommt das internationale Expertengremium AF-SCREEN. In einem White-Paper fordern die Experten die Regierungen zum Handeln auf.
White-Paper: Screening auf Vorhofflimmern könnte Leben retten

White-Paper: Screening auf Vorhofflimmern könnte Leben retten

Rund ein Drittel aller Schlaganfälle werden durch Vorhofflimmern verursacht. Bei etwa zehn Prozent aller Schlaganfälle war die Herzrhythmusstörung vorher nicht bekannt. Würden ältere Menschen flächendeckend auf Vorhofflimmern untersucht, könnten damit weltweit hunderttausende Schlaganfälle verhindert werden. Das schreibt das internationale Expertengremium AF-SCREEN in einem White Paper, das soeben in der Fachzeitschrift „Circulation“ erschienen ist. Darin appellieren die Experten an Regierungen, alle Menschen ab 65 einem Screening auf Vorhofflimmern zu unterziehen, um Schlaganfällen vorzubeugen.

Screening wäre echte Schlaganfall-Prävention

„Durch Vorhofflimmern verursachte Schlaganfälle sind ausgedehnter und schwerer und fordern mehr Todesopfer als andere Schlaganfälle“, erläutert Mitautorin Prof. Renate Schnabel vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). „Ein Screening kann gefährdete Personen davor schützen, überhaupt einen solchen zu erleiden.“

Vorhofflimmern kann dazu führen kann, dass sich im Herzvorhof Blutgerinnsel bilden. Gelangen die Klümpchen über die Blutbahn ins Gehirn, kommt es zum gefürchteten Schlaganfall. Darum müssen Patienten mit Vorhofflimmern blutverdünnende Mittel wie Marcumar einnehmen. „Durch die medikamentöse Therapie kann Schlaganfällen sehr gut vorgebeugt und ihr Schweregrad abgemildert werden“, erläutert Herzspezialistin Schnabel.

Das Problem ist aber, dass viele ältere Menschen von ihrem Vorhofflimmern gar nichts wissen. Entsprechende Reihenuntersuchungen sind derzeit nicht vorgesehen. Dabei zeigen Studien, dass mit Hilfe von Screenings bei ein bis drei Prozent der 65- bis 75-Jährigen ein zuvor unerkanntes Vorhofflimmern diagnostiziert werden konnte.

 

Untersuchung in jeder Hausarztpraxis möglich

Das White Paper ruft deshalb Regierungen weltweit auf, Screenings für Personen ab 65 Jahre einzuführen. Die Untersuchung wäre denkbar simpel: Messung von Puls und Blutdruck und ein Langzeit-EKG können in jeder Hausarztpraxis durchgeführt werden. Der Puls kann übrigens von jedem zu Hause selbst gemessen werden. Ist er unregelmäßig könnte ein Vorhofflimmern dahinter stecken, was mit einem EKG abgeklärt werden muss.

Im internationalen Verbund AF-SCREEN haben sich 130 Kardiologen, Neurologen, Hausärzte, Gesundheitsökonomen, Krankenschwestern, Apotheker und Vertreter von Patientenorganisationen aus 33 Ländern zusammengeschlossen. Davon wirkten 60 Experten am White Paper “Screening for Atrial Fibrillation, A Report of the AF-SCREEN International Collaboration” mit.

Foto: © praisaeng - Fotolia.com

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Vorhofflimmern , Schlaganfall
 

Weitere Nachrichten zum Thema Vorhofflimmern

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin