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15.10.2014

Wer zwei Sprachen spricht, ist länger vor Demenz geschützt

Zweisprachigkeit hält das Gehirn im Alter fit – das ist schon länger bekannt. Doch offenbar kann bei Menschen, die zwei oder mehr Sprachen beherrschen, sogar das Einsetzen einer Demenz hinausgezögert werden. Das zeigt eine neue Studie.
Zweisprachigkeit schützt vor Demenz.

Zweisprachigkeit hält das Gehirn fit.

Schon mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, später an Demenz erkranken als andere. Doch bisher war unklar, ob der Spracherwerb tatsächlich das Gehirn schützt oder umgekehrt Menschen mit einem hohen Intelligenzquotienten einfach häufiger Fremdsprachen erlernen. Denn Beobachtungsstudien haben bereits bewiesen, dass Intelligenz und Bildung das Risiko für eine Demenz reduzieren. Einer aktuellen Studie zufolge ist es aber tatsächlich die Mehrsprachigkeit selbst, die das Einsetzen einer Demenz hinauszögern kann – unabhängig vom Intelligenzquotienten.

Zweisprachigkeit kann Demenzschäden ausgleichen

Für die Studie wurde bereits im Jahr 1947 die Intelligenz von über 850 Kindern im Alter von elf Jahren getestet; im Zeitraum von 2008 bis 2010 wurden die Probanden dann erneut untersucht. Die Ergebnisse verglichen die britischen Forscher dann mit den Sprachfähigkeiten der Teilnehmer. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Probanden, die zwei oder mehr Sprachen erlernt hatten, später über bessere kognitive Fähigkeiten verfügten und seltener an einer Demenz erkrankt waren als diejenigen, die nur ihre Muttersprache beherrschten. Die wichtigste Erkenntnis für die Forscher war jedoch, dass dieses Resultat unabhängig von den Intelligenzwerten der Teilnehmer war.

Auch wenn intelligente Menschen möglicherweise öfter Sprachen lernen als andere, fördert Zwei- und Mehrsprachigkeit also die kognitiven Fähigkeiten unabhängig von der Intelligenz. Dass sie sogar die Symptome einer Demenz hinauszögern kann, liegt vermutlich daran, dass das Erlernen von mehreren Sprachen offenbar eine Art „mentale Reserve“ herstellt, die für einige Jahre die durch eine Demenz bedingten Schäden ausgleichen kann. Frühere Studien hatten gezeigt, dass durch das Erlernen von Sprachen eine Vielzahl von Hirnarealen miteinander verknüpft wird. Diese Verbindungen können später offenbar helfen, Demenzsymptomen wie Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit entgegenzuwirken.

 

Es ist nie zu spät für neue Sprachen

Die aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Annals of Neurology veröffentlicht wurde, zeigt auch, dass es offenbar keinen Einfluss auf das Ergebnis hat, ob eine Sprache aktiv gesprochen wird oder nicht. Und noch ermutigender ist, dass es auch kaum eine Rolle spielt, wann die Fremdsprachen erlernt werden. Die Studienteilnehmer, die erst als Erwachsene eine neue Sprache erlernt hatten, profitierten davon genau wie jene, die schon als Kinder zwei- oder mehrsprachig waren. Für die Wissenschaftler ist dadurch bewiesen, dass es sich jederzeit lohnt, eine neue Sprache zu lernen.

Foto: © Andres Rodriguez - Fotolia.com

Autor: red
 

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