. Hinweise im Blut auf Transplantationserfolg

Wer toleriert ein Spenderorgan?

Eine Organtransplantation ohne lebensgefährliche Abstossungsreaktion - bei einer kleinen Gruppe von Menschen ist dies möglich. Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anderer europäischer Institutionen herausgefunden, welche immunologischen Merkmale diese Patienten gemeinsam haben.
Wer toleriert ein Spenderorgan?

Foto: NIH


 

Es ist äusserst selten, dass ein Mensch ohne entsprechende Medikamente ein Spenderorgan toleriert. Dennoch fanden die Forscher elf Patienten aus ganz Europa, die eine Nierentransplantation langfristig überlebt hatten, obwohl sie aus verschiedenen Gründen keine Medikamente zur Kontrolle des Immunsystems einnehmen konnten. Bei ihren Untersuchungen entdeckten die Forscher dann einen Biomarker, mit dem sich der Transplantationserfolg vorhersagen lässt.

Biomarker für Transplantationserfolg

"Wir entdeckten tatsächlich einen spezifischen immunologischen ,Fingerabdruck` im Blut, das heisst, eine Gruppe von Merkmalen, die nur diese Patienten gemeinsam hatten", berichtet Prof. Hans-Dieter Volk, Direktor des Institutes für Medizinische Immunologie und des BCRT der Charité. Die Charité war als einzige wissenschaftliche Einrichtung aus dem deutschsprachigen Raum an dem Vorhaben beteiligt, zu dem sich sieben europäische Forschungsinstitutionen, darunter das King"s College London, die Universität Oxford und das französische Institut de Transplantation et de Recherche en Transplantation (ITERT) zusammengeschlossen hatten. Ihre Aufgabe war es, den äusserst seltenen Fall einer natürlichen Toleranz gegen Nierenspenderorgane zu untersuchen.

Die Forscher verglichen das Blut dieser Menschen mit anderen Patienten, die trotz Einnahme der üblichen Medikamente nach der Nierentransplantation bereits Anzeichen einer Abstossungsreaktion zeigten, sowie mit gesunden Freiwilligen. In einer Reihe komplexer Labortests gelang es, die spezifischen Merkmale der immuntoleranten Gruppe zu identifizieren. Prof. Volk hofft, auf Grundlage dieser Ergebnisse mit Hilfe spezieller Blutuntersuchungen bald vorhersagen zu können, welche Patienten auf Medikamente zur Immunkontrolle ganz oder teilweise verzichten können. "Diese Mittel sind natürlich nicht ungefährlich und sehr teuer. Sie sichern das Überleben der Transplantate und der Patienten, aber ihre Einnahme kann auch zu ernsten Gesundheitsproblemen führen. Dennoch warnt Prof. Volk davor, die das Immunsystem hemmenden Mittel auf eigene Faust abzusetzen. "Trotz aller unangenehmen Nebenwirkungen ist es für jeden Transplantationspatienten äusserst wichtig, die verordneten Medikamente weiterhin einzunehmen!" 

Weitere Nachrichten zum Thema Organspende

| Manipulationen bei der Organvergabe haben das Vertrauen der Deutschen in die Organspende in den letzten Jahren schwer erschüttert. Doch nun steigt die aktive Bereitschaft zur Organspende langsam an. Immer mehr Menschen haben einen Organspendeausweis. Das zeigt eine repräsentative Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Vorfeld des Tages der Organspende am 6. Juni.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Geburtskliniken in Deutschland leisten nach Wahrnehmung der Frauen, die dort entbunden haben, insgesamt gute Arbeit. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken. Deshalb sollten werdende Eltern bei ihrer Klinikwahl gezielt vergleichen.
Regelschmerzen sind für viele Frauen bis zu einem gewissen Punkt normal. Werden sie jedoch unerträglich, kann eine Endometriose dahinterstecken, eine chronische Erkrankung, die zur Unfruchtbarkeit führen kann. Die Diagnose ist schwierig, und auch die Therapie kann kompliziert sein.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.