. Kognitive Plastizität

Wer Sprachen lernt, bleibt geistig länger fit

Wer mehrere Sprachen spricht, kann die Entstehung einer Demenz hinauszögern – das haben Studien bereits gezeigt. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass auch das Erlernen einer Sprache im hohen Alter die Plastizität des Gehirns und damit die kognitive Leistungsfähigkeit fördert.
Sprachen, Gehirn, Demenz

Das Erlernen einer Fremdsprache ist die ideale Trainingsmethode für das Gehirn

Die beste Methode, um möglichst lange geistig fit zu bleiben, besteht darin, die Plastizität des Gehirns zu fördern. Denn unser Denkorgan hat die Fähigkeit, sich selbst zu regenerieren und immer wieder neu zu strukturieren – und das prinzipiell ein Leben lang. Dazu muss es aber genutzt und gefordert werden.

Sprachenlernen ist dabei offenbar besonders gut geeignet, um neue Verbindungen im Gehirn anzulegen. Untersuchungen konnten sogar zeigen, dass Mehrsprachigkeit dazu beitragen kann, die Entstehung einer Demenz hinauszuzögern. In einer aktuellen Studie haben Forscher nun nachgewiesen, dass ältere Personen, die eine neue Sprache lernen, ihre Gehirnleistung deutlich verbessern können.

Vernetzung einzelner Gehirnareale untersucht

Für die Analyse hatten Neurowissenschaftler aus Italien 26 Probanden zwischen 59 und 79 Jahren, die bis dahin keinerlei Fremdsprachenkenntnisse hatten, in zwei Gruppen aufgeteilt. 16 Wochen lang besuchten 13 Personen für 120 Minuten pro Woche einen Englischkurs, die anderen 13 nicht. Vor und nach dem Programm wurden alle Probanden einer umfangreichen neuropsychologischen Untersuchung unterzogen.

In dieser Untersuchung wurden Kognition, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprachkompetenz sowie exekutive Funktionen überprüft. Durch funktionelle Magnetresonanztomografie (rs-fMRI) wurde zudem die Vernetzung einzelner Gehirnareale gemessen.

 

Gehirnleistung durch Sprachprogramm verbessert

Wie sich zeigte, hatte sich zum Studienende die Hirnleistung der Gruppe, die am Sprachprogramm teilnahm, leicht verbessert – die Kontrollgruppe wies hingegen schlechtere Werte auf. Die verbesserten kognitiven Leistungen der Probanden aus der Sprachgruppe wurden auch durch die Ergebnisse des rs-fMRI widergespiegelt: Im Vergleich zur Ausgangssituation wiesen die Sprachschüler eine höhere funktionale Konnektivität dreier Hirnareale auf, nämlich des rechten inferioren frontalen Gyrus (rIFG), des rechten superioren frontalen Gyrus (rSFG) sowie des linken superioren Parietallappen (ISPL).

Für die Studienautoren sind die Ergebnisse ein Hinweis darauf, dass das Erlernen einer Fremdsprache im Alter dazu beitragen kann, dem kognitiven Abbau entgegenwirken. Sprachenlernen lohnt sich demnach auch im höheren Alter.

Foto: © jd-photodesign - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
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