. Gemeinsamer Bundesausschuss

Wer Klinik-Qualität nicht offenlegt, zahlt bald drauf

Der Gemeinsame Bundesausschuss macht ernst mit der Qualitätssicherung: Krankenhäuser, die fehlerhafte oder unvollständige Qualitätsberichte abliefern, müssen ab 2015 mit Sanktionen rechnen. Auch Geldstrafen sind vorgesehen.
Krankenhäuser müssen künftig über Bonuszahlungen an Chefärzte informieren

Ab 2015 gelten Sanktionen für ungenügende Qualitätsberichte von Krankenhäusern

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Ende März beschlossen, dass es nicht länger ohne Folgen bleibt, wenn Krankenhäuser unvollständige oder fehlerhafte Qualitätsberichte abliefern. Künftig sollen die schwarzen Schafe auf einer Liste auf der Homepage des G-BA veröffentlicht werden. Liefern sie wiederholt Qualitätsberichte, die den gesetzlichen Anforderungen nicht genügen, müssen Krankenhäuser mit Qualitätssicherungsabschlägen rechnen. Das sollen zunächst ein Euro pro Krankenhausfall sein, später zwei Euro. Die Regelung gilt ab dem Berichtsjahr 2013. Die erste Liste dürfte also ab Frühjahr 2015 veröffentlicht sein. Die Wirksamkeit der Sanktionen soll nach drei Jahren überprüft werden.

Qualitätssicherung: Informationspflicht über Bonuszahlungen

Gleichzeitig mit den Sanktionen für fehlerhafte Qualitätsberichte hat das oberste Selbstverwaltungsgremium im Gesundheitswesen beschlossen, dass die Qualitätsberichte auch Informationen über sogenannte Chefarztverträge enthalten müssen. Falls Krankenhäuser ihren leitenden Ärzten Boni für die Durchführung von bestimmten Operationen, Eingriffen oder Leistungen zahlen, muss das künftig angegeben werden. Mit diesem Beschluss setzt der G-BA eine Neuregelung aus dem Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz um. Die Rahmenvereinbarung zur Umsetzung haben die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Bundesärztekammer (BÄK) im vergangenen Jahr festgelegt. Dort ist ausdrücklich festgehalten, dass finanzielle Anreize für einzelne Eingriffe oder Leistungen nicht vereinbart werden dürfen. Krankenhäuser, die von dieser Regelung abweichen, müssen das in ihren Qualitätsberichten veröffentlichen.

Krankenkassen begrüßen Sanktionen der Krankenhäuser

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrüßte den Beschluss. Die Regelung sei gut, denn Versicherte und niedergelassene Ärzte müssten sich darauf verlassen können, dass die Daten vollständig und richtig sind. „Leider ist die Bereitschaft zur Qualitätstransparenz nicht überall gleichermaßen vorhanden. Es kommt immer wieder vor, dass einzelne Kliniken unvollständige Qualitätsberichte erstellen oder überhaupt keine. Das ist nicht länger hinnehmbar“, so Verbandsvize Johann-Magnus von Stackelberg.

Krankenhäuser müssen schon seit 2005, regelmäßig strukturierte Qualitätsberichte veröffentlichen. Die Details regelt der G-BA. Zum Berichtsjahr 2012 hat der Ausschuss eine umfassende Überarbeitung der Regelungen beschlossen. Diese umfangreichen Neuerungen führen nun wahrscheinlich zu Verzögerungen bei der Vorlage der Qualitätsberichte für das Jahr 2012. Deshalb hat der Ausschuss den Krankenhäusern eine pauschale Fristverlängerung gewährt. Im Normalfall hätten die Kliniken die Berichte bis zum 15. Februar übermitteln müssen. Jetzt genügt es, wenn sie die Berichte Ende Juni/Anfang Juli an den Ausschuss übermitteln.

Foto: fotodo - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Qualitätssicherung, Krankenhäuser, Gemeinsamer Bundesausschuss

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Dass körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bluthochdruck Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, ist bekannt - wie ungleich diese innerhalb Deutschlands verteilt sind, jedoch weniger. Eine Studie zeigt, dass Menschen aus dem Ostteil des Landes ein ungünstigeres Risikoprofil aufweisen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.