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11.05.2018

Wer in kälterem Klima lebt leidet häufiger an Migräne

Eine Genvariante könnte den frühen Menschen geholfen haben, sich an die Kälte in nördlichen Klimazonen anzupassen. Sie ist allerdings mit einem höheren Migräne-Risiko verbunden.
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Menschen, die in kälteren Regionen leben, haben ein höheres Migräne-Risiko

Innerhalb der letzten 50.000 Jahre haben Menschen das warme Klima Afrikas verlassen, um kältere Gebiete in Asien, Europa und anderen Teilen der Welt zu besiedeln. "Diese Kolonisierung könnte von genetischen Anpassungen begleitet gewesen sein, die den frühen Menschen geholfen haben, auf kalte Temperaturen zu reagieren", sagt Forscherin Aida Andres vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Um Beweise für diese Anpassung zu finden, untersuchten sie und ein Team um Dr. Felix Key das Gen TRPM8. Dieses Gen steuert einen Kälte-Rezeptor in Nervenzellen der Haut. Es wird durch kalte Temperaturen aktiviert und ist notwendig für Thermoregulation des Menschen.

88 Prozent der Finnen tragen diese Genvariante

Eine Genvariante von TRPM8 kam nun in den letzten 25.000 Jahren in Bevölkerungen, die in höheren Breiten lebten, immer häufiger vor. Nur 5 Prozent der Menschen mit nigerianischen Vorfahren tragen die Variante, verglichen mit 88 Prozent der Menschen mit finnischer Abstammung. Der Prozentsatz der Menschen, die die Variante tragen, nimmt in höheren Breiten und in kälteren Klimazonen zu.

Nachteil dieser Anpassung: Diese Variante ist mit Migräne assoziiert. Der Prozentsatz der Menschen, die an dieser neurologischen Erkrankung leiden, ist am höchsten bei Personen mit europäischer Abstammung, die auch die Bevölkerung mit der höchsten Häufigkeit der kälteadaptiven Gen-Variante ist.

 

Wer in kälterem Klima lebt leidet häufiger an Migräne

Die Forscher vermuten daher, dass die Anpassung an kalte Temperaturen in frühen menschlichen Populationen in gewissem Maße zur Migräne-Prävalenz beigetragen haben könnte. Wer in kälterem Klima lebt leidet daher häufiger an Migräne. Über ihre Ergebnisse berichten sie im Fachblatt PLOS Genetics. Mit Modellen der Populationsgenetik ermittelten sie außerdem, dass das kälteangepasste Allel bereits in der afrikanischen Population der Vorfahren existierte und dass es häufiger wurde, wenn die Menschen nach Norden wanderten.

"Eines der interessanten Dinge ist, dass es in Europa relativ häufiger vorkommt als bei asiatischen Menschen, die auf demselben Breitengrad leben", kommentierte ein nicht an der Arbeit beteiligter Wissenschaftler. "Wir wissen nicht, warum das so sein sollte. Vielleicht gibt es hier einen historischen Faktor, der noch nicht verstanden ist."

Genvariante existierte bereits vor mindestens 3.000 Jahren

Die Forscher suchten in den Genomen von Jägern und Sammlern und Bauern, die vor 3.000 - 8.000 Jahren in Eurasien lebten, nach der Variante. Es stellte sich heraus, dass das Allel bereits vor mindestens 3.000 Jahren in diesen Gruppen vorkam. Warum die Genvariante mit Migräne verbunden ist, ist nicht klar.

Foto: baranq/fotolia.com

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