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Wer im Alter noch Pläne hat, lebt länger

Dienstag, 29. März 2022 – Autor:
Eine hohe Lebenserwartung ist auch Kopfsache. Psychologen zeigen dies nun in einer Studie zum Älterwerden auf. Demnach leben Menschen ganze 13 Jahre länger, wenn sie vom Alter ein positives Bild im Kopf haben und noch etwas erreichen wollen.
Die Sichtweise auf das Älterwerden und das Alter ist ein entscheidender Faktor für Langlebigkeit

Die Sichtweise auf das Älterwerden und das Alter ist ein entscheidender Faktor für Langlebigkeit – Foto: © Adobe Stock/ Rawpixel.com

Ein langes Leben ist ein Menschheitstraum. Dank verbesserter Umweltbedingungen ist die Lebenserwartung in den westlichen Ländern gestiegen, so dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Vor allem Hygiene, die Abwesenheit von Krieg und der medizinische Fortschritt haben dazu beigetragen. Trotz dieser Voraussetzungen ist die Lebenserwartung nur ein Durchschnittswert. Während die einen ihren 100. Geburtstag feiern, erreichen andere gerade mal ihr Rentenalter.

Dass hinter diesen Unterschieden nicht nur biologische Faktoren stecken, sondern auch psychologische, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Zum Besipiel hatte im Jahr 2002 eine US-amerikanische Studie gezeigt, dass Menschen mit einer positiven Sicht auf das Älterwerden rund sieben Jahre länger leben.

Deutscher Alterssurvey fragt nach dem Altersbild

Der Deutsche Alterssurvey kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Im Rahmen des Surveys wurden im Jahr 1996 2400 Studienteilnehmende des Deutschen Alterssurveys, damals zwischen 40 und 85 Jahre alt, zu ihrer Sicht auf das eigene Älterwerden befragt. Über die folgenden 23 Jahre wurde dokumentiert, wer wann verstarb, das waren insgesamt 871 Personen. Ein Team von der Uni Greifswald analysierte nun die Daten erneut.

 

13 Jahre Unterschied

Das Ergebnis: Menschen leben rund 13 Jahre länger, wenn sie das Alter als Entwicklungsprozess sehen und aktiv bleiben. „Wir konnten nun erstmals zeigen, dass jene Menschen länger leben, die das Älterwerden mit einer persönlichen Weiterentwicklung verbinden, die also viele Ideen und Pläne realisieren und weiterhin neue Dinge lernen wollen“, sagt Professorin Susanne Wurm von der Abteilung Präventionsforschung und Sozialmedizin am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. Bemerkenswert sei, "dass es vergleichsweise unwichtig für ein langes Leben ist, ob Menschen das Älterwerden mit körperlichen oder sozialen Verlusten verbinden.“

Den Alternsforscherinnen zufolge ist also das Bild vom Alter, das die Menschen im Kopf haben, entscheidend für ein längeres Leben. Andere psychische und gesundheitsbezogene Faktoren, die zu Langlebigkeit beitragen, wurden in der Studie mitberücksichtigt, um sicherzugehen, dass Altersbilder über bereits bekannte Faktoren hinaus Langlebigkeit erklären können. „Und dies ist tatsächlich der Fall“, sagt Koautorin Dr. Sarah Schäfer.

Für neue Ideen sollte es nie zu spät sein

Das heißt umgekehrt, wer sich im Alter selbst beschränkt und sich sagt, für diese oder jene Aktivität sei es schon zu spät, lebt demnach kürzer. „Menschen lernen ihr ganzes Leben lang negative Bilder vom Alter und neigen deshalb dazu, diese auf sich selbst anzuwenden, wenn sie dann alt sind“, sagt Susanne Wurm. Diese Altersselbstdiskriminierung gelte es zu durchbrechen, vielmehr müsste die Menschen darin unterstützt werden, ihr Älterwerden aktiv zu gestalten. Die Ergebnisse der Analyse des Deutschen Alterssurveys wurde soeben im  Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Jahre 2021 bis 2030 als Dekade des gesunden Älterwerdens ausgerufen und zum Ziel gesetzt, Altersbilder zu hinterfragen und Altersdiskriminierung zu reduzieren.

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
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