. Kariesbehandlung

Wenn Zahnfüllungen Zahnschmerzen bereiten

Karies macht Zahnschmerzen. Und die Behandlung beim Zahnarzt mit Karies-Entfernung und Füllung sollte das Problem normalerweise lösen. Zähne können aber auch nach der Behandlung weiter weh tun. Was die Ursachen sein können – und was man tun kann und sollte.
Collage: Vier Gesichter mit Zahnschmerzen

Empfindliche Körperregion: In den ersten Tagen nach einer Zahnfüllung wegen Karies können Zahn-, Ohren oder sogar Kopfschmerzen auftreten.

Leichte Zahnschmerzen in den ersten Tagen nach einer Zahnfüllung treten häufiger auf als gedacht. Und sie sind im Grunde keine Überraschung. Karies herausbohren, Füllungen implantieren, oft unter örtlicher Betäubung: Diese Behandlung ist tatsächlich eine kleine Operation. Und: Sie ist ein handwerklich-mechanischer Eingriff in eine Körperpartie, die besonders stark mit Nervenfasern und Blutgefäßen durchsetzt und daher sehr empfindsam und empfindlich ist. Zahnfleisch, Mundschleimhaut und Nervenfasern können strapaziert oder verletzt sein.

Je tiefer die Karies im Zahn, desto näher am Nerv

Je größer und tiefer die Ausdehnung der Karies war, desto näher kommt sie dem Zahnnerv. Bei der Karies-Entfernung und der Präparation der Füllungen kann es durch das zahnärztliche Bohren zu mechanischen Irritationen kommen – in Form von Erschütterungen oder durch entstehende Hitze. Damit die Zahnfüllung sicherer haftet, wird der Zahnschmelz mit einer Säure behandelt. Diese kann den Nerv auf chemische Weise reizen. Auch die meist gewählte Kunststofffüllung selbst kann Ursache der Zahnschmerzen sein. Der angewandte Kunststoff besteht aus Monomeren, also aus niedermolekularen, reaktionsfähigen Molekülen, die mittels UV-Licht verbunden und somit gehärtet werden. Einzeln übrig bleibende Monomere können den Zahnnerv reizen und damit Schmerz auslösen.

 

Häufige Ursachen für Zahnschmerzen nach Füllung

Schmerzen durch tiefe Karies

Die Tiefe der entfernten Karies im Zahn entscheidet auch darüber, ob und wie starke Schmerzen nach einer Füllung auftreten können. Musste der Arzt den entsprechenden Zahn sehr nah am Nerv reinigen, ist der Zahnnerv manchmal durch die Behandlung oder das Füllungsmaterial irritiert. Meistens ist der Zahn dann stark wärme- oder kälteempfindlich. Verschwinden diese Beschwerden nicht von alleine, kann eine sogenannte Wurzelbehandlung nötig sein, bei der der irritierte Nerv aus dem Zahninneren entfernt wird.

Schmerzen durch zu hohe Füllung

Die Taubheitsgefühle durch die örtliche Betäubung und das lange Aufhalten-Müssen des Mundes während der zahnärztlichen Behandlung können dazu führen, dass Patienten ihr Gefühl für ihren normalen Zubiss verlieren. Sie können nicht sagen, ob die Füllung perfekt zu ihrem Gebiss passt oder nicht. Mögliche Folge: Der Zahnarzt schleift zu wenig ab, die Füllung ist zu hoch, man hat das Gefühl, nur auf den gefüllten Zahn zu beißen. Auch eine Überbelastung des Zahns kann die Folge sein. Ist der Biss nicht optimal, muss der Zahnarzt die Füllung nachschleifen – die Beschwerden verschwinden dann normalerweise wieder.

Schmerzen durch freiliegende Zahnhälse

Um einen Defekt komplett zu füllen, muss der Zahnarzt manchmal das Zahnfleisch zur Seite schieben oder ein Förmchen um den Zahn legen. Diese Irritation im Weichgewebe des Zahnfleischs kann bereits vorübergehend zu Schmerzen führen. Zweitens liegen in den ersten Tagen nach der Behandlung deshalb die empfindlichen Zahnhälse frei. An den Zahnhälsen befindet sich kein Zahnschmelz. Nervkanälchen enden direkt auf der Oberfläche und sind sehr empfindlich bei kalten und warmen Einflüssen. Freiliegende Zahnhälse können mit einem Schutzlack behandelt werden, damit sie nicht mehr so empfindlich sind.

Schmerzen durch Lücke zum Nachbarzahn

Bei großen Zahnschäden durch Karies kann auch nach der Behandlung eine Lücke zwischen Füllung und Nachbarzahn verbleiben. Speisereste setzen sich im Zahnzwischenraum ab. Von diesen Speiseresten ernähren sich Bakterien, die Zahnfleischentzündungen und neue Karies verursachen können.

(Quelle: dentolo.de)

Leichte Zahnschmerzen kurz nach einer Füllung sind normal – und in der Regel harmlos. Der Patient erlebt diese Schmerzen meist als Überempfindlichkeit: beim Zubeißen oder beim Essen Trinken von Süßem, Saurem, Heißem und Kaltem. Der Schmerz selbst ist eher hell und stechend und kann anfangs auch permanent vorhanden sein. Zahnärzte erklären Zahnschmerzen nach Abklingen der Betäubung im Zuge einer Füllung damit, dass der Zahnnerv vorübergehend überempfindlich ist. Die Überempfindlichkeit kann etwa drei bis sieben Tage anhalten – manchmal sogar mehrere Wochen. Sollten sich die Schmerzen aber verschlimmern oder sich dumpf oder pochend anfühlen – erneut zum Zahnarzt gehen. Bis zum Termin können Sie sich mit folgenden Maßnahmen selbst helfen:

Zahnschmerzen nach Füllungen: Was man selbst dagegen tun kann

  • Die Zähne sind empfindlich: Keine besonders heißen, kalten, süßen, sauren, harten Lebensmittel essen oder trinken.
  • Schmerztabletten (Ibuprofen, Aspirin, Paracetamol - Zahnarzt oder Apotheker um Rat fragen, welches am besten geeignet ist)
  • Hausmittel: Kamillen- oder Pfefferminztee trinken, Rosmarinblätter kauen
  • Mundspülungen mit Nelkenextrakt
  • Schmerzende Stelle von außen kühlen. Achtung: Kaltes Gel-Kissen nie direkt auf die Haut legen. Kühlung maximal 30 Minuten (zu viel Kühlung kann den Schmerz wieder intensivieren).

(Quelle: dr-gumpert.de)

Eine Füllungstherapie kann neben Zahnschmerzen auch zu Ohren- und Kopfschmerzen führen. Durch das lange Offenhalten des Mundes oder – wie schon erwähnt – durch zu hohe Füllungen, kann es zu einer Verspannung der Kaumuskulatur kommen, die in das Kiefergelenk ausstrahlt. Wegen ihrer anatomischen Nähe zum Ohr können diese Irritationen als Ohren- oder sogar als Kopfschmerzen wahrgenommen werden.

Foto: AdobeStock/pathdoc

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schmerzen , Kopfschmerzen , Zahnmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zahnschmerzen

| Zahnschmerzen ohne körperlichen Befund oder nächtliches Zähneknirschen sind oft ein Hilferuf der Seele. Stress, Ängste oder unbewältigte innere Konflikte können Ursachen für solche psychosomatischen Beschwerden sein. Helfen können hier spezialisierte Zahnärzte und Psychotherapeuten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer mehrere Sprachen spricht, kann die Entstehung einer Demenz hinauszögern – das haben Studien bereits gezeigt. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass auch das Erlernen einer Sprache im hohen Alter die Plastizität des Gehirns und damit die kognitive Leistungsfähigkeit fördert.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.