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Wenn Tumor-Fatigue chronisch wird

Sonntag, 4. Februar 2018 – Autor:
Fatigue nach Krebs ist häufig – Ärzte, die sich damit auskennen sind dagegen rar. An der Charité gibt es Hilfe von Spezialisten.
Ein Alleilmittel gegen Tumor-Fatigue gibt es nicht. In der Tumor-Fatigue-Sprechstunde der Charité können sich betroffene Patienten beraten lassen

Ein Alleilmittel gegen Tumor-Fatigue gibt es nicht. In der Tumor-Fatigue-Sprechstunde der Charité können sich betroffene Patienten beraten lassen – Foto: AOK Bilderservice

Zermürbende Erschöpfung, Leistungsschwäche, mangelnde Konzentrationsfähigkeit: Fast jeder Krebspatient ist irgendwann im Laufe seiner Erkrankung von einer Tumor-Fatigue betroffen. Meistens vergeht der Erschöpfungszustand wieder von selbst. Es gibt aber auch Patienten, die jahrelang unter Fatigue leiden, selbst dann, wenn sie ihre Krebserkrankung schon lange überwunden haben. Je nachdem, wie ausgeprägt die Tumor-Fatigue ist und wie lange der Zustand anhält, können Alltag und Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigt sein. Gerade junge Patienten trifft es hart: Nicht selten müssen Fatigue-Betroffene ihren Job aufgeben, und in Frührente gehen. Etwa 30 Prozent aller Krebspatienten leiden an einer chronischen Tumor-Fatigue.

Sprechstunde an der Charité

Für sie bietet die Charité seit eineinhalb Jahren eine spezielle Sprechstunde an. Dort können sich die Patienten beraten und eben auch behandeln lassen. In Deutschland kennen sich nur wenige Ärzte gut damit aus. Allerdings haben auch die Charité-Ärzte kein Patentrezept in der Tasche. Laut Prof. Carmen Scheibenbogen verläuft jede Erkrankung anders. „Tumor-Fatigue ist ein sehr heterogenes Krankheitsbild“, sagt die Immunologin, die die Sprechstunde am Virchow-Klinikum leitet. „Wir gehen inzwischen von einem multifaktoriellen Geschehen aus, bei dem neben immunologischen auch genetische, neuroregulative und Verhaltens-assoziierte Faktoren eine Rolle spielen.“

 

Messbare Körperliche Ursachen

Früher dachte man, Fatigue sei ausschließlich auf eine psychische Erschöpfung zurückzuführen. Doch neuere Untersuchungen zeigen, dass körperliche Ursachen sehr wohl eine Rolle spielen. So weiß man inzwischen, dass bei Tumor-Fatigue-Patienten das Immunsystem ständig aktiviert ist. Auch der Tag-Nacht-Rhythmus scheint gestört zu sein, da der Cortisol-Spiegel zur Nacht nicht abfällt. Darum wird den Patienten nach einer ausführlichen Befragung immer auch Blut abgenommen. Die Ärzte suchen dann nach Marker wie etwa bestimmten Entzündungswerten.

Verschiedene Therapiemöglichkeiten

Im Moment haben die Ärzte drei Therapiesäulen zur Verfügung: Das erste ist Sport, das zweite die sogenannte Mind-Body-Medizin und das dritte sind Medikamente. Carmen Scheibenbogen erklärt, dass die Therapieempfehlungen von Patient zu Patient stark variieren: Nicht jeder Patient profitiere zum Beispiel von Sport, „genau wie nicht alle von immunmodulieren Medikamenten wie Ginseng oder Guarana einen Vorteil haben, obwohl es hierzu gute Daten gibt“, sagt sie. Auch neuromodulierende Medikamente, etwa das bekannte Ritalin, seien nicht für jeden Fatigue-Patienten geeignet, „führen aber bei einigen zu bemerkenswerten Erfolgen.“

Begleitforschung soll die Versorgungssituation weiter verbessern. Die Ärzte wollen zum Beispiel herausfinden, welche Rolle die pathologischen Marker im Krankheitsgeschehen spielen und welche Therapiemaßnahmen dann am besten greifen.

Die Tumor-Fatigue-Sprechstunde wird von der Berliner Krebsgesellschaft gefördert. Sie findet im Wechsel montags am in der Ambulanz Immunologie am Virchow Klinikum (CVK) und in der Ambulanz Hämatologie am Campus Benjamin Franklin (CBF) statt.

Foto: AOK Mediendienst

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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