. Neue Leitlinie

Wenn Kinder Fremdkörper verschlucken

Nicht selten verschlucken Kinder Fremdkörper oder atmen sie ein. Das betrifft vor allem Kleinkinder zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Eine neue Leitlinie gibt nun Hinweise zur Behandlung.
Kinder verschlucken oft Fremdkörper

Beim Spielen verschlucken Kinder häufig kleine Gegenstände

Besonders kleinere Kinder stecken Gegenstände oft in den Mund und können diese in der Folge versehentlich verschlucken. Am häufigsten passiert das zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Dabei sind es vor allem Münzen, kleine Spielzeugteile oder Murmeln, die verschluckt werden. Die meisten Fremdkörper werden auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden; ein medizinisches Eingreifen ist dann oft nicht erforderlich. Wenn die Gegenstände jedoch die Atemwege blockieren, handelt es sich immer um einen absoluten Notfall, bei dem sofort ein Notarzt gerufen werden muss.

Um die Versorgung von Kindern mit verschluckten und eingeatmeten Fremdkörpern zu verbessern, wurde nun eine neue Leitlinie „Fremdkörperaspiration und Fremdkörperingestion – interdisziplinäre Versorgung von Kindern“ veröffentlicht. Die Leitlinie geht unter anderem auf Aspekte der Anästhesie, auf Vorbereitung, Techniken und Dauer der Endoskopie ein. Idealerweise arbeiten bei der Therapie Mediziner verschiedener Fachdisziplinen zusammen, zum Beispiel Kinderanästhesisten, Intensivmediziner, Pneumologen und Kinderchirurgen.

Operation nur, wenn Speise- oder Luftröhre blockiert werden

Wurde ein ungefährlicher Fremdkörper verschluckt, genügt meist eine ambulante Beobachtung. Erst nach sieben bis zehn Tagen wird empfohlen, eine Röntgenuntersuchung durchzuführen – jedenfalls wenn es dem Kind gut geht. Eine gründliche Stuhlkontrolle durch die Eltern ist ebenfalls zu empfehlen. Allerdings kann es bis zu vier Wochen dauern, bis der Gegenstand den Magen-Darm-Trakt verlassen hat. Ist der Fremdkörper jedoch in der Speiseröhre steckengeblieben, muss er rasch entfernt werden, da nach 24 Stunden die Gefahr von Entzündungsreaktionen steigt. Die sicherste Methode ist die Entfernung mittels einer Endoskopie in Narkose.

Sobald der Fremdkörper die Speiseröhre verlassen hat, passiert er in der Regel den Magen-Darmtrakt problemlos. Nur bei sehr großen oder scharfkantigen Fremdkörpern sowie bei verschluckten Batterien sollte eine Entfernung durch eine Operation erwogen werden. Ein eigenes Problem stellt die Inhalation von Fremdkörpern dar. Die Fremdkörperaspiration betrifft meist Kleinkinder. Zur Entfernung des Fremdkörpers ist eine Bronchoskopie (Luftröhrenspiegelung) erforderlich.

 

Was tun, wenn ein Kind einen Fremdkörper verschluckt hat

  • Bei auffälligem Husten, Würgen oder Atemnot sollte das Baby oder Kleinkind mit dem Bauch nach unten auf die Hand oder den Oberschenkel gelegt werden. Alternativ kann das Kind auch an den Fußknöcheln mit dem Kopf nach unten gehalten werden. Klopfen Sie nun mit der flachen Hand in rascher Folge bis zu fünfmal kräftig zwischen die Schulterblätter!
  • Tritt keine Besserung ein und wird der Fremdkörper nicht ausgehustet, sofort den Notarzt rufen! Bis der Arzt eintrifft, sollte weiter versucht werden, das Kind zum Aushusten zu bringen.
  • Droht das Kind zu ersticken, muss es beatmet werden, bis der Notarzt kommt.
  • Ist das Kind älter als ein Jahr, sollte es von hinten mit beiden Armen umfasst werden. Halten Sie es mit seinem Rücken vor Ihren Bauch und lassen Sie den Oberkörper des Kindes dabei nach unten hängen. Legen Sie Ihre geballte Faust auf den Bauch des Kindes zwischen Nabel und Brustbein. Drücken Sie mit der Faust nun kurz, aber kräftig, eventuell auch mehrmals, in Richtung Zwerchfell. Wegen der Gefahr innerer Verletzungen sollte dieses Vorgehen jedoch nur bei drohendem Ersticken angewendet werden.

Foto: © Alekss - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Prävention und Reha
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