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09.10.2016

Wenn Ärzte einen Burnout erleiden

Sie wollen anderen helfen und brauchen doch selbst manchmal Hilfe: Ärzte, die bis zur Erschöpfung arbeiten und in einem immer komplexer werdenden Gesundheitssystem aufgerieben werden. Nicht selten droht ihnen der Burnout.
Burnout bei Ärzten

Ein Burnout bei Ärzten ist keine Seltenheit

Ein Burnout ist unter Ärzten ein relativ häufiges Phänomen. Lange Arbeitszeiten, viel Bürokratie, strenge Hierarchien, Angst vor Fehlern und fordernde Patienten führen bei vielen Medizinern dazu, sich "ausgebrannt" zu fühlen. Ob es Methoden gibt, einem Burnout bei Ärzten entgegenzuwirken, haben nun Forscher um Colin West von der Mayo Clinic in Rochester im Bundesstaat New York untersucht. In einer Meta-Analyse fassten sie die Ergebnisse von 15 randomisierten klinischen Studien und 37 Kohortenstudien zusammen.

Strukturelle Veränderungen können helfen

Das eher ernüchternde Ergebnis: Keine Maßnahme erzielte ein wirklich durchschlagendes Ergebnis. Dennoch gab es einige Interventionen, die zur einer gewissen Reduktion der Burnout-Rate führten. Dazu gehörten zum einen strukturelle Veränderungen wie die Verkürzung der Arbeitsschichten oder die Vermeidung häufiger Rotationen in der Ausbildung, aber auch kleine Veränderungen im klinischen Arbeitsablauf. Zum anderen konnten psychologische Beratungen, Kurse zum Stressmanagement oder Meditationsübungen hilfreich sein.

Wie die Forscher zeigen konnten, kam es durch Veränderungen im Arbeitsalltag zu einem Rückgang der Burnout-Symptome im Maslach-Burnout Inventory (Skala zur Messung des Burnouts) um 12 Prozentpunkte. Beratungen oder andere psychologische Interventionen führten zu einer Reduktion im Burnout-Score um sechs Prozentpunkte. Je stärker der Burnout ursprünglich war, desto größer war auch die Wirkung der Maßnahmen. Da in keiner der untersuchten Studien strukturelle Veränderungen und individuelle Hilfen kombiniert wurden, wäre es möglich, dass durch die Verbindung beider Maßnahmen bessere Erfolge erzielt werden könnten.

 

Burnout bei Ärzten gefährdet auch die Patienten

Studien zufolge erleiden 20 Prozent aller Ärzte im Laufe ihres Berufslebens einen Burnout. Bei einem Burnout kommen emotionale Erschöpfung, schwindende Leistungsfähigkeit und zudem Zynismus oder Gleichgültigkeit. Bei Ärzten kann dies doppelt problematisch sein, da sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Versorgung ihrer Patienten gefährden. Daher sollten sich gerade Ärzte mit Burnout nicht scheuen, rechtzeitig Hilfe zu holen.

Foto: © WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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