Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
23.09.2018

„Weniger Zucker“ heißt nicht automatisch „weniger Kalorien“

Die große Mehrheit der Verbraucher erwartet von zuckerreduzierten Produkten, dass sie unterm Strich zugleich weniger Kalorien haben, heißt es in einer aktuellen Forsa-Umfrage. Die Realität im Supermarktregal sieht häufig anders aus.
Zuckerwürfel und Kekse

In vielen Lebensmitteln ist mehr Zucker enthalten als gedacht. Oft ist er versteckt.

90 Gramm Zucker nimmt jeder Deutsche täglich zu sich – fast doppelt so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. 50 Gramm pro Tag hält die WHO bei Erwachsenen für gesundheitlich unbedenklich, 25 Gramm bei Kindern. Weil schon Kinder und Jugendliche viel zu viel Zucker konsumieren und die besonders die junge Generation in steigendem Maß mit Übergewicht und Diabetes zu kämpfen hat, sah sich etwa die AOK dazu veranlasst, eine nationale Kampagne zur Zuckerreduktion in Lebensmitteln und Getränken zu starten. Ziel dieser und anderer Kampagnen: deutlich mehr Anstrengungen von Politik und Lebensmittelindustrie zur wirksamen Zuckerreduktion. Lebensmitteln zugesetzter Zucker ist nach Einschätzung der AOK bei den genannten Zivilisationskrankheiten die Hauptursache.

Viele unterschätzen Zuckergehalt von Lebensmitteln

Problem Nummer eins für den Verbraucher: Viele können sich nicht vorstellen, wie viel Zucker tatsächlich in Lebensmitteln stecken kann. In einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts sollten beispielsweise Eltern den Zuckergehalt eines handelsüblichen 250-Gramm-Bechers Fruchtjoghurt beziffern – in der Einheit Würfelzuckerstückchen. Das Ergebnis: 92 Prozent der Eltern tippten auf vier – tatsächlich waren es aber elf.

Problem Nummer zwei: Selbst dem gesundheitsbewussten Konsumenten wird es beim Einkauf nicht immer leicht gemacht. In vielen Lebensmitteln befindet sich so genannter versteckter Zucker (in der Auflistung der Inhaltsstoffe oft verklausuliert und nicht ausdrücklich als „Zucker“-Stoff deklariert und erkennbar). Liest der Verbraucher dann auf einer Packung Knuspermüsli oder einem Glas Erdbeerkonfitüre den Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ oder gar „zuckerreduziert“, greift er schnell und guten Gewissens zu. Doch genau an dieser Stelle ist Vorsicht geboten.

 

„Wer den Zucker reduziert, muss ihn durch andere Zutaten ersetzen“

Kritik an diesen mit Vorsicht zu genießenden Labels kommt jetzt von unerwarteter Seite – von der „Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V.“ (WVZ), einer Organisation der deutschen Zuckerindustrie. „Tatsächlich liegen viele der mit dem Hinweis ‚zuckerreduziert‘ oder ‚ohne Zuckerzusatz‘ beworbenen Produkte und auch die Produktionsbemühungen bei Eigenmarken der Handelsketten weit unter den Erwartungen der Verbraucher“, heißt es in einer Mitteilung des Verbands. Der Hinweis „weniger Zucker“ bedeute nicht gleich „weniger Kalorien“. „Wer Zucker in festen Lebensmitteln reduziert, muss ihn durch andere Zutaten ersetzen“, stellt die WVZ weiter fest. „Daher haben zuckerreduzierte Produkte in vielen Fällen ähnlich viele Kalorien wie solche mit vollem Zuckergehalt.“

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der WVZ erwartet die große Mehrheit der Verbraucher, dass ein Produkt mit weniger Zucker am Ende auch weniger Kalorien enthalten muss - logischerweise. Je nach Beispiel waren dies in der Forsa-Studie bis 90 Prozent. Bis zu zwei Drittel der Befragten waren der Ansicht, dass Produkte mit weniger Zucker mindestens 30 Prozent weniger Kalorien enthalten sollten. Neben Zucker gelten auch bestimmte Fette und Kochsalz in Nahrungsmitteln - im Übermaß konsumiert - als langfristig gesundheitsschädlich und als Mitverursacher zahlreicher Volkskrankheiten.

Foto: fotolia.com/ohenze

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Ernährung , Kinder
 

Weitere Nachrichten zum Thema Zucker

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Wer ins Krankenhaus geht, ohne Notfallpatient zu sein, kann sich die Klinik aussuchen. Am wichtigsten sind Patienten dabei Hygiene und Sauberkeit. Erst auf Platz zwei folgt die Spezialisierung auf bestimmte Fachgebiete. Ob die Klinik groß oder klein ist, spielt kaum eine Rolle. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Hamburger Asklepios-Kliniken zu planbaren Behandlungen im Krankenhaus.

 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin