. Prävention

Wenig Sport ist besser als gar kein Sport

Mehr als die Hälfte der Deutschen bewegt sich kaum oder gar nicht. Die Folgen des Bewegungsmangels sind Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Ärzte raten, lieber wenig Sport zu treiben als gar keinen.
wenig Sport, gut

Sport gilt heute als wichtigste Präventionsmaßnahme. Doch nur die wenigsten erreichen die WHO-Empfehlungen

Laut Robert Koch-Institut (RKI) bewegt sich mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland weniger als 2,5 Stunden pro Woche. Damit liegen die Deutschen weit hinter den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück, die mindestens 2,5 Stunden an mäßig anstrengender Ausdaueraktivität pro Woche sowie an mindestens zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten empfiehlt. Nur etwa ein Fünftel der Frauen (20,5 Prozent) und ein Viertel der Männer (24,7 Prozent) erreichen nach den RKI-Daten dieses Ziel.

10.000 Schritte am Tag sind das Minimum

Hinzukommt, dass jede zweite Frau und drei Viertel aller Männer übergewichtig sind. „Die Gefahr, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ist in dieser Gruppe besonders hoch. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Folgen wie Bluthochdruck sowie Herz- und Gefäßerkrankungen“, erklärt Professor Christine Graf vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Sport ist der Expertin zufolge die effektivste Maßnahme, um das Risiko für diese Erkrankungen zu reduzieren. Mit 10.000 Schritten am Tag sei ein guter Anfang gemacht. Das entspricht etwa 100 Minuten zügigem Gehen. Zusätzlich seien aber 2,5 Stunden Bewegungszeit pro Woche – etwa in Form etwa von Radfahren oder Schwimmen – notwendig. Diabetes kann mit Bewegung sogar behandelt werden.  

 

Körperliche Fitness entscheidender als Gewicht

„Die körperliche Fitness ist einer der wichtigsten Parameter für den Gesunderhalt, eine geringere Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate“, so Graf. Der Effekt sei sogar unabhängig vom Körpergewicht. Gerade Neu- und Wiedereinsteiger erreichten zu Beginn des Trainings eine hohe Leistungssteigerung, von der ihre Gesundheit enorm profitiere, meint die Sportwissenschaftlerin.

Doch wie die RKI-Daten zeigen, werden die Empfehlungen nur von einer Minderheit beherzigt. Ein driftiger Grund ist die fehlende Zeit. Auch muss man schon sehr diszipliniert sein, wenn man nach einem langen Arbeitstag noch ins Fitness-Studio oder ins Schwimmbad geht.

Was raten die Experten nun für den Alltag? Eine erste Maßnahme wäre, den Weg zur Arbeit und zurück aktiv zu gestalten, meint Professor Martin Wabitsch von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Also zum Beispiel das Fahrrad nehmen statt den Bus oder zu Fuß gehen oder man steigt eine Haltestelle früher aus – Möglichkeiten, um auf die 10.000 Schritte zu kommen, gibt es viele. „Außerdem gilt: Wenig Sport ist besser als gar kein Sport“, so der Adipositasexperte.

Weekend Warriors leben länger

Viele Menschen haben unter der Woche schlichtweg keine Zeit, werden aber am Wochenende aktiv. In der Fachsprache heißen diese Menschen „Weekend Warriors“. Damit könne man seine Leistung zwar nicht langfristig steigern, tue aber trotzdem effektiv etwas für seine Gesundheit, sagt Wabitsch.

Eine Studie aus Großbritannien mit 64.000 Personen konnte zeigen, dass die „Weekend Warriors“ ihr allgemeines Sterberisiko im Vergleich zu Personen, die gänzlich auf Sport verzichten, um immerhin 30 Prozent senken und das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um 40 Prozent.

Sportwissenschaftlerin Graf sieht zwar den Benefit, hält das konzentrierte Sportprogramm jedoch nur für jüngere und fittere Menschen für geeignet. Nicht so gut trainierte und ältere Menschen könnten von dem intensiven Wochenend-Training  leicht überfordert werden.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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