. Pflege

Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen lenkt Blick auf ein Tabu

Niemand spricht gerne darüber. Doch Misshandlungen ältere Menschen sind keine Einzelfälle. Der heutige Welttag will denen, die keine Lobby haben, eine Stimme geben.
Gewalt gegen ältere Menschen ist äußerlich nicht immer sichtbar. Misshandlungen können noch viel subtiler sein

Gewalt gegen ältere Menschen ist äußerlich nicht immer sichtbar. Misshandlungen können noch viel subtiler sein

Pflegebedürftige sind besonders gefährdet, Gewalt oder Misshandlungen zu erleben. Dabei ist es egal, ob sie zu den 30 Prozent gehören, die im Pflegeheim leben oder zu den 70 Prozent, die Hause betreut werden. Alle sind im Grunde abhängig von anderen und darum zu schwach, sich zur Wehr zu setzen. Der heutige Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen wirft das Licht auf eine dunkle Seite in unserer Gesellschaft. Wie viele Menschen davon betroffen sind, weiß niemand. Bekannt ist aber, dass Pflegebedürftigkeit und soziale Isolation die Entstehung von Gewalt begünstigen, ebenso eine Demenz.

Demenz überfordert andere am meisten

Nach Auskunft der Deutschen Alzheimergesellschaft kann insbesondere die Pflege von Demenzkranken zu Aggressionen und Gewaltsituationen führen. Das Pflegepersonal und Angehörige seien oftmals überfordert, meint deren Vorsitzende Monika Kaus. „Veränderte Verhaltensweisen sind für Pflegende von Demenzkranken oft sehr belastend“, sagt sie anlässlich des Welttags gegen die Misshandlung älterer Menschen. „Deshalb sind Beratungsangebote, die die betroffenen Familien auch erreichen, und flächendeckende Entlastungsangebote ein wichtiger Baustein zur Prävention von Gewalt gegen Menschen mit Demenz.“

Bisher gibt es in Deutschland allerdings keine verbindlichen Handlungsleitlinien zur Prävention von Gewalt gegen ältere Menschen. Und: Wohin sollen sich beispielsweise Menschen wenden, die Anzeichen von Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen beobachten? „Es fehlen klare Zuständigkeiten“, kritisiert Kaus. Auch Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) kennt diese Lücke. „Die Mehrheit der Deutschen weiß überhaupt nicht, wohin sie sich bei konkretem Bedarf wenden kann“, sagt er. Das ZQP hat 2015 den Themenreport „Gewaltprävention in der Pflege“ herausgegeben. In dem Report sind Checklisten, Krisentelefone und Anlaufstellen zu finden. Ein lesenswertes Papier, wenn man Hilfe sucht.

Gewalt ist eine Grauzone

Allein festzustellen, wann Gewalt vorliegt, ist ein Problem. Die Grenzen sind oft fließend. Einmal jemanden etwas zu fest am Arm packen ist sicher noch verkraftbar genau wie mal ein harsches Wort. Aber Anschreien, Beschimpfen, Schütteln und Schlagen gehen gar nicht. Es gibt aber viele Grautöne dazwischen. Darüber hinaus ist auch Vernachlässigung eine Form von Gewalt. Monika Kaus von der Deutschen Alzheimergesellschaft fasst den Begriff „Gewalt“ noch etwas weiter: „Auch die Gabe von Beruhigungs- und Schlafmitteln kann eine Form der Misshandlung sein, wenn die Medikamente nur gegeben werden, um jemanden „pflegeleichter“ zu machen.“

Foto: © Ocskay Mark - Fotolia.com

Hauptkategorien: Pflege , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Prävention

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gewalt in der Pflege

| Die Hälfte der pflegenden Angehörigen hat Gewalt durch den Pflegebedürftigen erlebt, 40 Prozent haben selbst Gewalt ausgeübt. Das Thema ernstzunehmen fordert das Zentrum für Qualität in der Pflege.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Mehrere Präparate des Blutdrucksenkers Valsartan mussten zurückgerufen werden, weil sie mit dem vermutlich krebserregenden Stoff N-Nitrosodimethylamin verunreinigt sind. Nun wurden weitere betroffene Valsartan-Präparate gefunden.
Auch Väter können am Baby-Blues leiden. Das geht aus einer US-Studie hervor. Schon lange bekannt ist, dass einige Mütter nach der Entbindung eine sogenannte postpartale Depression entwickeln.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.