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Weltkrebstag: Große Fortschritte in der Krebstherapie erwartet

In der Krebsmedizin herrscht optimistische Stimmung: Die Heilungsraten werden weiter steigen, erklärt die Berliner Krebsgesellschaft anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar. Hoffnung machten vor allem Immuntherapien und die personalisierte Medizin.
Krebsmediziner blicken am Weltkrebstag 2016 optimistisch in die Zukunft: Die Heilungschancen werden spürbar steigen

Krebsmediziner blicken am Weltkrebstag 2016 optimistisch in die Zukunft: Die Heilungschancen werden spürbar steigen

Ein Blick in das Gemeinsame Krebsregister Berlins und der neuen Bundesländer zeigt: Die Krebsüberlebensraten haben sich in den letzten 30 Jahren praktisch verdoppelt. Überlebten Ende der 1980er Jahre 27 Prozent aller männlichen Krebspatienten ihre Krebserkrankung mindestens fünf Jahre nach Diagnose, sind es heut 59 Prozent. Bei Frauen ist die 5-Jahres-Überlebensrate seither von 41 auf 64 Prozent gestiegen. Und bei Kindern beträgt die Heilungsrate heute sogar über 80 Prozent.

Dieser Fortschritt werde weitergehen, erklärt die Berliner Krebsgesellschaft anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar. Man werde sicher nicht jeden Patienten heilen können, meint Vorstandsmitglied Prof. Manfred Dietel. „Aber Krebs wird sich mehr und mehr zu einer chronischen Erkrankung entwickeln, mit der sehr viel mehr Patienten deutlich länger und besser leben können als bisher“, so der Pathologe von der Charité.

Genetische Diagnostik wird Behandlungsergebnisse verbessern

Anlass zu Optimismus geben personalisierte Behandlungsansätze, die sich seit etwa 15 Jahren einen Platz in der Krebstherapie erobert haben. Brustkrebs machte mit Entdeckung der HER2-Rezeptoren und der Entwicklung von Herceptin den Anfang. Heute wird etwa jeder dritte Tumor genetisch untersucht und – je nach Tumorprofil - zielgerichtet behandelt. Neben Brustkrebs betrifft das inzwischen Darmkrebs, Lungenkrebs, das maligne Melanom, Schilddrüsenkrebs, das Pankreaskarzinom sowie zahlreiche Blutkrebsarten. Experten gehen davon aus, dass man in absehbarer Zeit fast alle bösartigen Tumore genetisch untersuchen wird, um dann gezielt bestimmte Aktivierungsmechanismen in den Zellen abzuschalten.

,,Die genetische Diagnostik zur Identifizierung von Tumoren führt dazu, dass die Behandlungsergebnisse und Heilungschancen künftig weiter verbessert werden können“, ist Prof. Dr. Erwin Böttinger überzeugt. Der Mediziner leitet seit November das Berliner Institut für Gesundheitsforschung. Die personalisierte Medizin ist sein Steckenpferd und trägt seiner Ansicht nach künftig auch zur Krebsprävention bei. „Insbesondere Krebserkrankungen, die durch Umweltbedingungen beeinflusst sind, werden sich in wenigen Jahren vermutlich verhindern lassen“, so Böttinger.

 

Personalisierte Immuntherapien geben Hoffnung

Neben den personalisierten Therapieansätzen schreiben Krebsforscher den Immuntherapien eine herausragende Bedeutung zu, wobei sich beide Bereiche offensichtlich immer mehr vermischen. Einer, der seit 20 Jahren auf diesem Gebiet forscht ist Prof. Hans Schreiber von der Universität Chicago. Der Krebsimmunologe ist überzeugt, dass man das menschliche Immunsystem eines Tages so manipulieren kann, dass es Tumore selbst bekämpft. Allerdings müsse es dazu gezielt auf bestimmte Tumoreigenschaften angesetzt werden. In Chicago ist eine derartige personalisierte Therapie mit T-Zellen bereits im Tierversuch gelungen. „Was wir herausgefunden haben ist, dass T-Zell-Rezeptoren die spezifischen Mutationen eines Tumors erkennen können“, erklärte Schreiber in einem Interview mit der Berliner Krebsgesellschaft. So seien in Experimenten mit Mäusen selbst große Tumore zerfallen und die Tiere anschließend geheilt gewesen. Dank einer engen Kooperation mit Berliner Forschern soll der T-Zell-Rezeptor-Transfer demnächst an der Berliner Charité in einer klinischen Studie getestet werden. „Ich bin zuversichtlich, dass diese kurative Methode auch bei Menschen erfolgreich sein wird“, sagte Schreiber.

Bessere Heilungsaussichten auch für krebskranke Kinder

Spürbare Fortschritte bei Krebserkrankungen im Kindesalter erwartet unterdessen Direktorin der onkologischen Kinderklinik der Charité und Präsidentin des Deutschen Krebskongresses Prof. Angelika Eggert. Während personalisierte Therapiekonzepte derzeit nur bei Rückfällen kindlicher Krebserkrankungen eingesetzt werden, hält die Kinderonkologin dies in Zukunft auch in der Erstlinientherapie für denkbar. 80 Prozent aller Kinder könnten heute schon von ihrer Krebserkrankung geheilt werden, erklärte die Kinderonkologin im Vorfeld des Weltkrebstags. Künftig könnten die Heilungsraten weiter steigen. „Ich glaube, dass molekular gezielte Therapien zusammen mit Immuntherapien entscheidend zu dieser Entwicklung beitragen werden.“

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