. Kampf gegen Krebs

Weltkrebstag 2015: 20 Prozent mehr Krebsfälle bis 2030

Die Zahl der Krebserkrankungen steigt seit Jahren und fordert über acht Millionen Todesopfer pro Jahr. Der Weltkrebstag am 4. Februar will wachrütteln und zeigt auf, was im Kampf gegen Krebs getan werden kann. „Not beyond us - Lösungen in Reichweite“ heißt deshalb das Motto des Weltkrebstags 2015.
Weltkrebstag 2015: 20 Prozent mehr Krebsfälle bis 2030

Weltkrebstag 2015 sieht Lösungen in Reichweite

Zum diesjährigen Weltkrebstag hat sich die Union for International Cancer Control, UICC viel vorgenommen. Gleich vier Eckpunkte nennt der Initiator des Weltkrebstags, die für eine wirksame Krebsbekämpfung erfüllt sein müssen: eine gesunde Lebensführung, effiziente Krebsfrüherkennungsprogramme, Zugang zur Behandlung für alle Patienten und Angebote, die die Lebensqualität der Patienten verbessern. Hintergrund ist, dass aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung immer mehr Menschen an Krebs erkranken. Ein Drittel aller Krebserkrankungen gilt als vermeidbar.

Laut UICC sind im Jahr 2012 weltweit rund 14,2 Millionen Menschen an Krebs erkrankt und 8,2 Millionen Menschen an einer Krebserkrankung gestorben. Rund vier Millionen Krebstote waren jünger als 70 Jahre. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Die UICC rechnet bis 2025 mit einem Abstieg der Krebsfälle auf 19,3 Millionen pro Jahr und die der Krebstodesfälle auf 11,5 Millionen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland eine halbe Millionen Menschen neu an Krebs  

Mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen hierzulande rechnen auch deutsche Krebsorganisationen. Laut Deutscher Krebshilfe wird die Zahl der Krebsneuerkrankungen in Deutschland von jetzt 500.000 bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 20 Prozent auf 600.000 steigen. Den gleichen Trend sieht die Berliner Krebsgesellschaft für Berlin, wo derzeit jedes Jahr rund 17.500 Menschen die Diagnose Krebs erhalten. Zehn Jahre zuvor waren es noch nicht einmal 14.000.

Nach Auskunft der Berliner Krebsgesellschaft gibt es aber auch einen positiven Trend: das Krebsüberleben hat sich verbessert, so dass mittlerweile über die Hälfte aller Krebspatienten geheilt werden kann. Vor 30 Jahren war es nur etwa ein Drittel. Gerade weil immer mehr Menschen länger mit ihrer Krebserkrankung leben, gebe es einen wachsenden Bedarf an psychosozialer Unterstützung, meint deren Vorsitzender Prof. Dr. Dr. Peter M. Schlag. Seiner Ansicht nach wächst dieser Bedarf in Berlin besonders rasant, weil hier überdurchschnittlich viele Menschen alleine und von Sozialhilfe leben. „Wir sehen mittlerweile zunehmend finanzielle Notsituationen im Rahmen einer Krebserkrankung“, sagt Schlag. „Diese Probleme werden sich weiter verschärfen.“

Berliner Unterstützungsangebote in Reichweite

Zum Weltkrebstag 2015 macht die Berliner Krebsgesellschaft deshalb auf ihre Unterstützungsangebote aufmerksam. Dazu gehören etwa die kostenlose Beratung von Krebskranken und ihren Angehörigen, ein spezielles Beratungsangebot für Kinder krebskranker Eltern, zahlreiche Gesprächsgruppen und Kurse zur Krankheitsbewältigung sowie Informationsveranstaltungen. Zudem unterstützt die gemeinnützige Organisation Betroffene, die aufgrund ihrer Krebserkrankung in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind. Allein in 2014 bekamen 256 Menschen finanzielle Hilfe von insgesamt 81.000 Euro aus dem Härtefonds. „Unsere Arbeit fängt dort an, wo die medizinische Betreuung aufhört, und hilft die Lebensqualität der Betroffen ein Stück weit zu verbessern“, fasst Krebsexperte Schlag die Ziele des Berliner Hilfsangebots zusammen.

Über 900 zertifizierte Krebszentren in Deutschland

Die Deutsche Krebgesellschaft weist unterdessen auf über 900 zertifizierte Krebszentren hin. Die Zentren sind auf bestimmte Krebserkrankungen spezialisiert und haben in den letzten Jahren deutliche Fortschritte in die Krebsbehandlung gebracht.  Zudem gibt es in Deutschland 13 von der Deutschen Krebshilfe geförderte Spitzenzentren, in denen Forscher und Mediziner gemeinsam daran arbeiten, die Versorgung von Krebspatienten zu verbessern. Eines davon ist das Comprehensive Cancer Center der Charité. 

Foto: © vege - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Weltkrebstag , Charité

Weitere Nachrichten zum Thema Krebs

| US-Wissenschaftler veröffentlichten Teil-Ergebnisse einer 25-Millionen-Dollar teuren Studie, die den Zusammenhang von Handy-Strahlung und Krebs untersuchte. Ratten, die elektromagnetischen Feldern ausgesetzt waren, entwickelten eher seltene Tumoren.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Wie kann man die Überlebenschancen bei Bauchfellkrebs verbessern? Die Expertin Professor Beate Rau, Leiterin des Peritonealkarzinosezentrums der Charité, berichtet über eine neue Kombinationstherapie gegen Bauchfellkrebs und wie Patienten davon profitieren können.
. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.