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21.09.2021

Welt-Alzheimer-Tag: Neue Therapien setzen bei Ursachen an

In die Alzheimer-Forschung ist Bewegung gekommen. Etliche neue Substanzen sind in Entwicklung, die erstmals bei den Ursachen der dementiellen Erkrankung ansetzen. Antikörper gegen Amyloid-Plaques sind erst der Anfang.
Die Alzheimer-Therapie steht an einem Wendepunkt, sagen Experten mit Blick auf neue Antikörper

Die Alzheimer-Therapie steht an einem Wendepunkt, sagen Experten mit Blick auf neue Antikörper

Es gibt gute Nachrichten anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages: Neue Therapieansätze setzen - anders als bisherige Alzheimer-Medikamente –   erstmals an dem zu Grunde liegenden Krankheitsmechanismus an. Der erste Vertreter dieser neuen Generation an Wirkstoffen ist Aducanumab. Der monoklonale Antikörper wurde im Sommer in den USA für die Behandlung von Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen im Frühstadium zugelassen.

Neuer Antikörper reduziert Alzheimer-Plaques im Gehirn

Studien zeigen, dass der Wirkstoff die Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Amyloid-Beta-Eiweiße lagern sich zwischen den Nervenzellen ab und bilden die Alzheimer-typischen Ablagerungen im Gehirn. Diese Plaques behindern die Verbindung von Nervenzellen und zerstören ihr umliegendes Nervengewebe. Früh behandelt kann dieser Prozess mit Aducanumab nun gestoppt werden. Die Reduktion der Plaques war ausschlaggebend für die Notfallzulassung in den USA. Allerdings besteht weiterhin eine Restunsicherheit hinsichtlich des klinischen Nutzens. So hatte nur eine von zwei Phase-III-Studien überhaupt eine Verzögerung des kognitiven Verfalls gezeigt, nämlich um 22 Prozent gegenüber Placebo. Derzeit befinden sich drei weitere Antikörper gegen Amyloid-Plaques in Zulassungsstudien, von denen eine vergleichbare Wirkung erwartet wird. Der erhoffte Durchbruch sind die Medikamente nicht, aber sie stehen für den Beginn einer neuen Entwicklung.

 

Klinischer Nutzen weniger groß als erhofft

„Aducanumab ist das Fortschrittlichste, was die Alzheimer-Therapie momentan zu bieten hat“, sagt der Neurologe Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München im Interview mit Gesundheitsstadt Berlin. Wenn man bei den Betroffenen von einer durchschnittlichen Überlebenszeit von acht bis zehn Jahren ausginge, würde eine Verlangsamung von 22 Prozent etwa zwei Jahre Lebenszeitgewinn bedeuten. „Keine andere Therapie hat je zuvor vergleichbare Ergebnisse erzielt“, so Levin. Der Beweis für diesen klinischen Effekt müsse jedoch formal noch erbracht werden.

Antikörper gegen Amyloid-Plaques sind nur einer von mehreren neuen Ansätzen. Aktuell laufen laut dem EU-Studienregister 76 Studien mit Arzneimitteln gegen Alzheimer, die sich in der klinischen Phase III befinden - die Hälfte davon auch in Deutschland. Darunter sind Wirkstoffe gegen das Tau-Protein oder gegen das alpha-Synuclein-Protein, die ebenfalls an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Auch Gentherapien, die die Herstellung von Eiweißen herunterfahren, die zu den pathologischen Ablagerungen führen, befinden sich in der die Forschungspipeline.

Heilung könnte möglich werden

Von all den Ansätzen werden einige in der Lage sein, auch in spätere Phasen der Erkrankung einzugreifen, glaubt Alzheimer-Experte Levin „Das wäre ein gewaltiger Fortschritt.“ Besteht also eine Aussicht auf Heilung der Alzheimer-Krankheit? Levin ist zuversichtlich, dass neurodegenerative Prozess in absehbarer Zeit stoppen lässt. „Wir erleben gerade einen Wendepunkt in der Alzheimer-Therapie“, so der Experte.

Nach aktuellen Schätzungen leiden in Deutschland etwa eine Million Menschen an einer Demenz. Mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln, also rund 700.000 Betroffenen, ist Alzheimer die häufigste Form der Demenz.

Foto: © Adobe Stock/ SciePro

Hauptkategorie: Medizin
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