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13.12.2020

Welche Rolle spielen Schulen bei der Verbreitung von Corona?

Wegen der Corona-Pandemie sollen die Weihnachtsferien in diesem Jahr früher beginnen als sonst. Doch welche Rolle spielen Schulen bei der Verbreitung des Coronavirus wirklich? Dieser Frage gehen Forscher weltweit nach - mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen.
Schulschließungen

Weder die Sommer- noch die Herbstferien hatten offenbar einen signifikanten Einfluss auf die Verbreitung des Coronavirus.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird darüber diskutiert, welche Gefahr von Schulen ausgeht und was Schulschließungen wirklich bringen. Nun haben österreichische Wissenschaftler eine große Studie zum Thema durchgeführt – mit neuen Erkenntnissen.

Laut der Studie gibt es an Schulen verhältnismäßig wenige Corona-Fälle. Von 10.156 ausgewerteten Proben waren nur 40 positiv, also 0,39 Prozent. Als problematisch erwies sich jedoch etwas anderes: Denn alle Infizierten zeigten zum Testzeitpunkt keinerlei Symptome. Und die Kinder sind offenbar genauso ansteckend wie Erwachsene. Demnach wären Schulen also durchaus wichtige Quellen für die Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung.

Reduktion der Infektionszahlen durch Schulferien?

Nicht alle Studien kommen jedoch zu den gleichen Ergebnissen. Eine Analyse von Forscherinnen am University College London und am Centre for Research and Analysis of Migration (CReAM) kam zu dem Resultat, dass die Schulferien im Sommer und Herbst keinen signifikanten Einfluss auf die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus in Deutschland gehabt hätten. Zudem hätte die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien nicht zur Erhöhung der Infektionen geführt – weder unter Kindern noch unter Erwachsenen. Anders als die meisten epidemiologischen Studien, die das Infektionsgeschehen an einzelnen Schulstandorten beobachten, basierte die Studie auf deutschlandweiten Daten des Robert Koch-Instituts.

Nach der Datenanalyse lag der Effekt der Schulschließung in den Sommerferien auf die Infektionsrate bei nahezu Null. Die Analyse der Schulferien im Herbst, der insgesamt durch deutlich höhere Infektionsraten geprägt war als der Sommer, bestätigt diesen Befund: Auch infolge der Herbstferien kam es nicht zu einer signifikanten Verringerung der SARS-CoV-2-Infektionen.

 

Sommer- und Herbstferien haben nicht viel gebracht

Die Studienautoren fanden auch keine Hinweise darauf, dass die Schulschließungen Auswirkungen auf die Ansteckungswahrscheinlichkeit Erwachsener haben. In der älteren Bevölkerung kam es durch die Schulferien im Sommer maximal zu einem Absinken der Infektionszahlen um täglich 0,03 Infektionen pro 100.000 Personen ab 60 Jahren. Die Analyse der Herbstferienzahlen bestätigt diese Beobachtung.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schulen in der Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus bislang eine untergeordnete Rolle gespielt haben“, kommentierte Uta Schönberg, Professorin am University College London und stellvertretende Direktorin des Centre for Research and Analysis of Migration sowie Mitglied des RWI Research Network, die Ergebnisse. Die Schulschließungen im Zuge der Sommer und Herbstferien hätten zu keinem signifikanten Rückgang des Infektionsrisiko geführt.

Künstliche Intelligenz weist auf Nutzen durch Schulschließungen

Allerdings - und in diese Daten waren noch nicht in die Studie eingeflossen - war es seither zu einigen starken Corona-Ausbrüchen an Schulen gekommen. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) kamen auch zu einem ganz anderen Ergebnis als die Autorinnen der Londoner Studie. Sie hatten mit Methoden des Maschinellen Lernens die Wirksamkeit von Nicht-pharmazeutischen Interventionen auf die Ausbreitung von SARS-CoV-2 untersucht. Ihre Analyse von Daten aus neun europäischen Ländern und 28 US-Bundesstaaten konnte zeigen, dass insbesondere frühzeitige Schulschließungen die Trendwende bei den täglichen Fallzahlen ausmachen können. Die Diskussion über den Nutzen von Schulschließungen dürfte also weitergehen.

Foto: Adobe Stock / maridav

Autor: anvo
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik
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