Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Welche Ernährung ist die beste: Fleischarm, mediterran oder vegan?

Freitag, 17. Dezember 2021 – Autor:
Welche Ernährung ist die beste: Fleischarm, mediterran oder vegan? Das hat die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn untersucht. Auch Tierwohl und Umweltfolgen spielten dabei eine Rolle.
Im Vergleich von drei gesunden Ernährungsformen schnitt vegane Kost am besten ab

– Foto: Adobe Stock/marrakeshh

Was ist besser: den Fleischkonsum zu reduzieren und mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu essen, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät? Es unseren südlichen Nachbarn nachzutun und öfter mal zu Fisch und Meeresfrüchten zu greifen? Oder komplett auf vegane Ernährung umzustellen?

Eine neue Studie der Universität Bonn zeigt, dass die Antwort auf diese Fragen nicht so eindeutig ausfällt, wenn man auch die Aspekte Tierwohl und Umweltfolgen einbezieht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science of The Total Environment erschienen.

Ernährung für Viertel der Treibhausgase verantwortlich

Weltweit ist die Ernährung für ein Viertel der menschlichen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Ein großer Teil davon geht auf das Konto der Nutztierhaltung: Tiere wandeln nur einen kleinen Teil der verfütterten Kalorien in Fleisch um. Wiederkäuer erzeugen zudem Methan, das die Erderwärmung weiter beschleunigt.

Will man Ernährungsformen miteinander vergleichen, sollte man die optimale Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zugleich in den Blick nehmen. Die Fachwelt bezeichnet dies als "One Health"-Perspektive.

 

Die beste Enährung: fleischarm, mediterran, vegan?

Juliana Paris vom Zentrum für Entwicklungsforschung und ihr Team haben drei Ernährungsweisen verglichen. "Dazu haben wir uns exemplarisch angesehen, welche Produkte bei Menschen in Nordrhein-Westfalen auf dem Speiseplan stehen", erklärt sie in einer Pressemitteilung. "Diese Referenzkost haben wir mit drei Szenarien verglichen: einer Umstellung nach den Empfehlungen der DGE, dem Wechsel zu einer Mittelmeer-Diät mit mehr Fisch und Meeresfrüchten sowie der Änderung hin zu einer veganen Ernährung."

In jedem dieser drei Szenarien wurden die Lebensmittel so gewählt, dass sie sich so wenig wie möglich von der Referenzernährung unterschieden. Zudem sollte die Produkt-Auswahl insgesamt dieselben Nährstoffe in ähnlichen Mengen enthalten wie bislang. Die Forschenden erhielten so für jedes Szenario einen "Lebensmittel-Korb".

Inwieweit leiden Nutztiere unter ihrer Haltung?

Mit Hilfe von Datenbanken konnte dann der Effekt jeder Ernährung auf Umweltaspekte abgeschätzt werden - etwa die bei ihrer Produktion entstehende Menge an Klimagasen oder den Wasserverbrauch. Das erläutert  Dr. Neus Escobar vom Institut für Angewandte Systemanalyse in Österreich. "Ähnlich gingen wir vor, um die Auswirkung der jeweiligen Ernährung auf die Gesundheit zu bewerten." So ist von rotem Fleisch bekannt, dass es das Risiko bestimmter Krebsarten und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Die Konsequenzen für das Tierwohl schätzten die Forschenden anhand mehrerer Indikatoren: Wie viele Tiere durch den Konsum der Lebensmittel ihr Leben verlieren und unter welchen Bedingungen sie gehalten werden. "Wir haben anhand der Zahl von Neuronen oder der Größe des Gehirns im Verhältnis zum Körper abgeschätzt, inwiefern die jeweiligen Tiere unter ihrer Nutzung tatsächlich leiden", erklärt Juliana Paris.

Vegane Ernährung schnitt am besten ab

Ergebnis: Die vegane Ernährung schnitt in vielen Bereichen am besten ab. Allerdings ist die Erzeugung veganer Lebensmittel mit einem erhöhten Wasserverbrauch verbunden. "Außerdem müssen Veganerinnen und Veganer bestimmte Nährstoffe separat zuführen, etwa Vitamin B12, Vitamin D oder auch Kalzium", sagt Paris.

Die mediterrane Diät - obwohl gesund - hat aufgrund des hohen Anteils an Nüssen und Gemüse ebenfalls einen erhöhten Wasserbedarf zur Folge. Wird konsumierte Fleisch komplett durch Fisch ersetzt, sind zudem ihre Effekte auf das Tierwohl negativ: Da Fische und Meeresfrüchte deutlich kleiner sind als Kühe oder Schweine, leiden unter dieser Ernährungsform erheblich mehr Tiere. Negativ wirkt sich zudem der vermehrte Konsum von Honig aus, der eine intensive Bewirtschaftung von Bienenvölkern verlangt.

Ernährung ist zu reichhaltig

"Es wäre von Vorteil, den Proteinbedarf insgesamt weniger aus tierischen Quellen zu decken", betont Neus Escobar. "Zudem ernähren sich viele Menschen heute deutlich zu reichhaltig. Würden sie ihre Nahrungsmenge auf das reduzieren, was sie wirklich brauchen, hätte das möglicherweise zusätzliche positive Effekte."

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Nahrungsergänzungsmittel , Klimawandel , Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ernährung

Proteine sind lebenswichtige Nährstoffe. Aber sie drohen zur Mangelware zu werden – zum Beispiel, weil ihre Herstellung mehr Wasser verschlingt, als in den Dürren des Klimawandels sicher verfügbar ist. Im Fraunhofer-Institut entwickeln Wissenschaftler nachhaltige Produktionssysteme für Eiweiß, die deutlich weniger Wasser, Düngemittel, Pestizide und Antibiotika brauchen als die konventionelle Fleischindustrie: Proteingewinnung aus Insekten, Pilzen, Algen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.

Finden Sie Krebsvorsorge sinnvoll? Ja, sagen 94 Prozent der Deutschen. Nur: Viele schieben sie dennoch vor sich her. Dabei können die Krebsfrüherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen viel Leid verhindern und Leben retten.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin