Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Weisse Liste: Das richtige Pflegeheim finden

Montag, 22. August 2016 – Autor: Angelika Friedl
Was ist zu tun, wenn der Pflegefall eintritt? Welche Kosten kommen auf mich zu und welches Pflegeheim ist gut für mich? Das Vergleichsportal Weisse Liste bietet erste Orientierung und hilft bei der Auswahl eines geeigneten Pflegeheims.
Ein gutes Pflegeheim bietet auch ein schmackhaftes Essen

Ein gutes Pflegeheim bietet auch ein schmackhaftes Essen – Foto: Kzenon - Fotolia

Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 12.000 Pflegeheime. Aber nicht alle arbeiten gut, wie die nicht abreißenden Medienberichte über Pflegeskandale beweisen. Ob ein Heim die fachlichen Anforderungen an die Qualität der Pflege erfüllt, zeigt jetzt das Portal Weisse Liste, ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen. Außerdem ist eine Checkliste abrufbar, damit man sich auf den Besuch eines Pflegeheimes vorbereiten kann, um zum Beispiel die richtigen Fragen zu stellen. 

Mehr Klarheit bei den Pflegenoten

Der Pluspunkt der Weissen Liste: Sie schafft mehr Durchblick für den Verbraucher, weil sie die Ergebnisse des sogenannten „Pflege-TÜV“ neu bewertet. "Die neue Auswertung der Prüfergebnisse kann zwar die grundsätzlichen Schwächen des Bewertungssystems nicht kurieren, sie bietet aber mehr Transparenz und Orientierung für Verbraucher", erklärt Uwe Schwenk, Programmleiter bei der Bertelsmann Stiftung. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erkennen nun, ob ein Heim die Mindestanforderungen erfüllt. Prozentwerte für Pflegequalität zeigen, wie viele der überprüften Kriterien auch tatsächlich voll erfüllt werden. Um die einzelnen Einrichtungen besser vergleichen zu können, sind die Werte außerdem im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt aufgeführt. Es zählen nur pflegerische Kriterien, ob etwa Pflegebedürftige regelmäßig ihre Medikamente bekommen, ob sie ausreichend trinken und nicht gegen ihren Willen oder ohne Gerichtsbeschluss ans Bett gefesselt werden. Andere Kriterien, wie etwa die zur Organisation und zu Einrichtungsmerkmalen fallen weg. In der Weissen Liste gibt es auch keine Durchschnittsnoten. Mit dieser Methode können Pflegeheimbetreiber Mängel in einem Bereich durch gute Bewertungen in einem anderen Bereich ausgleichen. Schwere Versäumnisse bei der Wundversorgung der Patienten fallen so nicht auf, wenn zum Beispiel die Speisekarte des Pflegeheims nur gut lesbar ist. Im bisherigen Pflege-TÜV des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen erzielten viele Einrichtungen Bestnoten – nämlich stolze 1,0 für etwa jedes vierte Heim und für fast jeden zweiten ambulante Pflegedienst. Wesentlich schlechter fällt dagegen die neue Bewertung der Pflege-Noten durch die Bertelsmann-Stiftung aus: Nur elf Prozent der Heime und 29 Prozent der Hilfsdienste erfüllen hier alle wichtigen Kriterien. 

Checkliste hilft, ein gutes Pflegeheim zu finden

Bei der Suche nach dem richtigen Pflegeheim sollte man unbedingt mehrere Einrichtungen miteinander vergleichen. Das bedeutet auch, sich ein Heim vor Ort anzuschauen, mit den Fachkräften und vielleicht sogar mit einigen Bewohnern zu sprechen. Das Vergleichsportal Weisse Liste bietet dazu eine standardisierte Checkliste an, die helfen soll, ein Pflegeheim zu finden, dass am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Auf der Liste wird zum Beispiel gefragt, wie gut der zukünftige Wohnort für Besucher erreichbar ist, welche Geschäfte, Restaurants, Ärzte etc. in der Nähe liegen und ob einem die unmittelbare Umgebung überhaupt gefällt. Wichtig ist die Ausstattung der Wohnung bzw. des Zimmers, also ob man etwa ein eigenes Bad hat oder persönliche Dinge und eigene Möbel mitbringen kann. Viele Menschen möchten auch wissen, ob sie frei entscheiden können, wann sie aufstehen und schlafen gehen, wann sie essen und wie sie den Tag verbringen und wie schmackhaft das Essen ist. Sehr genau sollte man sicherlich nach der Art und Weise der pflegerischen und ärztlichen Betreuung fragen: Gibt es eine Pflegekraft, die einem als fester Ansprechpartner zur Seite steht, kann sich die Pflege auf die individuelle Situation einstellen oder bietet das Heim regelmäßige Sprechstunden von Haus- und Fachärzten an?

 

Neuer Pflege-TÜV kommt erst 2019

Der oft kritisierte Pflege-TÜV steht jetzt selbst auf dem Prüfstand. Ein Qualitätsausschuss des Bundesministerium für Gesundheit arbeitet derzeit an einem neuen Bewertungsverfahren. Spätestens Ende 2017 sollen die Ergebnisse vorliegen. Aber auf Prüfergebnisse nach dem neuen Verfahren müssen Pflegeheime und Pflegebedürftige noch mindestens bis 2019 warten. Bis dahin werden die Pflegenoten weiter in der bisherigen Form veröffentlicht. "In der Übergangszeit wollen wir mit der neuen Auswertungsmethode der Pflege-Prüfergebnisse den Verbrauchern mehr Orientierung bieten", so Uwe Schwenk von der Bertelsmann Stiftung.

Foto: ©Kzenon - Fotoalia.com

Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Qualität
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich. Dabei sind für sie genauso wichtig und gesund. Beispiel: Stressabbau.


Die elektrische Vagusnerv-Stimulation wird etwa bei Depressionen und Schmerzen eingesetzt. Wissenschaftler aus Wien nutzen das Verfahren für sehr kranke Covid-19-Patienten – offenbar mit Erfolg. Die Stimulation des zehnten Hirnnerven erfolgt am Ohr.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin