. Entzündungshemmende Substanzen

Weihrauch statt Cortison

Weihrauch war als entzündungshemmendes Heilmittel lange Zeit in Vergessenheit geraten. Doch inzwischen greifen auch Schulmediziner auf Weihrauchpräparate zurück. In der Hirntumortherapie wird das pflanzliche Mittel zum Reduzieren von Cortison eingesetzt.
Weihrauch statt Cortison

Der Stoff, von dem auch Hirntumorpatienten profitieren: Im Harz des Weihrauchbaums stecken entzündungshemmende Substanzen

Weihrauch gehört seit der Antike zu vielen religiösen Ritualen. Doch das Harz aus dem Weihrauchbaum kann noch mehr als Dampf und Rauch: Es enthält entzündungshemmende Substanzen. In der ayurvedischen Medizin wird das Mittel schon seit Jahrtausenden genutzt, um die verschiedensten Beschwerden zu lindern. Auch schulmedizinisch gilt der entzündungshemmende Effekt von den im Weihrauchharz enthaltenen Boswelliasäuren mittlerweile als erwiesen. Prof. Oliver Werz vom Pharmakologischen Institut der der Universität Jena konnte vor wenigen Jahren erstmals zeigen, wie die Boswelliasäuren in das Entzündungsgeschehen überhaupt eingreifen. Demnach hemmen sie ein bestimmtes Enzym, das im Entzündungsprozess und bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle spielt. „Dies macht Weihrauch als Arzneimittel unter anderem für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant“, so Werz.

Entzündungshemmende Wirkung von Weihrauchextrakt gilt schulmedizinisch als erwiesen

Der Nutzen von Weihrauchextrakten wurde zuvor schon in zahlreichen klinischen Studien untersucht, vor allem in der Rheumatologie, Gastroenterologie, Pulmologie und Neurologie. In der Hoffnung eine Alternative zum nebenwirkungsreichen Cortison zu finden, hatten etwa Freiburger Wissenschaftler in einer Studie mit 44 Hirntumorpatienten zeigen können, dass 4.200 Milligramm Weihrauchextrakt pro Tag das Ausmaß der Hirnödeme nach einer Strahlentherapie signifikant verringert. Außerdem sprachen die so behandelten Patienten besser auf die Strahlentherapie an als die Placebogruppe. Als Weihrauchpräparat wurde den Patienten das in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel verkaufte H15 verabreicht.  

Hirntumorexperten empfehlen Weihrauch ergänzend zur Chemotherapie

Am Hirntumorzentrum der Charité hat das Weihrauchpräparat schon seit längerem einen festen Platz. Nach Auskunft von Neurochirurg Dr. Martin Misch erspart das pflanzliche Mittel den Patienten viele Dosen Cortison und die damit verbundenen Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen oder Bluthochdruck. „Wir empfehlen unseren Patienten Weihrauchpräparate als Ergänzung zur Chemotherapie“, sagt Misch, „vor allem weil sie cortisonsparend sind.“ Weiterhin gebe es in Zellkulturen nachweislich eine antitumorale Wirkung. Der Wermutstropfen des ansonsten gut wirksamen (Lebens-)mittels: Die Patienten müssen bis zu 16 Kapseln täglich schlucken und die Kosten von ungefähr 100 Euro pro Monat selber tragen. Außerdem berichten viele Patienten von einem eigentümlichen Geschmack.

In Deutschland ist Weihrauchextrakt derzeit nur als Nahrungsergänzungsmittel zu haben. Pharmakologe Werz zufolge hat es trotz einiger vielversprechender Studien bislang nicht für eine Zulassung zum Arzneimittel gereicht.

Foto: © marilyn barbone - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hirntumor , Glioblastom , Arzneimittel , Nahrungsergänzungsmittel

Weitere Nachrichten zum Thema Hirntumor

| Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor möglichen Giftstoffen, verhindert jedoch auch die Aufnahme von Medikamenten. Nun ist es kanadischen Wissenschaftlern erstmals gelungen, die Schranke zu durchbrechen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.