. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) / Deutscher Pflegerat (DPR)

Wegen Pflegekräftemangel Operationen abgesagt

Der Pflegekräftemangel führt inzwischen dazu, dass Operationen abgesagt und Intensivbetten gesperrt werden. Das kritisieren die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutsche Pflegerat (DPR).
Krankenhäuser schließen Stationen wegen Pflegekräftemangel

Wo sind die dringend nötigen Pflegekräfte im Krankenhaus?

Die Chirurgen und die Pflegefachkräfte fordern deshalb ein steuerfinanziertes Sofortprogramm, das 50.000 neue Planstellen im Pflegebereich schaffen soll. Das sei erforderlich, um zeitnah spürbare Verbesserungen in den Besetzungen zu erreichen, so die Präsidenten der beiden Organisationen Professor Jörg Fuchs (DGCH) und Franz Wagner (DPR). Die zusätzlichen Stellen dürften aber nicht durch einen vermehrten Dokumentationsaufwand der Bürokratie zum Opfer fallen, warnen sie. Langfristig halten sie einen nationalen Masterplan über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren für nötig.

In einer gemeinsamen Erklärung setzen sich DGCH und DPR außerdem für eine bessere Vergütung ausgebildeter Fachpflegekräfte ein, damit die Attraktivität des Berufs steigt. Sie plädieren auch für die Einführung von Personalschlüsseln. Diese Personalschlüssel sollen Schweregrade bei der Versorgung flexibel berücksichtigen und so dazu beitragen, Pflegefachkräfte zu entlasten. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken, fordern die beiden Organisationen zudem verlässliche Dienstpläne.

„Zu wenig Pflegekräfte auf Intensivstationen“

Nach Angaben von DGCH und DPR arbeiten in Deutschland derzeit etwa 384.000 Pflegefachkräfte. Das seien den beiden Organisationen zufolge viel zu wenige. Den Angaben zufolge sollte eine Pflegekraft auf Intensivstationen maximal zwei Patienten betreuen, bei schwerem Organversagen sogar nur einen Erkrankten. „In der Realität liegt dieses Verhältnis jedoch nachts oft bei 1:3“, so DGCH-Präsident Professor Jörg Fuchs. Das habe zu hohen physischen und psychischen Belastungen bei den Pflegenden geführt, mit hohen Ausfallzeiten und der Tendenz, den Beruf ganz zu verlassen.

In den OP-Sälen bestimmen nach seiner Schilderung zunehmend personelle Engpässe die Situation. „Immer häufiger fehlen operationstechnische, chirurgisch-technische und anästhesietechnische Assistenten“, kritisiert Fuchs. „Der Chirurg kann ja nicht allein operieren, wir müssen die Eingriffe dann verschieben.“ Fuchs berichtet auch, dass Operationen abgesagt werden müssen, weil die pflegerische Versorgung vor, während und nach dem Eingriff nicht gewährleistet werden könne.

 

„Stationen wegen Pflegekräftemangel gesperrt“

„Ganze Stationen werden wegen Pflegepersonalmangels gesperrt“, ergänzt DPR-Präsident Franz Wagner. Die Reaktionszeit der Stationspflege bei Schmerzen sei leider oft viel länger als wünschenswert, kritisiert er. Doch neue Pflegefachkräfte sind nicht einfach zu finden. „Es dauert mittlerweile mehr als fünf Monate, eine freie Stelle in der Pflege zu besetzen“, so Wagner. Doch eine bessere Personalausstattung sei dringend geboten.

Foto: sudok1 - fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenhäuser , Pflege , Pflegekräfte , Pflegebedingungen , Operation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegekräftemangel

| Im Jahr 2030 werden in Deutschland zusätzlich mindestens 187.000 Pflegekräfte gebraucht. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft erstellt wurde. Werden die Pflegepersonalschlüssel weiter korrigiert, fehlen noch mehr Fachkräfte.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer akute Zahnschmerzen hat, braucht auch in Corona-Zeiten einen Zahnarzt. Doch was ist beispielsweise mit Vorsorgeuntersuchungen? Selbst die Zahnärzte sind sich uneins, wie sie mit der Krise umgehen und wen sie noch behandeln sollen.
Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen haben Angst, sich mit Corona zu infizieren. Angehörige dürfen ihre Pflegebedürftigen nicht mehr besuchen. Bei Covid-19 Erkrankungen in einem Pflegeheim müssen betroffene Pflegebedürftige von den übrigen Bewohnern isoliert werden. Über die Situation in der stationären und ambulanten Pflege sprach Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.