. Molekularmedizin

Wassertrinken regelt den Blutdruck

Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben zusammen mit anderen klinischen Partnern einen Blutdruckregler in der Leber entdeckt, der allein durch Wassertrinken aktiviert wird. Im Klinikalltag zeigt das Wassertrinkens bei Menschen mit gestörter Blutdruckregulation bereits Wirkung.
Wassertrinken regelt den Blutdruck

Foto: © Uwe Steinbrich/ PIEXELIO

 

Seit 60 Jahren vermutet die Wissenschaft, dass es auch ausserhalb des Gehirns eine Schaltzentrale zur Selbstregulation des Körpers geben muss. Jetzt sind Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin, des Zentrums für experimentelle und klinische Forschung (ECRC) von MDC und Charité und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fündig geworden. In der Leber von Mäusen haben sie eine neue Gruppe von Sensoren entdeckt, die die Blutdruck- und Stoffwechselregulation steuern. Nach den Erkenntnissen der Forscher wird diese ausserhalb des Gehirns nachgewiesene Schaltzentrale allein durch Wasseraufnahme aktiviert und führt bei kranken und älteren Menschen zur Erhöhung des Blutdrucks. Bei gesunden, jüngeren Menschen regt sie den Stoffwechsel an.

Blutdruckregulation durch Wassertrinken

Im Mausmodell konnten die Forscher beobachten, dass bestimmte Nervenzellen in der Leber aktiv auf Wasserzufuhr reagieren. Das von den Mäusen aufgenommene Wasser wird im Dünndarm resorbiert und gelangt über die Leber in das Blutsystem. Durch die plötzliche Wasserzufuhr sinkt die Osmolalität, das körpereigene Mass für den Wasserhaushalt, in den Blutgefässen der Leber unter ihren Sollwert. Wie die Forscher jetzt nachweisen konnten, wird diese Abweichung von Sensoren in der Leber, den so genannten Osmorezeptoren, registriert. Sie stellten fest, dass die Osmorezeptoren die Information in ein elektrisches Signal umwandeln, dass dann wiederum einen Reflex auslöst und die Leberblutgefässe anregt, den Blutdruck zu erhöhen.

"Wir können jetzt die Eigenschaften einer ganz neuen Gruppe von Osmorezeptoren in der Leber auf molekularer Ebene beschreiben, die im Menschen möglicherweise den 'verlängerten Arm' eines sehr wichtigen regulierenden Reflexes bilden", sagt Prof. Dr. Gary Lewin vom MDC.

"Die Wirkung des Wassertrinkens bei der Blutdruckregulation zeigt im Klinikalltag bereits therapeutische Konsequenzen", ergänzt Prof. Dr. Jens Jordan (ECRC; jetzt MHH). "Wir lassen Patienten, die aufgrund von Störungen der Blutdruckregulation im Stehen Ohnmachtsanfälle erleiden, gezielt Wasser trinken. So lindern wir die Symptome und senken gleichzeitig den Medikamenteneinsatz. Auch gesunde Menschen können bei langem Stehen oder anderen Belastungen, wie Blutspenden, Ohnmachtsanfälle erleiden, die in vielen Fällen durch Wassertrinken vermeidbar wären. Unser langer Atem bei der Erforschung der osmolalen Selbstregulation über ein Jahrzehnt hat sich auf jeden Fall gelohnt!"

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