Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.08.2018

Was würde eine höhere Alkoholsteuer bewirken?

Alkoholsteuern sind kostengünstige Maßnahmen, um die Verbreitung von Suchtproblemen zu verringern. Das erklären Forscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Eine Studie hat bestätigt, dass weniger Alkohol konsumiert wird, wenn er teurer wird.
Alkohol teurer, Alkoholsteuer

Alkoholsteuer

Zurzeit gibt es in Deutschland verschiedene Arten von Steuern auf alkoholische Getränke wie beispielsweise auf Bier, Sekt oder Branntwein. Doch diese seien viel zu niedrig, kritisieren Suchtexperten. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung hierzulande konsumieren Alkohol in einem gesundheitlich bedenklichen Ausmaß. Studien zeigen, dass eine höhere Besteuerung von alkoholischen Getränken den Konsum und die Folgeerscheinungen wie krankheitsbedingte Ausfälle, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verringern würden. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt dies nun.

Alkohol in Deutschland zu billig

Suchtexperten in Deutschland kritisieren nicht nur den niedrigen Preis von alkoholischen Getränken, sondern auch die Tatsache, dass er (z.B. an Tankstellen) rund um die Uhr verfügbar ist. Zudem monieren sie die großen Freiheiten bei der Werbung und den mangelhaften Jugendschutz: Etwa 30 bis 50 Prozent der Jugendlichen konnten bei Testkäufen ohne Probleme Alkohol erwerben, erklärte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) im Frühjahr dieses Jahres. All diese Kritikpunkte bestätigt nun auch die WHO durch eine aktuelle Analyse.

Für ihre Studie haben die WHO-Forscher um Dr. Daniel Chisholm Kosten und Effizienz von fünf gängigen Maßnahmen zur Reduktion des Alkoholkonsums in 16 Ländern ermittelt. Wie sich zeigte, würde eine Erhöhung der Steuern auf alkoholische Getränke um 50 Prozent über 500 DALY (disease-adjusted life years) pro eine Million Einwohner sichern. Sinnvoll wäre auch eine gesetzliche Beschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol sowie der Werbung. Damit ließen sich der Analyse zufolge 200 bis 300 DALY pro eine Million Einwohner retten.

 

Alkoholsteuer kostengünstig und effektiv

Einen weniger großen Nutzen haben offenbar mehr Kontrollen auf Alkohol am Steuer: Diese Maßnahme würde der Studie zufolge weniger als 100 DALY pro eine Million Einwohner sichern. Sehr wirkungsvoll hingegen können psychosoziale Kurzintervention für suchtgefährdete Personen sein. 500 bis 1000 DALY pro eine Million Einwohner könnten damit bewahrt werden.

Bei der Berechnung des Kostenaufwands für die Maßnahmen (z.B. durch Verwaltung, Personaleinsatz etc.) stellte sich heraus, dass eine Erhöhung der Alkoholsteuer für den Staat am günstigsten wäre. Am teuersten wären mehr Kontrollen im Straßenverkehr, die zudem am wenigsten effektiv wären. Die Wissenschaftler gaben aber zu bedenken, dass sie nur die direkten Kosten berechnet haben, während der indirekte Nutzen etwa durch den Erhalt der Arbeitskraft wahrscheinlich viel größer sei. Dennoch stoße eine Umsetzung der Maßnahmen nach wie vor auf große Widerstände und werde insbesondere durch die Lobby-Arbeit der Industrie verhindert.

Schottland hat es vorgemacht

Dass es dennoch möglich ist, Alkohol auf dem Gesetzesweg teurer zu machen, hat im Frühjahr dieses Jahres Schottland bewiesen. Hier wurde zum 1. Mai ein Mindestpreis für Bier, Wein und Spirituosen eingeführt. Regierungschefin Sturgeon erklärte, dies sie die erste Preisuntergrenze dieser Art weltweit. Experten hoffen, dass dadurch in den nächsten fünf Jahren rund 400 Todesfälle und etwa 8000 Klinikaufenthalte verhindert werden können.

Bis zuletzt hatte die Indus­trie in Schottland versucht, das Gesetz zu verhindern. Schließlich machte ein Gericht den Weg frei. Ab sofort dürfen zehn Milliliter reiner Alkohol nicht weniger als 50 Pence (umgerechnet 57 Cent) kosten. Umgesetzt heißt dies in etwa eine Preissteigerung von Wein um 50 Prozent, bei Wodka und Whiskey sind es rund 30 bzw. 40 Prozent und bei Bier sogar 70 Prozent.

Foto: © monticellllo - Fotolia.com

Foto: ©monticellllo - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alkohol , Sucht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alkohol

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Das Gehirn als Denkfabrik des Menschen produziert nicht nur schlaue Gedanken und speichert Wissen und Erfahrungen. Es produziert auch materiellen Stoffwechsel-Abfall: 2,5 Kilo im Jahr, doppelt so viel wie das eigene Organgewicht. Damit das Gehirn funktionstüchtig und gesund bleibt, muss es gereinigt werden – und dies geschieht vor allem nachts. Ein Grund, warum gesunder Schlaf lebenswichtig ist.


Die Zahl der Diabetesfälle ist dabei zu explodieren – in Deutschland wie weltweit. Die WHO spricht schon jetzt von einer weiteren „Pandemie“. Ein Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt, was jeder Einzelne selbst tun kann und sollte, um sein persönliches Risiko für eine Diabetes-Erkrankung zu reduzieren.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin