. Gelenke

Was tun nach Meniskusriss: Physiotherapie oder Arthroskopie?

Nach einem Meniskusriss gibt es zwei Therapie-Optionen: Physiotherapie oder Arthroskopie. Eine niederländische Studie verglich jetzt den Erfolg der beiden Behandlungsansätze.
knie, knieschmerzen, gelenkschmerzen, arthrose, verletzung

Bei einem Meniskusriss kann auch eine Physiotherapie helfen

Nach einem Meniskusriss ohne Knieblockade gibt es zwei Therapie-Optionen: Physiotherapie oder eine Arthroskopie, bei der der Meniskus teilweise entfernt wird. Eine niederländische Studie verglich jetzt den Erfolg der beiden Behandlungsmethoden.

Ein Team um Dr. Victor A. van de Graaf vom städtischen (OLVG) Krankenhaus in Amsterdam teilte 321 Patienten mit einem Meniskusriss im Alter zwischen 45 und 70 Jahren entweder für eine arthroskopische Teilresektion oder eine physikalische Therapie ein, bei der die Patienten über einen Zeitraum von acht Wochen ein Bewegungstraining für ihr Knie erhielten.

Was tun nach Meniskusriss: Physiotherapie oder Arthroskopie?

Während der 24-monatigen Nachbeobachtungszeit erhielten 29 Prozent der Patienten in der Physiotherapie-Gruppe dann doch eine partielle Meniskektomie, während 5 Prozent der Patienten in der OP-Gruppe dann doch nicht operiert wurden. Der Erfolg der beiden Therapien wurde abschließend anhand der Verbesserung der Knie-Funktion ermittelt, die mit dem IKDC (International Knee Documentation Committee)-Score erfasst wurde.

Patienten in der partiellen Meniskektomie-Gruppe zeigten eine Verbesserung der Kniefunktion um 26,2 Punkte,  bei Patienten aus der Physiotherapie-Gruppe verbesserte sich der Wert um 20,4 Punkte. Da die Forscher zu Beginn der Studie festgelegt hatten, eine Differenz erst ab einem Wert von acht Punkten signifikant zu finden, kamen sie zu dem Schluss, dass nach einem Meniskusriss die Physiotherapie ebenso gut helfe wie die Arthroskopie.

 

Meniskusriss: Konservative Therapie patientenfreundliche Alternative

"Unsere Ergebnisse bestätigen die Ergebnisse früherer Studien und rechtfertigen einen anfänglichen konservativen Ansatz bei Patienten, die älter als 45 Jahre sind und einen nicht-behindernden Meniskusriss haben", so das Fazit von van de Graaf. Die Physiotherapie sei eine patientenfreundliche Alternative zu einer frühzeitigen OP. Falls mit der Physiotherapie langfristig keine Besserung erzielt werde, könne dann immer noch operiert werden.

Insgesamt traten bei 18 Patienten in der arthroskopischen partiellen Meniskektomie-Gruppe und 12 Patienten in der Physiotherapie-Gruppe unerwünschte Nebenwirkungen auf: Die häufigsten waren wiederholte Operationen (drei in der Arthroskopie-Gruppe und eine in der Physiotherapie-Gruppe) und zusätzliche Arzt-Besuche aufgrund von Knieschmerzen (sechs in der Arthropskopie-Gruppe und zwei in der Physiotherapie-Gruppe). Die Studie wurde im Fachmagazin JAMA veröffentlicht.

Foto: cirquedesprit/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arthroskopie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Meniskus

| Nach einem Meniskusriss soll eine Operation nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch die Gelenkfunktion verbessern und damit die Entwicklung einer Arthrose verhindern. Doch es mehren sich die Hinweise, dass das Gegenteil der Fall sein kann.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Noch im Januar gab es in Deutschland etwa 1400 Ärzte, die ihren Patienten Videosprechstunden anboten – heute sind es fast zehnmal so viele. Jörg Debatin, Berater der Bundesregierung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens, spricht in einem Podcast-Interview mit Gesundheitsstadt Berlin über die Frage, wie die Coronakrise Gesellschaft und Gesundheitssektor technisch revolutionieren könnte – und welche Werte dabei zu beachten sind.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.