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14.04.2015, aktualisiert: 16.07.2015

Was tun nach dem Zecken-Biss?

Wenn es wärmer wird, werden auch die Zecken aktiv. Wer in Feld, Wald und Wiese unterwegs ist, läuft Gefahr, ein Spinnentier aufzugabeln. Wie entfernt man die Zecke und welche Krankheiten kann der Zecken-Biss beziehungsweise Zecken-Stich hervorrufen?
Gefahren durch Zeckenbisse

Zecken können gefährliche Erreger übertragen

Zecken sitzen in 40 bis 80 Zentimetern Höhe auf Gräsern, Büschen oder im Unterholz und warten auf ein Wirbeltier. Streift ein Mensch oder Tier im Vorübergehen das Insekt, krallt es sich an Haut, Textilien oder Fell fest und krabbelt dann an einen Ort, der zum Blutsaugen günstig ist.

Die Zecke sucht sich dafür Regionen mit dünner, gut durchbluteter Haut, etwa zwischen den Zehen, in der Kniekehle, in der Achselhöhle oder hinter den Ohren. Kinder werden häufiger am Kopf gestochen als Erwachsene. Bei Männern und Jungen bevorzugen Zecken die Bauch- und Brustregion.

Die Zecke bohrt ihren mit Widerhaken versehenen Stechrüssel in die Haut und schüttet einen Stoff aus, der das Areal betäubt und die Blutgerinnung hemmt. Sie beginnt, Blut zu saugen - und sondert einen Klebstoff ab, um sich fester an das Wirtstier zu heften.

Je länger die Zecke saugt, desto größer ist die Gefahr, dass sie den Menschen ansteckt. Nach 12 bis 24 Stunden können in ihrem Darm vorhandene Erreger der Lyme-Borreliose in den menschlichen Blutkreislauf gelangen.

Die gefährlicheren FSME-Viren, die eine Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen können, werden sofort übertragen, sie sind im Zecken-Speichel enthalten. Doch nicht jede Zecke ist mit Borreliose oder FSME infiziert, und nicht jede infizierte Zecke infiziert bei ihrer Mahlzeit den Menschen.

Zecken-Biss: So entfernt man die Zecke

Wichtig ist, eine entdeckte Zecke so schnell als möglich zu entfernen. Das ist nicht immer einfach, denn in den frühen Entwicklungstadien Larve und Nymphe sind die Zecken nur 0,5 - 1 Millimeter groß. Beim Vollsaugen schwillt der Hinterleib der Zecke an, die erwachsene Zecke kann dann mehr als 1 Zentimeter groß werden.

Zecken entfernt man mit einer Pinzette, einer Zeckenkarte, auf der ein V-förmiges Areal ausgespart ist, einer Zeckenzange oder einem Zeckenlasso, das ist eine Drahtschlinge. Das Lasso funktioniert aber nur bei ausgewachsenen, größeren Zecken.

Die Zecke wird am Kopf, dicht über der Einstichstelle und nah der Haut, erfasst und langsam herausgezogen. Leicht rüttelnde Bewegungen können helfen, den Widerstand der in die Haut versenkten Widerhaken zu überwinden. Herausdrehen, wie es früher empfohlen wurde, lässt sich die Zecke schon aufgrund der Anatomie ihrer Beißwerkzeuge nicht.

Das bayerische Landesgesundheitamt (lgl.bayern.de) zeigt in einer Bildergalerie, wie das geht. Auch bei zecken.de gibt eine gute Anleitung, wie die Hilfsmittel einzusetzen sind.

Beim Herausziehen sollte man nicht den Hinterleib der Zecke quetschen oder versuchen, das Tier mit Öl oder Alkohol zu betäuben, dann gelangen umso mehr Erreger aus der Zecke in die Einstichstelle.

Ist die Zecke entfernt, wird die Wunde desinfiziert. Sind Teile des Stechrüssels in der Haut geblieben, ist das meist problemlos. Führt das zu einer Entzündung, müsste der Arzt die Reste entfernen.

 

Zecken-Biss kann Krankheiten übertragen

Borreliose-Erreger kommen überall vor, gegen sie gibt es keine Impfung. Die Borreliose-Infektion ist an einer sich ausbreitenden Rötung um die Einbisstelle zu erkennen, sie kann zu grippeähnlichen Symptomen führen, zuweilen bleibt sie aber auch unbemerkt und sorgt Jahre später für Schmerzen, Lähmungen, Herzprobleme und Gelenkentzündungen. Ein Bluttest – getestet wird auf Antikörper – gibt aber keine sichere Aussage über eine aktuelle Infektion.

Um sicher zu gehen, dass man eine sich entwickelnde, womöglich schwache Rötung nicht übersieht, kann man die Einstichstelle mit einem Kugelschreiber markieren und beobachten. Tritt solch eine Rötung auf oder hat der Gestochene plötzlich Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Lymphknotenschwellungen, wird die Borreliose mit Antibiotika behandelt. Eine vorbeugende Behandlung ohne Krankheits-Anzeichen ist nicht angezeigt.

Von FSME befallene Zecken kommen vorwiegend in Bayern und Baden-Württemberg vor, auch in Südhessen und dem südöstlichen Thüringen gibt es Risikogebiete, in Sachsen (Vogtland), dem Saarland und Rheinland-Pfalz ist jeweils ein Landkreis betroffen.

Mit Eingabe der Postleitzahl kann man auf zecken.de nachsehen, ob der Wohnort oder das Urlaubsziel zum Verbreitungsgebiet gehören und überlegen, ob eine FSME-Impfung sinnvoll sein könnte. Es gibt auf der Seite auch eine FSME-Europakarte.

FSME ist nicht heilbar, es lassen sich nur die Symptome bekämpfen. In 20 Prozent der Fälle führt die Infektion zu grippeähnlichen Symptomen, in zehn Prozent der Fälle zu schweren Komplikationen wie einer Hirnhautentzündung, einer Hirn- und/oder Rückenmarksentzündung bis hin zum Tod.

Einen Impfstoff gibt es bereits für Kinder ab 1 Jahr. Wer sich kurzfristig vor einer Urlaubsreise in ein Risikogebiet impfen lassen will, kann in zwei Impfdosen immunisiert werden, die der Arzt rasch hintereinander spritzt. Für einen längeren Schutz sind drei Dosen nötig. Die zweite Spritze wird 1 bis 3 Monate nach der ersten veranreicht, die dritte je nach Impfstoff 5, 9 oder 12 Monate nach der zweiten. Eine Auffrischung ist 3 bis 5 Jahre danach möglich.

Foto: © Smileus - Fotolia

Hauptkategorie: Medizin
 

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