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Was tun gegen starkes Schwitzen?

Samstag, 23. Juli 2022 – Autor:
Manche Menschen schwitzen sichtlich mehr, als zu Regulierung der Körpertemperatur erforderlich ist. Darunter leidet ihre Lebensqualität. Experten raten: Ursachen ärztlich abklären lassen – und etwa scharfes Essen, Alkohol oder Kaffee meiden.
Mann im hellblauen Hemd mit schweißnassen Flecken an Achseln und Brust.

Stress, Angst, Übergewicht, Medikamente oder eine Krankheit dahinter wie Schilddrüsenüberfunktion: Übermäßiges Schwitzen kann ganz verschiedene Ursachen haben. – Foto: AdobeStock/cunaplus

Auch wenn wir bei uns und anderen das Schwitzen oft als unangenehm empfinden: Gerade bei Extremtemperaturen im Sommer rettet uns die natürlich erzeugte Verdunstungskälte des Körpers. Die körpereigene Klimaanlage schützt den Organismus vor Überhitzung. Zugleich sorgt die Schweißproduktion dafür, dass die Haut feucht und elastisch bleibt; der saure pH-Wert des Schweißes schützt den Körper darüber hinaus vor Krankheitserregern. Würden wir nicht schwitzen – Kopfschmerzen, Schwächeanfälle, Herzrasen, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Schwindel und sogar schmerzhafte Muskelkrämpfe können die Folgen sein.

Wenn Schwitzen einen Krankheitswert annimmt

Doch es gibt auch Menschen, die mehr Schweiß produzieren, als für die Regulierung der normalen Körpertemperatur erforderlich ist – und dies ganz unabhängig davon, ob sie sich körperlich betätigen oder wie warm das Wetter ist. Das ist für Betroffene extrem unangenehm und kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Da Schweißränder auf der Kleidung und Schweißgeruch häufig nicht zu verbergen sind, fühlen sich Betroffene unwohl und sowohl im Berufsleben als auch privat gehemmt. Was sind die Ursachen für übermäßiges Schwitzen und was kann man dagegen tun?

 

Schwitzen: Oft ist das vegetative Nervensystem hyperaktiv

„Bei überschießender Schweißproduktion ist die Steuerung der Schweißdrüsen durch das vegetative Nervensystem aus den Fugen geraten und läuft auf zu hohem Niveau“, heißt es in einer Patienteninformation des „Homöopathischen Laboratoriums Alexander Pflüger“. „Bei manchen Menschen sind die Schweißdrüsen überstimuliert“, sagt Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. „Dann reicht es schon aus, wenn sich die Betroffenen einer unangenehmen Situation stellen müssen, zum Beispiel in eine vollbesetzte U-Bahn zu steigen oder ein schwieriges Gespräch mit Mitarbeitern zu führen, um die Schweißbildung anzuregen.“ Der medizinische Fachbegriff für Schwitzen mit Krankheitswert heißt „Hyperhidrose“ (griechisch: hyper = zu viel / hidros = Wasser). Die Ursachen können vielfältig sein – körperlich, psychisch, sozial.

Häufige Ursachen für heftiges Schwitzen

  • Stress
  • Angst
  • Übergewicht
  • Medikamente
  • Fehlfunktion der Schweißdrüsen
  • Symptom für Grunderkrankung (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion).

Zwei Formen von krankhaftem Schwitzen

Unterschieden werden die primäre und die sekundäre Hyperhidrose. Bei der primären Hyperhidrose findet sich keine Erkrankung oder äußere Ursache für das übermäßige Schwitzen. Hier spielt in der Regel eine familiäre Veranlagung die zentrale Rolle. „Die Betroffenen schwitzen meist von Kindheit und Jugend an“, heißt es in einem Ratgeber der AOK. „Charakteristisch ist, dass sie tagsüber schwitzen, aber nicht nachts. Problemzonen sind meistens Hände, Füße, Achseln oder Gesicht. Der Leidensdruck bei den Betroffenen ist oft groß: Sie schämen sich dafür und versuchen das Schwitzen durch alle möglichen Tricks zu verbergen. Neben der seelischen Last kann die permanente Durchfeuchtung der Haut die Barrierefunktion stören, wodurch Hauterkrankungen, zum Beispiel Pilzerkrankungen, begünstigt werden.“

Wechseljahre, Schwangerschaft, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Tumore: Was hinter starkem Schwitzen stecken kann

Hinter einer „sekundären Hyperhidrose“ dagegen kann eine Grunderkrankung stecken, was ärztlich abgeklärt werden muss. Einige Beispiele hierfür können sein: Schilddrüsenüberfunktion, eine Tumorerkrankung, das Parkinson-Syndrom oder Diabetes. Auch hormonelle Umstellungen wie die Wechseljahre oder eine Schwangerschaft können dazu führen, dass die betroffenen Frauen mehr schwitzen. Zudem zählen verstärktes Schwitzen oder Schweißausbrüche zu den Nebenwirkungen mancher Medikamente. Hierzu zählen alle Klassen von Antidepressiva, fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure, blutzuckersenkende Medikamente oder Mittel gegen Asthma oder Bronchitis. Charakteristisch für die sekundäre Hyperhidrose ist, dass die Betroffenen auch nachts und am ganzen Körper schwitzen. Wird die zugrundeliegende Erkrankung therapiert, bessert sich zumeist das Schwitzen.

Starkes Schwitzen: Tipps für zur Selbsthilfe

  • Bewusst essen und trinken: Zu fette und scharf gewürzte Mahlzeiten sowie Alkohol, Nikotin und Kaffee meiden, das ist alles schweißtreibend.
  • Barfuß gehen: Das stimuliert die Fußsohlen und reguliert die Aktivität der Schweißdrüsen.
  • Schweißdrüsen trainieren: Saunagänge oder sportliche Aktivitäten fördern das Schwitzen und bringen damit die Schweißdrüsen womöglich wieder mehr ins Lot.
  • Wassertherapie: Auch Kalt-Warm-Duschen oder Kneipp-Güsse für Arme und Beine sind bei übermäßigem Schwitzen empfehlenswert. Die letzte Dusche sollte kalt sein.
  • Salbei wird seit langem als Heilpflanze geschätzt und gilt als traditionelles Hausmittel gegen Schwitzen – als Tee, Tabletten oder auch in Form homöpathischer Präparate.
  • Zur Ruhe kommen: Gegen stressbedingtes Schwitzen können Entspannungstechniken helfen wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation.

(Quelle: AOK, Homöopathisches Laboratorium Alexander Pflüger)

Therapieoptionen bei starkem Schwitzen

Führt eine Selbsthilfe nicht zu einem dauerhaften Erfolg, ist es Zeit, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zur Behandlung der primären Hyperhidrose gibt es laut AOK verschiedene Therapien. Gegen starkes Schwitzen in den Achselhöhlen zum Beispiel kommen Präparate mit Aluminiumsalzen infrage, auch wenn sie nicht unumstritten sind. Aluminiumsalze bewirken, dass sich die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen verschließen.

Sind in erster Linie die Hände oder Füße betroffen sind, bietet sich die sogenannte Leitungswasser-Iontophorese an. Dabei tauchen die Patienten ihre Hände oder Füße in ein Wasserbad, durch das ein schwacher Gleichstrom geleitet wird. Die Behandlung ist allerdings recht zeitaufwändig: Die Patienten sollten zumindest anfangs die Wasserbäder mehrmals die Woche für 20 bis 30 Minuten durchführen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten. Das Spektrum reicht hier von der Injektionstherapie mit Botulinumtoxin, der Therapie mit Radiofrequenz, Mikrowellen oder Ultraschall bis hin zu operativen Verfahren.

Hauptkategorie: Medizin
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