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20.02.2021

Was tun gegen Mundgeruch?

Fischbrötchen, Zwiebeln, Knoblauch, Alkohol und Zigaretten: Sie alle machen wegen ihres markanten Geruchs im Moment einen unsympathischen Atem. Wer dauerhaft an Mundgeruch leidet, sollte aber seine Mundflora in Ordnung bringen: durch regelmäßiges Zähneputzen – und Reinigen der Zunge. Denn dort tummelt sich der Großteil der für Mundgeruch verantwortlichen Bakterien.
Fischbrötchen: Hering mit Haut und weißen Zwiebeln

Fischbrötchen sollte man vor dem Küssen besser nicht essen. Wer öfter küsst, sollte durch gewissenhafte Zahnpflege für eine intakte Mundflora sorgen – denn in mehr als zwei Drittel der Fälle liegt hier die Ursache für schlechten Atem.

Im Mund fühlen sich Mikroorganismen besonders wohl. Dort ist es warm und feucht und das Angebot an Nahrung ist exzellent. Eine intakte Mundflora verhindert, dass gefährliche Keime in den Körper gelangen, hilft dem Menschen, Nahrung zu verdauen und sorgt dafür, dass Zähne und Zahnfleisch gesund bleiben. Gerät die Mundflora aus dem Gleichgewicht, drohen Karies oder Entzündungen von Zahnfleisch (Gingivitis) oder Zahnbett (Parodontitis). Die erste Folge aber ist: Mundgeruch.

Mundgeruch: Meist sind Bakterien auf der Zunge die Ursache

„Auslöser für schlechten Atem sind neben Alkohol, Zigaretten, Zwiebeln oder Knoblauch vor allem Bakterien: In unserer Mundhöhle existieren Hunderte von Bakterienarten“, sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Die meisten davon leben auf der Zunge. Zahnmediziner gehen davon aus, dass mehr als zwei Drittel aller Mundgeruchsfälle auf Zungenbelag zurückzuführen sind. Aber auch Zahnfleischtaschen, schadhafte Zähne, Brücken oder Zahnprothesen können Herde sein – meist Bereiche, an die man mit normalem Zähneputzen nicht hinkommt.

 

Was passiert im Mund, wenn Mundgeruch entsteht?

Die Bakterien in der Mundhöhle ernähren sich von Essensresten und abgestorbenen Zellen. Beim Zersetzungsprozess entstehen Schwefelverbindungen, die für den fauligen Geruch verantwortlich sind. Vor allem eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Milch oder Fisch liefern den Bakterien Nahrung. „Dieser Zersetzungsprozess ist ein ganz normaler Vorgang und muss nicht unbedingt zu Mundgeruch führen“, heißt es bei den Mundgesundheitsexperten der AOK. „Entscheidend ist die Menge der Bakterien: Besteht ein bakterielles Gleichgewicht im Mund-Rachenraum, kommt es auch nicht zu Mundgeruch.“ Besteht dieses Gleichgewicht nicht – dann schon.

Mögliche weitere Ursachen von Mundgeruch

Eine wichtige Ursache für Mundgeruch ist allerdings nicht im Mund zu lokalisieren, sondern ein Thema des gesamten Organismus: Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann sich die Anzahl der geruchsbildenden Bakterien im Mund erhöhen. Weitere Ursachen können sein:

  • Stress
  • Fasten
  • einseitige Ernährung
  • Schnarchen
  • zu wenig Flüssigkeitsaufnahme
  • bestimmte Medikamente
  • Entzündungen
  • Erkältungen

Auch die Speichelsekretion spielt eine wichtige Rolle für eine gesunde Mundflora und sorgt dafür, dass Essensreste aus dem Mundraum gespült werden. Fließt zu wenig, vermehren sich die Bakterien leichter. „Das ist ein Grund, warum die meisten Menschen morgens einen schlechten Atem haben: Nachts wird weniger Speichel produziert, der Mund trocknet aus“, heißt es bei der AOK.

Lokales Thema, daher leicht in den Griff zu bekommen

Auch wenn Abstandhalten und Maskentragen jetzt viele bei der Zahnpflege bequemer werden lassen: Auch in Zeiten der Corona-Pandemie kann Mundgeruch im sozialen Miteinander sehr unangenehm sein: für den, der ihn nicht wegbekommt – und auch für den, der ihn abbekommt. Schließlich ist es ja nicht einfach, andere direkt darauf anzusprechen. „Weil Mundgeruch meist im Mund selbst entsteht, ist das Problem in den meisten Fällen auch leicht in den Griff zu bekommen“, sagen die Mundgesundheitsexperten der AOK: durch sorgfältige und regelmäßige Mund- und Zahnhygiene.

Am besten gegen Mundgeruch: Zähne putzen, Zunge säubern

Zahnpflege gegen Mundgeruch schließt folgende Aktivitäten ein: Mindestens zweimal am Tag die Zähne für mindestens zwei Minuten putzen. Einmal täglich – am besten vor dem Schlafengehen – auch Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen reinigen. Und: die Zunge reinigen, weil dort besonders viele Bakterien leben. Für die Reinigung der Zunge eignen sich spezielle Zungenschaber und Zungenbürsten. Sie werden ganz hinten auf dem Zungenrücken angesetzt und nach vorn gezogen.

Weitere Tipps gegen schlechten Atem:

  • Ausreichend Wasser trinken: Es ist geschmacksneutral und spült einen Teil der übelriechenden Schwefelverbindungen weg.
  • Zuckerfreie Kaugummis kauen: Sie entfernen einen Teil des weichen Zahnbelags und regen den Speichelfluss an.
  • Alkohol meiden.
  • Rauchen aufgeben.

(Quelle: AOK)

Kurzfristige Hilfen: Pfefferminzbonbons, Mundspüllösungen

Eine kurzfristige Hilfe gegen schlechten Atem sind Pfefferminz- und Ingwerbonbons oder Atemsprays. Sie überdecken den Geruch, entfernen aber nicht die Ursache. Mundspüllösungen können das Bakterienwachstum  hemmen, Ablagerungen vermindern und damit den Mundgeruch beseitigen. Sie sollten jedoch nicht dauerhaft angewendet werden, da sie nicht zwischen guten und bösen Bakterien unterscheiden können –  und deshalb auch solche Mikroorganismen zerstören, die zu einer normalen, ausgewogenen Mundflora gehören.

Foto: AdobeStock/maho

Hauptkategorie: Medizin
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