Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Was tun bei Mittelohrentzündung?

Samstag, 5. Oktober 2019 – Autor:
Die akute Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Sie gilt als besonders leidvoll für die Kleinen, deshalb ist eine schnelle Schmerzlinderung wichtig und das Wissen um Risikofaktoren: Passivrauchen zum Beispiel gehört dazu.
Säugling beim Kinderarzt - Ohr wird untersucht

Meist nicht gefährlich, aber sehr schmerzhaft: Drei von zehn Kleinkindern unter drei werden im Jahr wegen Verdachts auf Mittelohrentzündung ärztlich behandelt.

Wenn kleine Kinder Fieber haben, vor Schmerzen wimmern und sich immer wieder ans Ohr fassen, appetitlos sind und nicht mehr trinken wollen: Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie an einer Mittelohrentzündung leiden. Die akute Mittelohrentzündung gehört zu den typischen Krankheiten bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr. Von den Kindern unter drei Jahren wird jährlich sogar fast ein Drittel wegen einer Mittelohrentzündung ärztlich untersucht, zeigen Auswertungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ursache für das häufige Auftreten der Erkrankung: Die Ohrtrompete ist in diesem Alter noch sehr kurz. Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum können sehr viel leichter ins Mittelohr vordringen als bei Erwachsenen.

Akute Mittelohrentzündung: Eine Ursache kann Passivrauchen sein

Neben der kurzen Ohrtrompete können weitere Faktoren das Risiko für eine Mittelohrentzündung erhöhen. Eltern können diese zwar nicht alle aus der Welt schaffen – einige sind unvermeidlich. Aber sie zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung, um die Erkrankung bei Kindern festzustellen und schnell und richtig behandeln zu lassen. Folgende Faktoren können das Auftreten einer akuten Mittelohrentzündung auslösen oder begünstigen:

  • Grunderkrankungen wie ein geschwächtes Immunsystem, Gaumenspalte, Funktionsstörungen der Ohrtrompete
  • Allergie oder Neurodermitis
  • Mittelohrentzündung in den ersten sechs Lebensmonaten (Infekte im Mittelohr wiederholen sich gerne)
  • Passivrauchen
  • wenn Säuglinge von Anfang an Flaschennahrung bekommen und nicht gestillt werden
  • enger Kontakt zu anderen Kindern
  • vergrößerte Rachenmandeln

(Quelle: TK, AOK-Medienservice)

 

Ohrenschmerzen oder Ausfluss: Sofort mit dem Kind zum Arzt

Die gute Nachricht ist: "Die meisten akuten Mittelohrentzündungen heilen in der Regel folgenlos nach nur wenigen Tagen von selbst ab ", sagt Klaus Domdey, HNO-Arzt im Ärztezentrum der Techniker Krankenkasse (TK). Trotzdem lautet die wichtigste Grundregel: Zum Haus- oder Kinderarzt gehen, wenn der Verdacht auf eine akute Mittelohrentzündung besteht, um Folgeschäden zu vermeiden. „Erkrankt Ihr Kind mehrfach an einer Mittelohrentzündung und wird diese nicht fachgerecht behandelt, kann das Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt werden, was sich zusätzlich negativ auf die sprachliche Entwicklung auswirken kann“, sagt HNO-Arzt Domdey weiter.

Was Arzt und Eltern tun können

Das Ziel der Therapie liegt darin, die Schmerzen zu stillen, das Fieber zu senken und die Entzündung abklingen zu lassen. Für Eltern ist es hilfreich zu wissen, welche Maßnahmen der Arzt ergreift und wie sie diese unterstützen können – etwa, indem sie die in der Praxis verschriebenen Arzneimittel ihrem Kind zu Hause konsequent verabreichen:

  • Schmerzstillende Mittel (Tabletten, Tropfen, Zäpfchen)
  • Nasentropfen für ein Abschwellen der Entzündung
  • Hausmittel: Traubenkernkissen, Säckchen mit abgekochten Zwiebeln, Wadenwickel gegen das Fieber
  • Antibiotika gelten bei Kindern meist als nicht nötig

Staut sich die Schleimhautflüssigkeit im Ohr und sind die Schmerzen medikamentös nicht in den Griff zu bekommen, kann ein Arzt auch einen Trommelfellschnitt vornehmen. „Das klingt dramatischer, als es ist“, heißt es bei der TK. Der Arzt ritzt das Trommelfell dann leicht ein, damit die Schleimhautflüssigkeit abfließen und ein Druckausgleich stattfinden kann.

In jedem Alter möglich: die chronische Mittelohrentzündung

Von der akuten Mittelohrentzündung bei Kleinkindern ist die chronische Mittelohrentzündung zu unterscheiden, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Weil sie sich in der Regel nicht durch Schmerzen bemerkbar macht, ist Wachsamkeit geboten. „Unbehandelt kann sie zu Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel bis hin zu Hirnhautentzündung führen“, sagt HNO-Arzt Domdey von der TK. Typische Symptome können sein: Hörprobleme (insbesondere nur auf einem Ohr) oder der Ausfluss von Flüssigkeit aus dem Ohr. Treten diese Beschwerden auf, sofort einen Arzt aufsuchen.

Foto: AOK-Mediendienst

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen , Kinder , Schmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Mittelohrentzündung

05.02.2016

Mittelohrentzündungen (otitis media) sind bei Kindern bis zum Schulalter nicht selten. Bis zum Alter von drei Jahren erkranken zwei Drittel aller Kinder mindestens einmal daran. Doch wann ist die Verschreibung von Antibiotika nötig?

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die der Patienten mit Aids im fortgeschrittenen Stadium nimmt aber offenbar zu, weil viele nicht zum HIV-Test gehen. Experten warnen deshalb: „Aids ist noch nicht vorbei.“


Normalerweise beginnt die Grippesaison nach dem Jahreswechsel. Weil das Immunsystem bei vielen dank der Hygienemaßnahmen aus der Corona-Pandemie auch bei Grippe aus der Übung ist, erwarten Experten die Winter-Welle diesmal früher, schneller und heftiger.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin