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25.02.2019

Was tun bei Internetsucht?

Je nach Definition werden zwischen 1,6 und 8,2 Prozent der Internetnutzer als "abhängig" eingestuft. Um den Symptomen einer Internetsucht entgegenzuwirken, haben Wissenschaftlerinnen der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ein spezielles Programm entwickelt.
Internetsucht

Ein neues Programm soll Menschen mit Internetsucht helfen, die Kontrolle über ihr Onlineverhalten wiederzuerlangen

Ab wann wirklich von einer „Internetsucht“ gesprochen werden kann, ist nach wie vor umstritten. Klar ist jedoch, dass das Verhalten vieler Menschen, insbesondere von Jugendlichen, in Bezug auf Internet, Social Media und Computerspiele pathologische Züge annehmen kann. Bedenklich wird es spätestens dann, wenn andere soziale Aktivitäten und / oder die Leistungen in der Schule darunter leiden. Einige Forscher vergleichen die Folgen der Internetsucht sogar mit denen einer Drogensucht. Nun haben Wissenschaftlerinnen ein Programm entwickelt, das die Symptome einer Internet- und Computerspielabhängigkeit bei Jugendlichen erstmals signifikant reduziert. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler den funktionalen Umgang mit Alltagsproblemen und werden befähigt, technische Medien kritisch zu beurteilen.

Kontrolle über eigenes Nutzungsverhalten wiedererlangen

Das Programm „Professioneller Umgang mit technischen Medien“ (kurz: PROTECT) wird von der Dietmar Hopp Stiftung gefördert und von zahlreichen Einrichtungen und Organisationen der Metropolregion Rhein-Neckar unterstützt. Entwickelt wurde es von einem Forscherteam um Junior-Professorin Dr. Katajun Lindenberg von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

„Unser Ziel ist es nicht, den Internetgebrauch an sich zu verändern; das würde völlig an der Lebensrealität der Jugendlichen vorbeigehen“, so erklärt Lindenberg. „Uns geht es vielmehr darum, den schädlichen, exzessiven Umgang mit Online-Angeboten zu verhindern. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er trotz negativer Konsequenzen fortgeführt wird, dass er mit einer verminderten Kontrolle über das Spielen einhergeht und dass die Internetaktivität Vorrang vor allen anderen Interessen und alltäglichen Tätigkeiten hat“, so die Studienleiterin.

 

Programm kann Symptome der Internetsucht reduzieren

Das Programm richtet sich primär an Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse. Jugendliche, die ein erhöhtes Risiko für eine Internet- oder Computerspielsucht zeigen, erhalten dabei ein psychologisch-verhaltenstherapeutisches Training, das in vier Doppelstunden von geschulten Psychologen durchgeführt wird. „Unser Programm wurde anhand aktueller Forschungsbefunde zur Internetsucht entwickelt und beinhaltet evidenzbasierte, verhaltenstherapeutische Techniken, die sich in der Prävention von psychischen Auffälligkeiten wie Ängsten, Depressionen, Suchterkrankungen oder Essstörungen als wirksam erwiesen haben“, erläutert Lindenberg.

Wie sich zeigte, kann durch das PROTECT-Training eine signifikante Reduktion der Kernsymptomatik, wie beispielsweise der mangelnden Kontrolle über die Dauer des Konsums, erzielt werden. Den Studienergebnisse zufolge ist diese Reduktion nachhaltig. Darüber hinaus trägt das Programm auch zu einer leichten Verbesserung depressiver Symptome bei, die häufig mit einer Internet- oder Computerspielsucht einhergehen. PROTECT ist international das erste Programm zur indizierten Prävention von Internet- und Computerspielabhängigkeit mit diesem Effekt.

Weiterentwicklungen geplant

Das Wissenschaftlerteam plant, das Präventionsangebot weiter auszubauen und Betroffenen einen schnelleren Zugang zu Unterstützungsmaßnahmen zu ermöglichen. Schon jetzt haben die Forscherinnen das Programm weiterentwickelt: So wird in Kooperation mit regionalen Beratungsstellen und dem Zentrum für psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg ein Gruppentraining für Betroffene außerhalb der Schule angeboten. Das Programm wurde ferner an die Bedürfnisse von Kindern der Klassne 3 bis 5 angepasst und steht diesen seitdem ebenfalls zur Verfügung. Weitere Entwicklungen sind in Planung.

Foto: © lassedesignen - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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