. Klimawandel

Was tun bei Hitzeerschöpfung, Hitzschlag, Sonnenstich?

Der Sommer 2018 war der zweitheißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Meterologen prognostizieren weitere Hitzeperioden. Damit steigt das Risiko für Sonnenstich, Hitzschlag und Hitzeerschöpfung. Experten sagen, was zu tun ist.
Hitzschlag, Sonnenstich, Hitzerschöpfung, Hitzewelle

Hitzebedingte Beschwerden könnten künftig zunehmen

Der Sommer 2018 war der zweitheißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1881. Meteorologen prognostizieren weitere Hitzeperioden. Damit steigt das Risiko im Sommer einen Sonnenstich, einen Hitzschlag oder eine Hitzeerschöpfung zu erleiden.

In der Fachzeitschrift Notfallmedizin up2date fassen eine Notfallsanitäterin und ein Notarzt Ursachen, Anzeichen und Gegenmaßnahmen zu verschiedenen Hitzenotfällen zusammen und sagen, was zu tun ist.

Schweiß kann nicht mehr ungehindert verdunsten

Betragen die Temperaturen im Schatten mehrere Tage um die 29 Grad Celsius oder klettern auf 35 Grad Celsius, ohne dass es nachts spürbar abkühlt, bewerten Mediziner die Belastung als stark bis extrem. Der Körper passt sich entsprechend an: die Produktion von Schweiß wird hochgefahren, während die Salzkonzentration darin sinkt. Die Folge: der Schweiß verdunstet schneller und kühlt den Körper, ohne dass er zu viel Salze verliert. Die Blutzusammensetzung verändert sich, das Durstgefühl steigt.

Tropische Schwüle belastet den Körper dabei mehr als trockene Hitze. Denn wenn bei hohen Temperaturen gleichzeitig eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kann der Schweiß nicht mehr ungehindert auf der Haut verdunsten. Der Körper gibt weniger Wärme ab, als es die Umgebungstemperatur verlangt; die Gefahr für eine Hitzeerschöpfung oder einen Hitzschlag steigt. 

 

Hitzeerschöpfung: Schwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit

"Bei einer Hitzeerschöpfung schwitzen die Betroffenen meist übermäßig viel, und gleichen ihren Flüssigkeitsverlust nicht genügend aus. Dadurch kommt es zu einem erheblichen Verlust von Wasser und Elektrolyten", erklären Notfallsanitäterin Daniela Naß und Notarzt Dr. Edgar Bauderer. Insgesamt nimmt das Blutvolumen im Kreislauf ab und die Durchblutung des Gehirns ist vermindert. Gleichzeitig versucht der Körper, seine Temperatur zu regulieren, die Gefäße weiten sich, dadurch fällt der Blutdruck ab.

Je nach Ausprägung zeigen sich Symptome wie weiße, kaltschweißige Haut, ein Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindel und Übelkeit. Auch Herzrasen und Atemnot können auftreten. "Bei Anzeichen für eine Hitzeerschöpfung ist es wichtig, eine kühlere Umgebung aufzusuchen, sich hinzulegen und nach Möglichkeit die Beine hochzulegen. Wichtig ist auch, etwas zu trinken - eine Apfelsaftschorle oder, falls verfügbar, ein Elektrolytdrink. Ein nicht zu kalter Waschlappen auf der Stirn kühlt und verschafft Linderung", so die Experten. 

Kommt es gar zur Bewusstlosigkeit, sollten Betroffene in stabile Seitenlage gebracht und der Rettungsdienst gerufen werden. "Die Kollegen werden den Patienten dann über eine Brille oder Maske mit Sauerstoff versorgen und eine Infusion anlegen", erklären Naß und Bauderer.

Hitzschlag kann lebensbedrohlich sein

Bei einem Hitzschlag sind die sonst ablaufenden Regulationsmechanismen des Körpers außer Kraft gesetzt und die Körpertemperatur der Betroffenen steigt auf über 40 Grad Celsius an. Eine verminderte Durchblutung der Nieren führt dazu, dass die Harnstoffkonzentration im Blut ansteigt. Weiter löst der Flüssigkeitsverlust eine Eindickung des Blutes aus, die wiederum zu einem höheren Sauerstoffverbrauch und einer höheren CO2-Produktion führen. Je nachdem, wie lange die Hitzebelastung für den Köper andauert, kann es zu Zellschädigungen kommen. Das kann letztlich eine systemische Entzündungsreaktion zur Folge haben, die ein Multiorganversagen auslösen kann. Ein Hitzschlag kann somit lebensbedrohlich sein.

Mediziner unterscheiden zwischen dem klassischen Hitzschlag, der durch eine passive Erwärmung des Körpers von außen bedingt ist, und dem Überanstrengungshitzschlag, bei dem körperliche Anstrengung die Wärmeproduktion in die Höhe treibt. In beiden Fällen ist die Körpertemperatur der Patienten massiv erhöht, ihre Haut ist trocken und gerötet. Sie klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit, sind teils erregt, teils apathisch. Auch Krämpfe und Verwirrtheit sind Symptome, die häufig auftreten. 

"Bei der Behandlung eines Hitzschlags ist das erste Ziel, die Körpertemperatur auf 38,5 Grad Celsius zu senken", berichten die Autoren. Das gelingt in der Praxis am besten mit kalten Infusionen, Eisauflagen und kalten Tüchern. Fiebersenkende Medikamente helfen kaum. 

Sonnenstich durch Überreizung der Hirnhäute

Ein Sonnenstich entsteht durch eine (Über-)Reizung der Hirnhäute durch intensive Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf. Ein heißer und hochroter Kopf ist deshalb typisch. Außerdem klagen die Patienten über Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Schwindel, Übelkeit und Ohrensausen. Die Symptome treten oft zeitlich verzögert auf, also erst abends oder in der Nacht. Eine kühle Umgebung, eine Ruheposition mit leicht erhöhtem Oberkörper und die Kühlung des Kopfes sind hier die ersten zu ergreifenden Maßnahmen.

Was tun bei Hitzeerschöpfung, Hitzschlag, Sonnenstich?

Im Prinzip kann jeder einen Hitzschlag, eine Hitzeerschöpfung oder einen Sonnenstich erleiden. Allerdings sind Senioren, Kinder und Pflegebedürftige besonders gefährdet. Menschen, die Drogen und Alkohol konsumieren oder Medikamente nehmen, sind in ihrer Hitzeadaption beeinträchtigt und haben dadurch ein höheres Risiko. Auch wer bei hohen Temperaturen draußen arbeitet und Sport treibt, sollte vorsichtig sein.

Foto: Adobe Stock/Robert Kneschke

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Klimawandel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hitzewelle

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bluthochdruck ist ein gesundheitliches Risiko. Doch muss bei älteren Menschen, der Blutdruck tatsächlich unter 140/90 mmHg gesenkt werden? Eine Studie der Charité zeigt: Die leitliniengerechte Behandlung schadet über 80-jährigen sogar mehr als sie nützt.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.