Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Was passiert beim Herzinfarkt im Körper?

Sonntag, 7. November 2021 – Autor:
„Ein Herzinfarkt: Das ist so was wie eine kleine Explosion in der Herzkranz-Arterie“, sagt Heribert Schunkert von der Deutschen Herzstiftung – und damit einer der häufigsten und lebensbedrohlichsten Notfälle überhaupt. Bei verdächtigen Schmerzen in der Brust deshalb sofort zum Telefon greifen und den Rettungsdienst rufen. Denn hier geht es um Minuten.
Herzinfarkt - grafische Darstellung mit rot leuchtendem Herz und blauer EKG-Kurve.

Stechender Schmerz mit Vernichtungsgefühl: Das ist ein typisches Zeichen für einen Herzinfarkt. Im Zweifelsfall immer sofort 112 wählen und den Notarzt rufen. – Foto: AdobeStock/peterschreiber.media

Unter „Verkehrsinfarkt“ kann sich jeder etwas vorstellen. Zu viele Autos bilden eine Art Pfropfen und verstopfen eine mehr oder weniger große Verkehrsader. Beim Herzinfarkt, von dem dieses Bild entlehnt ist, passiert dasselbe – nur eben im Körper. Arterien der Herzkranzgefäße werden hier zum Beispiel durch ein Blutgerinnsel verstopft. Weil das arterielle, also das sauerstoffreiche, Blut nicht mehr strömt und die Zellen nicht mehr versorgt werden können, sterben dahinterliegende Partien des Herzmuskelgewebes ab.

Herzinfarkt: Blutversorgung im gesamten Körper fällt ab

 „Das ist sowas wie eine kleine Explosion in der Herzkranz-Arterie“, sagt Heribert Schunkert von der Deutschen Herzstiftung. „Die geht von Ablagerungen in der Gefäßwand aus, die plötzlich aufbrechen und zu einer Gerinnsel-Bildung führen. Das Gerinnsel verstopft die Arterie und schneidet den Herzmuskel von der Blutversorgung ab.“ Dies führe zu einem plötzlichen Leistungsausfall in der betroffenen Region des Herzens und in der Konsequenz zu einem Abfall in der Blutversorgung des gesamten Körpers.

 

Drei mögliche Ursachen für den Verschluss von Herzkranzgefäßen:

  1. Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“): krankhafte Einlagerung von Cholesterinverbindungen und anderen Fetten in die innere Wandschicht arterieller Blutgefäße.
  2. Thrombose: lokale Heranbildung eines Blutgerinnsels („Thrombus“) in einem Blutgefäß.
  3. Seltener: Embolie: teilweiser oder kompletter plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes, zum Beispiel durch ein – ursprünglich an anderer Stelle entstandenes, eingeschwemmtes – Blutgerinnsel.

Herzinfarkt: Typische Symptome

„Der Herzinfarkt hat viele Gesichter“, sagt Kardiologe Schunkert, „weil er so plötzlich und unvermittelt kommt und weil jeder Mensch so anders darauf reagiert.“

  • Ein klassisches und sehr klares Symptom für einen Herzinfarkt ist ein heftiger, stechender Schmerz unter dem Brustbein und leicht links davon. Die Schmerzen können aber auch subtiler ausfallen.
  • Schmerz strahlt über die linke Schulter und den linken Arm bis in den kleinen Finger aus.
  • Engegefühl in der Brustbein-/Herzgegend
  • Todesangst, Vernichtungsgefühl, Unruhe
  • fahle, blaue, kühle Haut
  • kalter Schweiß
  • häufig: Übelkeit und Erbrechen
  • häufig: unregelmäßiger Puls

Verdacht auf Herzinfarkt? Sofort 112 wählen

Ein Verdacht auf Herzinfarkt heißt immer: Sofort die 112 wählen und „Verdacht auf Herzinfarkt“ angeben. Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. „Wir können im Krankenhaus in fast allen Fällen die betroffene Ader im Herzen wieder öffnen, so dass das Blut wieder fließen kann“, sagt Kardiologe Schunkert. Durch eine schnelle medizinische Intervention könne man Schäden am Herzmuskelgewebe und damit das Risiko von Langzeitfolgen wie einer Herzschwäche minimieren.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Während man auf den Rettungswagen wartet, kann man für sich selbst beziehungsweise den Betroffenen Folgendes tun:

  • Lagerung mit mäßig erhöhtem Oberkörper
  • jede Anstrengung vermeiden
  • einfach für den anderen da sein: beruhigender Zuspruch, Hand halten
  • eine Tablette Aspirin zur Blutverdünnung geben beziehungsweise einnehmen
  • Sind mehrere Personen anwesend, bleibt einer beim Patienten. Der andere geht vors Haus und weist dem Rettungsdienst den Weg.
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Erste Hilfe , Herzinfarkt , Herz-Kreislauf-System
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Herzgesundheit“

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, dass auch Mitteleuropa verwundbar ist. Wie real ist die Gefahr durch militärisch oder terroristisch missbrauchte Krankheitserreger? Und wer könnte sie einsetzen? Der Chef-Virologe der Bundeswehr zeichnet im Interview mit uns ein Lagebild.


 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin