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Was nutzen Biomarkertests bei frühem Brustkrebs?

Was bringen Biomarkertests bei frühem Brustkrebs? Diese Frage will nun eine Broschüre zur Entscheidungshilfe beantworten, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) erarbeitet hat.
Nutzen von Biomarkertests bei frühem Brustkrebs unklar

IQWIG: Nutzen von Biomarkertests bei frühem Brustkrebs unklar

Das pharmaunabhängige Forschungsinstitut IQWIG bewertet im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) Nutzen und Qualität von neuen Therapien, Behandlungsmöglichkeiten oder Diagnoseverfahren. Vor einem Jahr hat es den Nutzen von Biomarkertests bei frühem Brustkrebs bewertet. Diese Gentests sollen Auskunft über das Rückfallrisiko nach einer Brustkrebs-Operation geben und damit die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie erleichtern. Die Biomarkertests kosten teilweise rund 1000 Euro und werden derzeit in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt. In manchen Fällen erstatten Krankenkassen ihren Versicherten aber die Kosten.

IQWIG: Mehrwert von Biomarkertests bei frühem Brustkrebs nicht nachgewiesen

Das IQWIG hat 2016 untersucht, ob Testverfahren wie MammaPrint, Oncotype DX, Prosigna oder Femtelle sicherer oder genauer Auskunft über das Rückfallrisiko geben können als die herkömmlichen klinischen Tests. Es fand damals jedoch keinen Nachweis für die Überlegenheit der Biomarkertests. Dieses Ergebnis fasst das Institut nun in dem Broschürenentwurf zusammen: „Es ist nicht nachgewiesen, dass einer der Biomarker-Tests das Rückfallrisiko zuverlässiger vorhersagen kann, als dies anhand klinischer Kriterien möglich ist. Verschiedene Biomarker-Tests können auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Die Biomarker-Tests MammaPrint, Oncotype DX, Prosigna und Femtelle werden zurzeit aber noch im Rahmen von Studien untersucht.“ Neue Studienergebnisse aus dem Jahr 2017 ändern aus Sicht des IQWIG nichts an dieser Bewertung.

 

IQWIG: Individuelle Faktoren bei Entscheidung über Chemotherapie berücksichtigen

Die Entscheidungshilfebroschüre des IQWIG erklärt, wie das Rückfallrisiko auf herkömmlichem klinischen Weg bestimmt wird, warum die Bestimmung des Rückfallrisikos für eine Entscheidung über eine Chemotherapie wichtig ist und welche Kriterien dabei angewandt werden. Sie beschreibt außerdem, welche Biomarkertests bei frühem Brustkrebs für welche Patientinnen in Frage kommen und wie sie im einzelnen funktionieren. „Biomarker-Tests funktionieren ähnlich wie die klinischen Kriterien. Allerdings berücksichtigen die Hersteller in der Regel nur Fernrezidive, wenn sie das Rückfallrisiko ermitteln“, heißt es in dem Broschüren-Entwurf. Die IQWIG-Broschüre zeigt auch, dass die einzelnen Biomarkertests unterschiedliche Kriterien zur Bestimmung des Rückfallrisikos anwenden.

Das IQWIG stellt in dem Broschürenentwurf aber auch fest: „Welches Rückfallrisiko einer Frau so niedrig erscheint, dass sie auf eine Chemotherapie verzichtet, ist individuell. Es kommt darauf an, wie sie die Vor- und Nachteile einer Chemotherapie für sich bewertet.“ Außerdem würden neben dem Rückfallrisiko auch weitere individuelle Faktoren die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie beeinflussen. Deshalb rät das Institut, diese Entscheidung mit dem Arzt zu besprechen.

Die Broschüre ist noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben. Über die Veröffentlichung muss der Gemeinsame Bundesausschuss entscheiden. Dabei kann es noch zu inhaltlichen Änderungen kommen.

Foto: Dragon-Images – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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