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24.07.2015

Was Migräne und Schlaganfall gemeinsam haben

Migräne kennzeichnet sich durch heftige, meist einseitige pulsierende Kopfschmerzen, häufig begleitet von weiteren neurologischen Symptomen. Dabei gehen starke Erregungswellen durch die Nervenzellen – ähnlich wie bei einem Schlaganfall.
Erregungswelle bei Migräne

Bei einer Migräne herrscht ein "Gewitter" im Gehirn

Bei einem Migräneanfall steigt der Blutfluss im Gehirn um das Dreifache an. Erklärt wird dies mit einem Erregungssturm von Nervenzellen. Wie eine Welle wandert die gleichzeitige Erregung vieler Neurone über weite Teile der Hirnrinde. Streift die Welle das Sehzentrum der Betroffenen, führt dies zu Wahrnehmungsstörungen. Klinische Studien der letzten Jahre haben ergeben, dass derartige Erregungswellen auch bei einem Schlaganfall auftreten. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nun den aktuellen Stand der Forschung zusammengetragen.

Elektrochemische Wellen wandern durch das Gehirn

Insgesamt wurden die Wellen bereits bei mehreren hundert Patienten nachgewiesen. So treten sie immer bei malignen Hirninfarkten, bei 70 bis 80 Prozent der Patienten mit einer sogenannten aneurysmatischer Subarachnoidalblutung, einer Blutung aus den großen arteriellen Gefäßen der Hirnbasis, sowie bei etwa 60 Prozent der Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma auf. Bemerkenswert ist dabei, dass die Erregungswelle bei einer Migräne in der Regel keinen Zellschaden hinterlässt, wohingegen sie in Gewebe mit bereits gestörtem Stoffwechsel, wie bei einem Schlaganfall, einen wandernden Zelluntergang auslösen kann.

Professor Jens Dreier, Leiter der Arbeitsgruppe „Translation in Stroke Research“ am Centrum für Schlaganfallforschung der Charité und Mitglied im Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin, erklärt: „Bereits vor mehr als 70 Jahren postulierte der brasilianische Neurobiologe Aristides Leão, dass der Migräneaura eine Riesenwelle im Gehirn zugrunde liegt, die mehr als fünfmal größer als die Nervenzellentladung während eines epileptischen Anfalls ist.“

„Mittlerweile wurde die Riesenwelle bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen des Gehirns identifiziert“, so Dreier weiter. „Im Unterschied zu Migränepatienten kann sie bei anderen Erkrankungen ein Signal an die Hirngefäße senden, sich extrem zu verengen. Dann steigt der Blutfluss nicht an, sondern versiegt. Auf diese Weise provoziert die Riesenwelle den massenhaften Untergang von Hirngewebe.“

 

Migräne ist genetisch bedingt

Migräne wird fast immer durch genetische Faktoren bedingt. Im Vergleich zum Gehirn eines gesunden Menschen reagiert das eines Migränepatienten viel intensiver auf äußere Reize und kann diese nicht ausreichend filtern. Es steht sozusagen ständig unter Hochspannung – kommen dann noch bestimmte Triggerfaktoren hinzu, wird ein Migräneanfall ausgelöst. Wie durch den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, wird eine Reihe von physiologischen Veränderungen in Gang gesetzt, die schließlich zur Migräne führen.

Unbehandelt hält ein Migräneanfall zwischen vier und 72 Stunden an. Medikamente können, rechtzeitig eingenommen, meistens gegensteuern. Dabei können freiverkäufliche Schmerzmittel, Medikamente gegen Übelkeit und vor allem spezielle Migränemittel, die Triptane, zum Einsatz kommen. Werden die Tabletten allerdings zu spät eingesetzt, wirken sie oft sehr viel schlechter oder gar nicht mehr.

Foto: © psdesign1 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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