Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
19.12.2019

Was im Alter mit dem Herzen passiert

Das Herz ist gut organisiert, um seine außerordentliche Pumpfunktion aufrechtzuerhalten. Doch im Alter scheint der hohe Organisationsgrad verlorenzugehen. Wissenschaftler haben das jetzt an alten und jungen Herzzellen von Mäusen zeigen können.
Grundlagenforschung gibt neue Einblicke in alternde Herzen

Grundlagenforschung gibt neue Einblicke in alternde Herzen

Ein altes Herz ist in der Regel nicht mehr so leistungsfähig wie ein junges. Warum das so ist, das haben sich Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) nun im Detail angeschaut. Insgesamt wurden rund 28.000 Herzzellen von jungen und alten Mäusen mittels Einzelzelltranskriptionsanalyse untersucht. Diese Untersuchungsmethode ermöglicht es, für jede Zelle gesondert zu analysieren, welche Gene in ihr abgelesen werden. Dadurch entstand ein umfassender Zellatlas der Genaktivität in alten Herzen von Säugetieren.

Bindegewebszellen geraten außer Kontrolle

Zentrales Ergebnis der Studie: Im Alter verliert das Herz seinen hohen Organisationsgrad. Insbesondere Bindegewebszellen, die Fibroblasten, geraten zunehmend außer Kontrolle, die Gene arbeiten hier nicht mehr so synchron. In diesen Bindegewebszellen fanden die Forscher die größten Unterschiede zwischen Jung und Alt: Während in den Fibroblasten aus Herzen von jungen Mäusen in jeder Zelle jeweils Gene ähnlich aktiv waren, war diese Einheitlichkeit bei älteren Mäusen nicht mehr gegeben. „Betrachtet man wenige Zellen ist das Muster noch halbwegs in Ordnung“, berichtet Dr. Sascha Sauer vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. „Doch all die kleinen Abweichungen führen insgesamt dazu, dass die alten Zellen sich mehr und mehr unterscheiden und somit nicht mehr so gut zusammenarbeiten. Dadurch gerät das hochkomplexe System Herz etwas durcheinander.“

 

Gefäßverkalkung durch alternde Fibroblasten

Außerdem fanden die Forscher in der äußersten Schicht des Herzens, dem Epikard, eine Gruppe von Bindegewebszellen, in denen Gene aktiv waren, die zur Verkalkung führen. „Es ist zwar bekannt, dass im Alter die Gefäße zunehmend verkalken, aber dass im gesunden Herzen ein bestimmter Subtyp von alternden Fibroblasten dazu beiträgt, ist neu“, so Sauer.

Ein weiterer Fund: Die Fibroblasten alter Herzen senden sogenannte Serpine (bestimmte Eiweiße) an Endothelzellen aus, also jene Zellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden. Dadurch finden Endothelzellen schlechter zusammen, was die Blutgefäßauskleidung beeinträchtigen kann. „Wir vermuten, dass das Zusammenspiel von Fibroblasten und Endothelzellen tatsächlich noch viel komplexer ist. Denn auch weitere für die Zellkommunikation zuständige Gene sind in alten Fibroblasten anders reguliert als in jungen“, betont Sauer.

Je spezialisierter, desto anfälliger im Alter

Das Alter brachte offenbar auch jene Gene durcheinander, die für die Kontraktion des Herzmuskels wichtig sind. Dagegen fanden sich keine Unterschiede bei Genen, die Stoffwechselwege codieren und in allen Zellen identisch sind. Diese Gene waren bei Jung und Alt gleichermaßen aktiv. „Wenn man sich grob vorstellt, wie sich ein Organismus entwickelt, dann treten hoch spezialisierte Zellen eher später auf. Und was spät kommt, verliert man anscheinend wieder früh“, sagt Sauer. Mit anderen Worten: Gerade die spät ausgeprägten Spezialisierungen sind sehr anfällig im Alter.

Die Studie wurde soeben im November im Fachjournal JCI Insight publiziert.

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Demografie , Herz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alterungsprozess

28.06.2012

Sobald wir geboren werden, beginnt der Prozess des Alterns. Eine Reihe komplexer Mechanismen sind für das Altern verantwortlich und nur bedingt beeinflussbar. Gesünder leben zahlt sich jedoch in jedem Alter aus.

13.04.2018

Dass Sport die Herzgesundheit verbessern kann, ist lange bekannt. Nun mehren sich auch die Hinweise, dass regelmäßige Bewegung den Alterungsprozess verlangsamen kann. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover haben dies genauer untersucht.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin