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Was die Risikogruppe „Senioren“ über die Corona-App denkt

Die Corona-Warn-App wurde schon über 14 Millionen Mal heruntergeladen. Die Hauptrisikogruppe hat damit jedoch Probleme: Wenn Senioren überhaupt ein Smartphone haben, dann ist es oft zu alt für die neue Technologie. Eine Umfrage der Seniorenliga zeigt nun, warum viele ältere Nutzer die App nicht installieren.
Die Corona-Warn-App wird auch von Senioren genutzt. Doch viele haben nicht das passende Handy

Die Corona-Warn-App wird auch von Senioren genutzt. Doch viele haben nicht das passende Handy

Seit zwei Wochen steht die Corona-Warn-App der Bundesregierung zum kostenlosen Download bereit. Rund 14 Millionen Nutzer haben davon bereits Gebrauch gemacht. Damit hat bislang ungefähr jeder achte Deutsche die App installiert. Das entspricht 17 Prozent der Bevölkerung. Experten zufolge fängt eine Tracing-Anwendung dann an zu wirken, wenn mindestens 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Diese Schwelle wäre schon einmal erreicht. Grundsätzlich gilt aber: Je mehr Menschen mitmachen, desto größer der Erfolg. In Deutschland ist also noch reichlich Luft nach oben.

App läuft nur auf den neueren Smartphones

Umso ärgerlicher, dass viele die App aus technischen Gründen nicht installieren können. Die Corona-Warn-App läuft nämlich nur auf neueren Geräten, die nach dem Herbst 2015 auf den Markt kamen. Ausgerechnet die Hauptrisikogruppe Senioren besitzt, wenn überhaupt, oft aber ältere Geräte. Eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga unter der Generation 50 + zeigt, dass 26 Prozent die App nicht nutzen können, weil sie kein passendes Handy haben. Dabei wäre mehr als die Hälfte von ihnen bereit, mitzumachen, wenn sie denn könnten.

„Die wichtigste Risikogruppe droht, digital abgeschnitten zu werden“, kritisiert der Vorstand der Seniorenliga Erhard Hackler. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass ein Teil der Bevölkerung, die zur Covid-19-Risikogruppe zähle, ausgeschlossen werde. „Wir haben einen Digitalpakt für Schüler, jetzt brauchen wir einen Digitalpakt für Senioren“, so Hackler.

 

Skeptisch gegenüber dem Nutzen

Abgesehen von technischen Hürden, gibt es auch Senioren, die die App grundsätzlich ablehnen. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: 38 Prozent der bewussten Nicht-Nutzer sind der Ansicht, dass die App die Ausbreitung des Virus nicht reduzieren kann. 25 Prozent der Befragten äußern Bedenken wegen des Datenschutzes. „Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Überzeugung, etwas zu tun, stark vom erwarteten Nutzen abhängt“, resümiert Erhard Hackler. Deswegen sei neben einer Verbesserung der technischen Voraussetzungen auch Überzeugungsarbeit nötig. „Das heißt, den Nutzen zu verdeutlichen, aber auch datenschutzrechtliche Vorbehalte auszuräumen.“

Hohe Zufriedenheit unter den älteren Nutzern

Allerdings sind die Nutzer der App hoch zufrieden: 99 Prozent lobten die unkomplizierte und einfache Installation. Sie bestätigen der Anwendung mit guten bis sehr guten Noten (88,8 Prozent) eine hohe Benutzerfreundlichkeit und empfehlen deshalb die App ihren Bekannten und Angehörigen mehrheitlich weiter (85,3 Prozent).

Insgesamt 478 Personen ab 50 Jahren hat die Deutsche Seniorenliga in der Zeit vom 23. bis 25. Juni 2020 online befragt. Damit ist die Umfrage nicht repräsentativ für die Senioren in Deutschland. Gerade Hochbetagte besitzen in der Regel keinen online-Zugang und konnten somit gar nicht befragt werden.

Foto: © Adobe Stock/Ingo Bartussek

Autor: ham
Hauptkategorie: Demografischer Wandel
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