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Was die Pharmaindustrie zu den Lieferengpässen sagt

Aktuell sind in Deutschland 45 Arzneimittel bzw. Wirkstoffe von Lieferengpässen betroffen. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie führt die Versorgungslücke auf Rabattverträge zurück. Doch das dürfte allenfalls die halbe Wahrheit sein.
Kein Nachschub mehr: Wegen Lieferengpässen bei Arzneimitteln müssen Apotheker immer öfter passen

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Ob Krebsmedikamente oder Narkosemittel: Deutschlands Ärzten gehen wichtige Arzneimittel aus. Zuletzt hatte das Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor Versorgungsenpässen mit Remifentanil gewarnt. Das Schmerzmittel wird bei einer Narkose neben dem Schlafmittel eingesetzt. Wie bei anderen betroffenen Wirkstoffe auch scheint ein vergleichbares Ersatzmittel derzeit  nicht zur Verfügung zu stehen.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) schiebt den Krankenkassen den Schwarzen Peter zu. Auf die Kostensenkung durch Rabattverträge folge jetzt die Katerstimmung, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag. „Wir haben davor gewarnt, dass der Preisdruck eine Marktkonzentration provoziert“, sagte BPI-Geschäftsführer Dr. Norbert Gerbsch. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen seien dadurch aus dem Markt gedrängt worden, andere hätten ihr Produktportfolio reduzieren müssen. „Das Risiko für Lieferengpässe wäre geringer, wenn es grundsätzlich erst Ausschreibungen für Arzneimittel geben darf, wenn mindestens vier Anbieter im Markt sind und zudem die Krankenkassen an mindestens drei Anbieter Zuschläge erteilen müssen, von denen mindestens einer den Standort seiner Produktionsstätte in der EU nachweisen muss.“

Lieferengpässe betreffen auch andere Staaten

Doch liegt das Problem tatsächlich an den Rabattverträgen? Die AOK Baden-Württemberg wirft dem Verband Verschleierung der tatsächlichen Gründe zu. Die meisten der aufgetretenen Lieferausfälle, die kritisch für die Versorgung von Patientinnen und Patienten seien, beträfen viele Staaten weltweit und lägen weit außerhalb des hier wieder bemühten Rabattvertragsregimes, kritisierte Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Die Pharmalobby versucht, selbst aus dem eigenen Versagen der Hersteller noch Kapital für sich zu schlagen. Das ist absurd und dreist zugleich“, so Hermann.

Immer wieder Qualitätsprobleme

Der BPI räumt ein, dass es verschiedene Gründe für Lieferengpässe gebe. Ein Grund sind aus Sicht des Verbands die hohen Sicherheitsstandards: Bei dem kleinsten Verdacht, etwa auf Verunreinigung, werde aus Sicherheitsgründen die Produktion und Auslieferung angehalten. „Hier greifen die vorbildlichen Mechanismen für die Qualitätssicherung. Patientensicherheit geht immer vor!“, erklärte Gerbsch.

Auch im Fall des Narkosemittels Remifentanil soll es sich um Qualitätsprobleme handeln. Laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wird über mögliche Verunreinigungen des Grundstoffs in der herstellenden Fabrik in Indien spekuliert. Andere Stimmen vermuten, die Anbieter der Generika bezögen einen Grundstoff aus Osteuropa, wo es zu Qualitätsproblemen gekommen sei. Doch letztlich sind das alles Spekulationen. Über die wahren Gründe hält sich die Pharmaindustrie bedeckt.

vfa spielt Problem herunter

Statt die Tatsachen offenzulegen, spielt der Verband der forschenden Arzneimittelindustrie das Problem herunter. "Die Versorgung mit Arzneimitteln in Deutschland zur Sicherstellung eines hohen medizinischen Versorgungsstandards ist gegeben“, sagte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa am Freitag. Komme es in Einzelfällen zu Engpässen, stünden meist therapeutische Alternativen bereit.

Diese Beruhigungspille möchte AOK-Chef Dr. Christopher Hermann nicht schlucken. Es sei längst nachgewiesen, „dass Pharmahersteller ihr Lieferversagen häufig verschweigen und eine nicht akzeptable Intransparenz in der gesamten Lieferkette des Marktes besteht.“

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Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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