. Metaanalyse

Was bringt eine Operation bei Hirnblutung im Kleinhirn?

Hirnblutungen lassen meist dauerhafte Behinderungen zurück. Bei Blutungen im Kleinhirn verbessert eine Operation auch nicht die Prognose, sie verlängert aber die Zeit bis zum Tod. Das zeigt eine aktuelle Meta-Analyse.
Hirnblutung im Kleinhirn, Operation

Hirnblutung im Kleinhirn: Ob operiert werden sollte, kommt auf die Größe der Blutung an

Blutungen im Kleinhirn sind relativ selten, darum gibt es nur wenig Daten, wie sinnvoll eine operative Blutungsentfernung ist. Bislang wurden größere Kleinhirnblutungen in der Regel operiert, da die hintere Schädelgrube räumlich begrenzt ist und der Hirnstamm durch die Blutung verdrängt werden könnte. Dann besteht Lebensgefahr. Außerdem gingen Ärzte davon aus, dass Patienten ohne Operation eine weitere klinische Verschlechterung droht.

Bei kleinen Blutungen Operation bringt Nachteile

Diese Annahme wird nun durch eine aktuelle Metaanalyse widerlegt. Demnach kann eine Operation weder bei kleineren noch bei größeren Kleinhirnblutungen die klinische Prognose der Patienten verbessern. Im Gegenteil: Bei einer Blutung, deren Volumen kleiner ist als 12 Kubikzentimeter, ist sogar eher eine funktionelle Verschlechterung zu erwarten. Die Patienten würden also noch mehr körperlich-motorische Beeinträchtigungen davon tragen als ohnehin schon. Bei größeren Blutungen (mehr als 15 Kubikzentimeter) haben die Patienten von einer Operation zwar keine Nachteile, aber auch keine Vorteile hinsichtlich bleibender Behinderungen.  Aber hier kann die Operation Leben retten.

 

Nur bei größeren Blutungen operieren

„Eine Operation bei Blutungen, die größer sind als 15 Kubikzentimeter, senkt die Sterblichkeitsrate signifikant – im Vergleich zum konservativen Vorgehen, wie etwa dem künstlichen Koma oder einer nicht-operativen Therapie zur Senkung des Hirndrucks“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Hagen Huttner vom Uni-Klinikum Erlangen das Ergebnis. "Dagegen sollte eine Kleinhirnblutung, deren Volumen kleiner ist als 12 Kubikzentimeter, nicht operativ entfernt werden.“

Gleiche Behinderungen mit und ohne OP

In der Metaanalyse wurden die Daten von 578 Patienten mit Kleinhirnblutungen untersucht bzw. die operativ und konservativ behandelten Patientinnen und Patienten miteinander verglichen. Damit ist die Studie die weltweit größte Untersuchung zu diesem Thema. Für Patienten mit sehr kleinen oder sehr großen Hirnblutungen waren die Ergebnisse nicht aussagekräftig genug, um Empfehlungen abzuleiten. Aber für mittelschwer Betroffene weiß man jetzt, dass die Funktionalität des Gehirns 90 Tage nach Eintritt der Blutung bei den operierten Patienten nicht besser oder schlechter ist als bei den konservativ behandelten. Allerdings variierten die Ergebnisse deutlich, je nachdem, wie groß die Blutung anfänglich war.“

„Die funktionelle Prognose wird insgesamt durch eine Operation nicht sicher verbessert. Allerdings senkt eine OP die Sterblichkeit“, fasst Studienleiter Prof. Huttner zusammen. „Diese Erkenntnis ist sehr hilfreich für den klinischen Alltag und für unsere Kommunikation mit Angehörigen.“

An der Analyse beteiligten sich insgesamt 64 Zentren unter Federführung der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Die Studienergebnisse wurden jetzt im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht.

In Deutschland erleiden jährlich rund 35.000 Menschen eine akute Hirnblutung. Häufig ist eine Aneurysma die Ursache. Rund zehn Prozent dieser Blutungen ereignen sich im Kleinhirn.

Foto: © sudok1 - Fotolia.com

Autor: red
 

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