. Zahnmedizin

Was beim Tragen von Brackets den Zahnschmelz stabilisiert

Das Tragen einer festen Zahnspange (Brackets) kann dazu führen, dass an den Rändern der Apparatur Zahnschmelz stärker remineralisiert. Eine neue Wirkstoffkombination stabilisiert ihn wieder.
Brackets, feste Zahnspange, Kieferorthopädie

Am Rand der auf den Zahn geklebten Brackets kann sich der Zahnschmelz stärker demineralisieren

Wenn zur kieferorthopädischen Behandlung eine feste Zahnspange eingesetzt wird, kann es – insbesondere am Rand der Flächen, an denen die Apparatur auf dem Zahn angebracht ist – zur Demineralisation des Zahnschmelzes kommen. Aus solchen Schädigungen, die bei festen Zahnspangen in fast der Hälfte aller Fälle auftreten, kann Karies entstehen.

Selbst in kleinsten Beschädigungen im Zahnschmelz können sich Bakterien ansiedeln, vermehren und weiter ins Zahninnere vordringen. Sind die Defekte noch in einem frühen Stadium (initiale Läsion), kann eine neuartige Behandlungsmethode den Prozess stoppen und sogar dazu beitragen, dass der Zahn sich selbst repariert. Das zeigt eine Studie der Philipps-Universität Marburg und des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS.

Peptid P11-4 und Fluoridlack auftgetragen

Zum Einsatz kam dabei das Peptid P11-4. Es gehört zu den sich selbst organisierenden Peptiden, die eine biologische Matrix bilden. Das Peptid wird als Flüssigkeit auf den Zahn aufgebracht, füllt die Läsion und sorgt dafür, dass sich Calciumionen und andere Mineralien in der Zahnstruktur  einlagern. Auf diese Weise wird der Zahnschmelz remineralisiert.

In ihrer gemeinsamen Studie haben die Forscher untersucht, welche Effekte sich damit für die Remineralisation in Kombination mit Fluoriden erzielen lassen. Dazu wurden auf Schmelzproben kieferorthopädische Brackets befestigt und initiale Läsionen erzeugt. Ein Teil der Proben wurde dann gar nicht behandelt, ein anderer Teil nur mit einem Fluoridlack, die dritte Gruppe mit dem Peptid P11-4 und Fluoridlack.

 

Was beim Tragen von Brackets den Zahnschmelz stabilisiert

Die Proben wurden für 90 Tage in künstlichem Speichel gelagert. "Durch den Einsatz von P11–4 in Kombination mit einem Fluoridlack konnten wir eine signifikant verbesserte Remineralisation im Vergleich zur alleinigen Anwendung von Fluoriden zeigen", fasst Prof. Dr. Anahita Jablonski-Momeni von der Philipps-Universität Marburg die Ergebnisse der Studie zusammen. So lässt sich also beim Tragen von Brackets der Zahnschmelz stabilisieren.

Die Kollegen in Marburg haben dabei ein neuartiges Biolumineszenzverfahren eingesetzt, das freie Calciumionen erfasst, die sich während Demineralisationsvorgängen an der Schmelzoberfläche befinden und als Lumineszenzareale digital abgebildet werden, erläutert dazu Maria Morawietz vom Fraunhofer IMWS, das die Studie mit ergänzenden Mikrostrukturanalysen unterstützt hat.

Prophylaxe-Preis für Wirkstoff-Kombi

Die Ergebnisse der Zusammenarbeit wurden als herausragender Beitrag zur Forschung und Umsetzung der zahnmedizinischen Prophylaxe in der Kinder- und Jugendzahnheilkunde mit dem Oral-B blend-a-med Prophylaxepreis unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) ausgezeichnet, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Eine Zusammenfassung der Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Oralprophylaxe & Kinderzahnheilkunde veröffentlicht.

Foto: Adobe Stock/dusk

Autor: bab
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