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25.03.2017

Was bei Erkältung nicht hilft

Bei Erkältungen werden gerne Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen oder auch Antihistaminika eingenommen. Nun haben zwei Cochrane Reviews gezeigt: Die Medikamente sind nicht viel besser als ein Placebo.
Eine Erkältung braucht ihre Zeit. Weder Schmerzmittel noch Antihistaminika können daran etwas ändern

Eine Erkältung braucht ihre Zeit. Weder Schmerzmittel noch Antihistaminika können daran etwas ändern

Erkältungen, auch grippale Infekte genannt, sind die häufigste und verbreitetste bekannte Krankheit beim Menschen. Sie werden anders als die echte Influenza von sogenannten Rhinoviren ausgelöst und beginnen meist mit Schnupfen. Oft werden Erkältungen von Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber begleitet. Viele Menschen greifen dann gerne zu einem Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen. Diese so genannten nichtsteroidalen Entzündungshemmer (NSARs) wirken schmerzlindern und fiebersenkend. Man fühlt sich für kurze Zeit besser.

Nichtsteroidale Entzündungshemmer können einige Symptome lindern

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2015 hat neun Studien mit über 1.000 Teilnehmern ausgewertet, in denen der Effekt von NSARs bei Erkältungskrankheiten untersucht wurde. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass begleitende Schmerzsymptome und allgemeines Unwohlsein zwar gelindert werden könnten. „Aber es gibt keine klare Evidenz, dass NSARs bei Erkältungssymptomen wie Husten oder laufender Nase wirksam sind.“ Da in einigen Studien von Nebenwirkungen wie Verdauungsbeschwerden, Ausschlag und Ödemen berichtet wird, raten die Wissenschaftler zur Vorsicht: „Nutzen und Schaden sollten gleichermaßen berücksichtigt werden, wenn NSARs zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt werden“, schreibt das Autorenteam.

 

Antihistaminika ohne Nutzen

Ein zweites Cochrane-Reviw aus demselben Jahrnahm Antihistaminika unter die Lupe. Auch diese Medikamente werden gerne bei Erkältungen eingenommen, weil die nasalen Symptome denen von Heuschnupfen ähnlich sind. Für das Review wurden 18 Studien mit insgesamt mehr als 4.000 Teilnehmern analysiert. Menschen mit Heuschnupfen, Asthma oder Ekzemen waren dabei ausgeschlossen. Das ernüchternde Ergebnis: Antihistaminika sind nicht viel besser als ein Placebo. So gaben 45 Prozent der Probanden an, sich durch das Antihistaminikum besser zu fühlen, in der Placebogruppen waren es immerhin 38 Prozent. „Die Wirkung sedierender Antihistaminika auf eine laufende Nase (Rhinorrhö) und Niesen ist zu gering, um dem Patienten einen Nutzen zu bringen“, schlussfolgern die Autoren. Außerdem könnten Nebenwirkungen wie Sedierung auftreten. Auch hier sei das Nutzen/Risiko abzuwägen.

Letztlich unterstreichen beide Cochrane-Reviews, das, was man sowieso schon wusste: Gegen Erkältungen gibt es keine ursächliche Therapie.

Beide Reviews wurden durch Cochrane Schweiz autorisiert.Referenzen:

Nichtsteroidale Entzündungshemmer bei Erkältung

Kim S, Chang Y, Cho H, Hwang Y, Moon Y. Non-steroidal anti-inflammatory drugs for the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 9. Art. No.: CD006362. DOI: 10.1002/14651858.CD006362.pub4

Antihistaminika gegen grippale Infekte

 

De Sutter AIM, Saraswat A, van Driel ML. Antihistamines for the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 11. Art. No.: CD009345. DOI: 10.1002/14651858.CD009345.pub2

Foto: © Alina G - Fotolia.com

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Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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