Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
01.08.2016

Warum Stillen das Diabetes-Risiko senkt

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko, später auch an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Stillen diese Frauen jedoch ihre Babys länger als drei Monate, kann dies einer späteren Diabetes-Erkrankung vorbeugen.
Stillen und Diabetes

Stillen ist nicht nur für die Gesundheit des Kindes gut, sondern auch für die der Mutter

Vier Prozent aller schwangeren Frauen in Deutschland entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes. Und obwohl sich ihr Blutzuckerspiegel nach der Entbindung zunächst wieder normalisiert, erkrankt jede zweite Betroffene innerhalb der nächsten zehn Jahre an einem Typ-2-Diabetes. Forscher haben zwar herausgefunden, dass Stillen dieses Risiko um 40 Prozent senken kann, doch woran das genau liegt, konnte bisher nicht festgestellt werden. Nun hat ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) gezeigt, dass Stillen zu langfristigen Veränderungen des Stoffwechsels führt, die wiederum der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes entgegenwirken.

Stillen schützt bis zu 15 Jahre vor Diabetes

In einer früheren Untersuchung hatten Forscher um Professor Anette-G. Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München, bereits gezeigt, dass sich ab einer Stilldauer von drei Monaten ein Schutzeffekt gegen Diabetes einstellt, der bis zu 15 Jahre nach der Schwangerschaft anhält. Nun wollten sie herausfinden, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind.

Für die aktuelle Studie untersuchte das Wissenschaftlerteam knapp zweihundert Patientinnen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelt hatten. Die Probandinnen nahmen für die Untersuchung eine standardisierte Zuckerlösung zu sich und gaben zuvor nüchtern sowie im weiteren Testverlauf eine Blutprobe ab. Diese verglichen die Wissenschaftler hinsichtlich 156 verschiedener, bekannter Stoffwechselprodukte. Die Entbindung lag zu diesem Zeitpunkt im Schnitt dreieinhalb Jahre zurück.

 

Stoffwechsel durch Stillen nachhaltig verändert

„Wir konnten beobachten, dass sich die Stoffwechselprodukte der Frauen, die länger als drei Monate gestillt hatten, deutlich von jenen unterschieden, die kürzere Stillzeiten hatten“, erklärte Studienautorin Dr. Daniela Much vom IDF. „Das längere Stillen ist mit einer veränderten Produktion von Phospholipiden und verringerten Konzentrationen von verzweigtkettigen Aminosäuren im Blutplasma der Mütter verbunden.“ Dies sei auch insofern interessant, weil die betroffenen Stoffwechselprodukte schon in früheren Studien mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wurden, so die Forscher.

„Die Ergebnisse unserer Studie liefern Hinweise auf krankheitsrelevante Stoffwechselpfade, die durch den Stillvorgang beeinflusst werden und somit dem Schutzeffekt zu Grunde liegen könnten“, fasst Dr. Sandra Hummel zusammen. Sie führt die Arbeitsgruppe Gestationsdiabetes am IDF und leitete die Studie. Stillen stelle somit eine kostengünstige Interventionsmaßnahme dar, langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes zu senken. Damit hat das Stillen eine mehrfach positive Wirkung: Es ist nicht nur gut für das Kind, sondern schützt auch die Gesundheit der Mutter.

Foto: © famveldman - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Blutzucker , Diabetes-Diagnose , Diabetischer Fuss , Insulin , Schwangerschaft , Stillen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vitamin C ist das bekannteste Vitamin überhaupt. Es ist an über 150 Stoffwechselprozessen beteiligt, gut für Zähne und Knochen, die Verdauung und die Entgiftung der Leber. Und es hemmt die Bildung von krebsauslösenden Nitrosaminen. Anders als vielfach angenommen, hat seine wichtigste Wirkung aber nicht mit dem Schutz vor Erkältungen zu tun – sondern mit Anti-Aging.

Reizüberflutung und Stress sind die Schattenseiten der Digitalisierung. Da hilft nur die digitale Entgiftung. Ein Psychologe gibt Tipps, wie der Entzug trotz Homeoffice und Homeschooling umgesetzt werden kann.

Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin