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Warum Statine auf die Muskeln gehen

Statine können Muskelschmerzen- und krämpfe nach sich ziehen. Warum die Cholesterinsenker solche unerwünschten Nebenwirkungen haben, das haben nun Berliner Forscher untersucht. Tatsächlich fand sich eine wissenschaftliche Erklärung.
Müde und schmerzenden Muskeln durch Statine: Berliner Forscher haben den Effekt jetzt wissenschaftlich nachgewiesen

Müde und schmerzenden Muskeln durch Statine: Berliner Forscher haben den Effekt jetzt wissenschaftlich nachgewiesen

Schätzungsweise fünf Millionen Menschen in Deutschland nehmen Statine ein. Die Cholesterinsenker werden verordnet, um kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Der Wirkmechanismus besteht darin, dass Statine ein bestimmtes Enzym bei der Cholesterinbildung blockieren, das sogenannte HMG-CoA. Allerdings haben die Medikamente auch Nebenwirkungen. Am häufigsten klagen Betroffene über Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe.

„Angesichts der Nutzen von Statinen für die Gesundheit der westlichen Weltbevölkerung werden diese Nebenwirkungen jedoch oft als vernachlässigbar eingestuft“, sagt Prof. Simone Spuler vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) in Berlin.

Simvastin und Rosuvastatin an Muskelzellen getestet

Um herauszufinden, was Statine mit den Muskeln machen, haben die ECRC-Forscher nun eine Studie mit menschlichen Skelettmuskelzellen durchgeführt. Die 22 verschiedenen Muskelzelltypen wurden einmal mit dem fettlöslichen Wirkstoff Simvastatin und einmal mit dem wasserlöslichen Wirkstoff Rosuvastatin behandelt. Anschließend wurde jeweils die Gen- und Stoffwechselaktivität in den Muskelzellen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Ausschaltung des zentralen Enzyms komplexe Folgen hat. „Ganz offensichtlich üben Statine in der allgemein üblichen Wirkstoffmenge dramatische strukturelle, funktionelle und metabolische Effekte auf die Muskeln aus“, fasst Spuler die Ergebnisse zusammen, die jetzt im Fachblatt „Scientific Reports“ erschienen sind.

 

Cholesterinsenker beeinflussen Tausende Gene

In den untersuchten Zellen stießen die Forscher auf rund 2.500 Gene, die nach der Medikamentengabe anders reguliert wurden als gewöhnlich. Dadurch wurden 900 Proteine entweder in zu geringen oder zu großen Mengen hergestellt. „Der Einfluss von Simvastatin war diesbezüglich höher als der von Rosuvastatin“, sagt Spuler, jedoch werde durch beide Medikamente der gesamte Fettsäure-Stoffwechsel in den Muskelzellen gedrosselt. Auch die Produktion einer Gruppe hormonähnlicher Substanz den sogenannten Eicosanoiden war herabgesetzt.

Weiter konnten die Forscher durch funktionelle Analysen zeigen, dass das Wachstum und die Teilung der Skelettmuskelzellen durch die Statine beeinträchtigt werden. Kein Wunder also, dass viele Patienten, die Statine einnehmen über müde und schmerzende Muskeln klagen.

Durch die Gabe von Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren konnte dieser Effekt jedoch teilweise rückgängig gemacht werden. „Eine ergänzende Einnahme derartiger Präparate kann daher eine Möglichkeit sein, um einer Statin-Myopathie vorzubeugen oder sie zu behandeln“, meint Spuler.

Statine kritischer verschreiben

Doch angesichts der vorliegenden Ergebnisse, sollten Ärzte Statine sehr viel kritischer verordnen, als es bislang der Fall sei, also Risiko und Nutzen individueller abwägen. „In vielen westlichen Ländern der Welt haben sich die Cholesterinsenker fast schon zu einem Life-Style-Präparat entwickelt“, betont die Professorin „Das ist keinesfalls ein positiver Trend“.

Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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