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10.10.2021

Warum Sport den Blutzuckerspiegel trotz Insulinresistenz senkt

Patienten mit Typ-2-Diabetes können durch körperliche Aktivität ihren Blutzuckerspiegel senken. Wissenschaftler haben nun einen Mechanismus entdeckt, mit dem die Glukoseaufnahme im Muskel auch bei Insulinresistenz aktiviert werden kann.
Glukoseaufnahme im Muskel trotz Insulinresistenz: Diabetesforscher finden Erklärung

Glukoseaufnahme im Muskel trotz Insulinresistenz: Diabetesforscher finden Erklärung

Wenn wir uns bewegen, verbrauchen die Muskeln Zucker (Glukose). Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, weshalb ihnen körperliche Aktivität dringend empfohlen wird. Das Hormon Insulin kann bei Diabetikern dagegen nur wenig gegen die Blutglukose ausrichten, weil eine Insulinresistenz vorliegt. Das heißt, Körperzellen – und auch Muskelzellen - werden zunehmend unempfindlicher gegenüber dem Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.

Wie genau Muskelarbeit und Insulin die Glukoseaufnahme in die Zellen bewirken, haben nun Wissenschaftler des Deutschen Diabetes Zentrums untersucht und wurden fündig: Das Team um Prof. Dr. Hadi Al-Hasani und Dr. Alexandra Chadt entdeckte einen Mechanismus, der erklärt, wie Insulin und die Anspannung der Muskeln zusammenarbeiten.

Muskelarbeit aktiviert alternativen Signalweg

Die Experimente wurden an Muskelzellen mit eingeschränkter Insulinwirkung durchgeführt. Mehrere Gene, die für die Weiterleitung des Insulinsignals und die Glukoseaufnahme in die Zelle benötigt werden, wurden ausgeschaltet. Dabei fanden die Forscher einen alternativen Signalweg, mit dem die Glukoseaufnahme im Muskel auch bei Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes aktiviert werden kann. „Offenbar enthalten Muskelzellen mehrere Signalwege, die für die Aufnahme von Glukose aus dem Blut benötigt werden“, erläutert Dr. Chadt, stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe Pathobiochemie.

Befund möglicherweise relevant für neue Therapien

„Dieser Signalweg, den wir wissenschaftlich als AMPK/Rac1 bezeichnen, stellt eine Art natürlichen Reservemechanismus dar und könnte für die Entwicklung neuartiger Wirkstoffe für die Behandlung von Insulinresistenz und Diabetes genutzt werden“, erläutert Prof. Al-Hasani, Direktor des Instituts für Klinische Biochemie und Pathobiochemie am DDZ hinzu. Die Rolle dieses Mechanismus bei der Entwicklung von verschiedenen Subtypen des Diabetes, insbesondere bei geringer Verbesserung der Blutglukose durch regelmäßigen Sport, sollte aus Sicht des Forschers in künftigen Studien weiter untersucht werden.

 

Foto: © Adobe Stock/ Goffkein

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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