Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.11.2019

Warum Schlafmangel das Risiko für Alzheimer erhöht

Schlafstörungen werden schon seit langem mit degenerativen Hirnerkrankungen wie Morbus Alzheimer in Verbindung gebracht. Neue Studienergebnisse bestätigen das. Offenbar verhindert Schlafmangel den Abbau schädlicher Proteine im Gehirn.
Schlafmangel, Alzheimer

Schlechter Schlaf und Demenzerkrankungen können zusammenhängen

Schon länger wird vermutet, dass zu wenig oder schlechter Schlaf das Alzheimerrisiko erhöht. Allerdings konnte bisher nicht vollständig geklärt werden, ob der schlechte Schlaf eher ein Frühsymptom ist oder tatsächlich eine Demenz begünstigen kann. In letzter Zeit mehren sich jedoch die Hinweise, dass Schlafmangel tatsächlich das Risiko für Alzheimer erhöhen kann.

Einer neuen Studie zufolge werden bei Schlafmangel vermehrt Tauproteine aus Nervenzellen freigesetzt. Ihren Ablagerungen wird heute – neben den denen der Betaamyoloide – eine große Bedeutung für die Zerstörung von Hirnzellen bei Morbus Alzheimer zugeschrieben.

Mehr Ablagerungen von Betaamyloiden und Tauproteinen

In früheren Studien hatten Forscher Hinweise gefunden, dass ein Schlafentzug zu einem Anstieg von Betaamyloiden im Liquor führt. Dies gilt offenbar auch für Tauproteine. Ihre Konzentration steigt im Alter an. Verstärkt werden kann dieser Prozess offenbar durch Schlafmangel, wie Forscher um David Holtzman von der Washington University School of Medicine in St. Louis herausfanden.

Zunächst verglichen die Forscher die Konzentration von Tauproteinen im Gehirn von Mäusen während des Schlafes und im Wachzustand. Sie entdeckten, dass die Taukonzentration im Wachzustand fast zweimal so hoch war wie beim Schlafen. Bei einem anschließenden Test mit acht gesunden Menschen, deren Liquor während der Nacht über einen Lumbalkatheter kontinuierlich untersucht wurde, zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Bei einer erzwungenen Schlaflosigkeit war die die Taukonzentration um 50 Prozent erhöht.

 

Schlaf ermöglicht Abbau schädlicher Proteine

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tauproteine durch die Hirnaktivität im Wachzustand vermehrt aus den Nervenzellen in den Zellzwischenraum abgegeben werden. Dort, im sogenannten Interstitium, kann es durch bestimmte weitere Umstände zu Ablagerungen kommen, welche wiederum für den Nervenzelluntergang verantwortlich sein sollen. Ein erholsamer Schlaf hingegen scheint dazu beizutragen, dass die schädlichen Proteine abgebaut werden.

Um ihre Vermutungen zu bestätigen, injizierten die Forscher daraufhin Tauproteine in den Hippocampus der Mäuse. Ein Teil der Tiere wurde danach künstlich wachgehalten, die anderen durften ihrem natürlichen Wach-Schlaf-Rhythmus folgen. Es zeigte sich, dass sich die Proteine nach vier Wochen bei den schlaflosen Mäusen weiter ausgebreitet hatten als bei den ausgeruhten Tieren. Dabei traten die Ablagerungen in den gleichen Bereichen des Gehirns auf, die auch bei Alzheimerpatienten betroffen sind. Möglicherweise könnten also schlaffördernde Maßnahmen eine Alzheimer-Erkrankung hinauszögern oder ihren Verlauf günstig beeinflussen.

Foto: © Rido - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alzheimer
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alzheimerrisiko

15.03.2020

Damit gelernte Inhalte im Gedächtnis haften bleiben, ist guter Schlaf notwendig. Nun konnten Forscher zeigen, dass bestimmte Duftstoffe dabei helfen, neu Gelerntes im Schlaf besser zu speichern. Im Experiment half ein Rosenduft Schülern beim Lernen von englischen Vokabeln.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Der Wirkstoff Nusinersen zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA) hat nach Einschätzung des IQWiG einen erheblichen Zusatznutzen für Kinder mit SMA Typ1. Die Kinder mit einem frühen Krankheitsbeginn profitieren demnach von einer lebensverlängernden Behandlung.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist jetzt auch für Senioren zugelassen. Damit könnten die älteren Corona-Risikogruppen schneller durchgeimpft werden. Über Härtefalle, die aus ärztlicher Sicht eine vorzeitige Impfung benötigen, entscheidet in Berlin eine neue Clearingstelle.

Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin