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Warum Narzissten die Empathie fehlt

Wenn Selbstbewusstsein in Selbstverliebtheit umschlägt, sprechen Ärzte von Narzissmus. Wissenschaftler der Charité haben jetzt herausgefunden, dass eine narzisstische Persönlichkeitsstörung tatsächlich mit einer veränderten Anatomie des Gehirns einhergeht.
Pathologischem Narzissmus: weniger graue Substanz im Gehirn

Pathologischem Narzissmus: weniger graue Substanz im Gehirn

„Der sehr narzisstische Mensch hat eine unsichtbare Mauer um sich erstellt", schrieb schon einst der Psychoanalytiker Erich Fromm. „Er ist alles, die Welt ist nichts - oder vielmehr: Er ist die Welt."

Narzistische Persönlichkeitsstörung

Heute wird eine tiefgreifende Störung des Selbstwertgefühls als narzisstische Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Experten zufolge leiden Menschen mit Narzissmus einerseits unter Minderwertigkeitsgefühlen, andererseits zeigen sie sich nach außen als arrogant, abwertend und selbstverliebt. Eines der Kernmerkmale einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist der Mangel an Empathie. Zwar können Patienten, die unter einer solchen Störung leiden, gut erkennen, was andere Menschen fühlen, denken und beabsichtigen, sie zeigen jedoch wenig Mitgefühl.

Nun hat ein Team von Wissenschaftlern der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Freien Universität Berlin im Rahmen einer Kooperation im Excellenzcluster „Languages of Emotion“ eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung zeigen demzufolge eine Verminderung der grauen Substanz in einer für das Empfinden von Mitgefühl relevanten Region des Gehirns.

 

Das Maß an Empathie korreliert mit der grauen Substanz

In der jetzt im Journal of Psychiatric Research veröffentlichten Studie zeigt das Team um PD Dr. Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité und Leiter der Arbeitsgruppe Persönlichkeitsstörungen erstmals das strukturelle Korrelat dieses Defizits auf. Die Wissenschaftler analysierten insgesamt 34 Probanden, von denen 17 unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung litten. In einer Vorstudie konnten die Wissenschaftler mithilfe verschiedener Tests bereits zeigen, dass diese Patienten tatsächlich ein Defizit im Empathievermögen aufwiesen.

Per Magnetresonanztomographie (MRT) maßen die Wissenschaftler anschließend die Dicke der Großhirnrinde der Probanden. Die Großhirnrinde bildet die äußere Nervenzellschicht des Gehirns. Es zeigte sich, dass diejenigen Probanden, die unter Narzissmus litten, strukturelle Auffälligkeiten in genau jener Region des Gehirns aufwiesen, die in die Verarbeitung und Erzeugung von Mitgefühl involviert ist. Diese Region der Großhirnrinde war im Vergleich zur Kontrollgruppe bei den Patienten mit einer solchen Störung deutlich dünner.

Untersuchungen werden mit funktioneller Bildgebung fortgesetzt

„Unsere Daten zeigen, dass das Maß an Empathie direkt mit dem Volumen der grauen Hirnsubstanz des entsprechenden kortikalen Repräsentationsfeldes in der Inselregion korreliert und genau hier die Patienten mit Narzissmus ein Defizit aufweisen«, kommentiert Dr. Röpke die Ergebnisse. Aufbauend auf den vorliegenden Daten wollen die Wissenschaftler nun mithilfe der funktionellen Bildgebung (fMRT) die Arbeitsweise des Gehirns von Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung genauer untersuchen.

Foto: © Minerva Studio - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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