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22.08.2016

Warum Menschen unterschiedlich schnell altern

Ein Klassenkamerad auf dem Abiturtreffen sieht so aus, als habe er gerade die 40 erreicht, der andere wirkt, als habe er die 50 weit überschritten. Warum Menschen unterschiedlich schnell altern, erforschen Wissenschaftler wie Prof. Alexander Bürkle von der Universität Konstanz.
Gesund im Alter

Menschen altern unterschiedlich schnell

Woran es liegt, dass einige bis ins hohe Alter rege und von gravierenden Krankheiten verschont bleiben, während andere schon in mittleren Jahren deutlich verbraucht wirken – hierauf hat die Forschung bisher keine eindeutigen Antworten gefunden.

Um der Antwort näher zu kommen, haben sich 26 Arbeitsgruppen aus 14 Ländern an der multizentrischen Studie MARK-AGE beteiligt. Fünf Jahre lang wurden die Gesundheitsdaten von rund 3.300 Probanden im Alter von 35 bis 74 Jahren protokolliert.

Warum Menschen unterschiedlich schnell altern

Unter den  Teilnehmern befanden sich auch die Nachkommen von Personen, die zuvor am GEHA-Projekt (Genetics of Healthy Aging) beteiligt waren. Die damaligen Probanden mussten mindestens 90 Jahre alt und überdurchschnittlich gesund sein sowie Geschwister vorweisen, die gleichermaßen langlebig und fit waren.

„Uns interessierte, ob man bei diesen ‚genetisch begünstigten‘ Menschen schon im mittleren Lebensalter eine Verlangsamung des Alternsprozesses feststellen kann“, so Bürkle. „Alles deutet darauf hin, dass Altern eine Mischung aus Genetik und Umwelteinflüssen ist.“

 

Biomarker fürs Fit-Bleiben gesucht

Rund 400 Biomarker wurden auf ihre Aussagekraft geprüft. Die zehn relevantesten stellt  Prof. Bürkle, der Molekulare Toxikologie im Fachbereich Biologie lehrt, auf dem Kongress für Altersmedizin in Stuttgart Anfang September 2016 vor.

Wie es vielen Menschen gelingt, auch im Alter gesund und fit zu bleiben, erforscht seit 2009 bereits die Berliner Altersstudie II (BASE-II). Bis heute wurden mehr als 1.600 ältere und 600 jüngere Menschen von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen untersucht, darunter Psychologen, Mediziner, Ernährungs- und Sozialwissenschaftler sowie Genetiker.

Verkürzung der Telomere könnte eine Rolle spielen

Nach ersten Ergebnissen sind individuelle Unterschiede in der Alterung nicht auf Funktionen des Gehirns, wie Kognition und Selbstbild, beschränkt, sondern betreffen auch andere Systeme, beispielsweise das System der Blutbildung. Etwa sechs Prozent der untersuchten Männer und Frauen hatten eine Anämie. Bei ihnen war der Blutfarbstoff Hämoglobin verringert.

Daneben gibt auch die Länge der Chromosomenenden, der Telomere, einen Hinweis auf das biologische Alter. Diese verkürzen sich mit jeder Zellteilung. „Sowohl der Anteil der Personen mit Anämie als auch die Verkürzung der Telomere nimmt mit dem Alter zu“, sagt Ilja Demuth von der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Ko-Leiter des medizinischen Teilprojekts von BASE-II.

Herpes-Viren sind am Alterungsprozess beteiligt

Zusätzlich sind viele Menschen mit dem Cytomegalie-Virus infiziert, ohne dass sie es merken. Dieser gehört zur Gruppe der Herpes-Viren und steht, so konnten die Analysen zeigen, mit einem schwächeren Gesamtzustand des Immunsystems im Zusammenhang.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Studie, dass sich die Zeit, in der ältere Menschen von gesundheitlichen Einschränkungen oder geistigen Einbußen betroffen sind, durch die verlängerte Lebenserwartung nicht einfach in die Länge zieht, sondern sich zum Ende des Lebens hin verdichtet, so Denis Gerstorf, Professor für Entwicklungspsychologie an der Berliner Humboldt-Universität zu Berlin.

Ausdauersport verlängert die Telomere

Wer moderat regelmäßig Ausdauersport wie Joggen betreibt, bremst den Alterungsprozess von Zellen und Organismus und schützt sich so besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche und altersbedingten Krankheiten wie Diabetes. Das zeigten Kardiologe Dr. Christian Werner und Kollegen vom Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg/Saar in einer Studie, die von der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet wurde.

Moderater Ausdauersport und hochintensives Intervalltraining sind in dieser Hinsicht dem reinen Krafttraining überlegen. Ausschlaggebend für den Befund ist die Aktivierung des Enzyms Telomerase. Die Telomerase wirkt der Telomerverkürzung als Folge der Zellteilung während des Alterns entgegen, indem sie die Verkürzung verhindert oder gar eine Verlängerung bewirkt.

Foto: aerogondo/fotolia.com

Autor: bab
Hauptkategorie: Demografischer Wandel
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